War Match, der exklusive Ticketvermarkter der Fifa 2010, über einzelne Mitarbeiter selbst im Schwarzhandel tätig? Die Agentur bestreitet das. Und die affärenreiche Fifa, der erst im Juni ein Schweizer Strafgericht Korruption auf hoher Funktionärsebene attestiert hatte, hüllt sich geübt in Schweigen. "Aus Prinzip", heißt es auf Anfrage, "kommentiert die Fifa keine Behauptungen in den Medien." Doch bringt sie der Vorgang unter Druck. Partner Match, zu dessen Miteignern neben den Byrom-Brüdern die Schweizer Rechteagentur Infront gehört, geführt von Philippe Blatter, Neffe des Fifa-Bosses Sepp Blatter, stand ja schon vor der Südafrika-WM massiv in der Kritik.

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Match hatte über eine offenkundig zu gierige Marktpolitik die Binnenwirtschaft im WM-Land blockiert - und enorme Probleme, die teuren Hospitality-Pakete loszuschlagen. Für deren Vermarktung hatte die Agentur der Fifa 120Millionen Dollar gezahlt. Zehntausende überteuerte Sitze blieben leer bei der WM, sogar beim Endspiel kamen Last-Minute-Käufer für 100 Dollar in den Genuss von Hospitality-Tickets, die mit 5000 Dollar veranschlagt waren.

Match ist verstrickt mit Fifa-Offiziellen, eng sind die mexikanischen Brüder Byrom mit dem karibischen Fifa-Vize Warner verbunden. Trotz aller Affären werden den obskuren Agenten immer wieder Kernbereiche des WM-Ticketgeschäfts zugeschanzt; auch bei der Frauen-WM 2011 in Deutschland und dem Männerturnier 2014 in Brasilien sollen sie mitverdienen. Das nährt Zweifel am Aufklärungswillen der Fifa. Die versetzt zwar ihre Ausrichterländer vor und während einer WM mit Heerscharen von Juristen und Marketendern in den Ausnahmezustand, zugleich aber füllen sich Funktionäre diskret die Taschen. Das Paradebeispiel für die institutionalisierte Durchstecherei im Weltverband liefert Topfunktionär Jack Warner. Der Volksschullehrer wurde im Ehrenamt für den Fußballzwerg Trinidad/Tobago zum Multimillionär und gilt als Skandalnudel Nummer eins der Fifa.

Ärger für Jack "the Ripper"

Blatter-Intimus Warner bekennt, dass er die 35 Voten seines Kontinentalverbandes Concacaf (Nord- und Mittelamerika) gern en bloc dem Fifa-Boss zuführt. Darf sich der Funktionär deshalb so ungeniert im Ehrenamt bereichern? Warner erwirbt seit 1990 exklusiv die WM-Fernsehrechte für den karibischen Raum, gern zum Vorzugspreis von einem Dollar. Dazu vertickt er Tausende WM-Karten über sein Agenturgeflecht, wobei er während der WM 2006 selbst aus Fifa-Sicht den Bogen überspannte. Warner, neuerdings Transportminister auf seiner Insel, hatte nach Ermittlungen der Bilanzprüfer von Ernst&Young Tausende WM-Tickets versilbert, die unter anderem sein Landesverband Trinidad/Tobago als Turnier-Teilnehmer erhalten hatte. Die von der Fifa geforderte Rückzahlung in Höhe von rund einer Million Dollar soll nur zu einem Viertel geflossen sein, sogar die Ethik-Kommission der Fifa - eigentlich nur Dekor - erteilte Warner einen Tadel.

Nun hat Jack "the Ripper" Ärger. Warner soll auch für Südafrika am WM-Schwarzmarkt tätig gewesen sein und über seine karibische Fußballunion (CFU) hunderte WM-Tickets bei der Fifa bestellt haben. Die Rechnung ging via Zwischenhändler an eine große norwegische Schwarzmarkt-Agentur. Aber der Deal platzte, die Agentur zahlte nicht, plötzlich standen Fifa-Vize und CFU mit offenen Rechnungen da. In diversen Mails an hohe Fifa-Offizielle und, laut Dagbladet, an Match habe die CFU Warners Besorgnis über die peinliche Lage dargetan: Sein ramponierte Ansehen könne wegen des neuerlichen Schwarzmarktdeals in der Fifa ernsthaft geschwächt werden. Sogar die Angst sei geäußert worden, Warner könne als Konsequenz seine karibischen TV-Rechte verlieren.

Warners TV-Rechtegeschäfte erscheinen selbst als filmreife Groteske. Über seine Firma JD International (Besitzer: Jack und Sohn Darryan) verkaufte er die WM-Rechte für 2002 und 2006 für gut vier Millionen Dollar an die von ihm geführte CFU. Und 2007 verkaufte JD die TV-Rechte für weitere zwei Weltmeisterschaften, diesmal soll der Deal 20 Millionen Dollar wert gewesen sein. Warner bestreitet nur allgemein krumme Touren, äußern wollte sich auch die Fifa auf SZ-Anfrage nicht.

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  1. Vertrauliche Geschäfte
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(SZ vom 03.09.2010/dabi)