Skandal nach der WM: Ein Ticketagentur-Mitarbeiter soll Daten von Hunderttausenden WM-Kartenkäufern zu Geld gemacht haben. Mit verstrickt in die Affäre - ein Fifa-Vizepräsident.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Spitzen des Fußball-Weltverbands Fifa und mit dem Verband verbundene Agenturen gern dunkle Geschäfte am Ticket-Schwarzmarkt treiben. Bei der WM 2006 wurde Fifa-Vorständler Ismael Bhamjee nach Botswana heimgeschickt, weil er beim Verticken von WM-Karten gefilmt worden war. Fifa-Vizepräsident Jack Warner wurde gar zu einer Million Dollar Rückzahlung verdonnert, als seine Karten-Deals aufflogen. Nun ist auch bei der WM 2010 vieles über schwarze Kanäle gelaufen. Die norwegische Zeitung Dagbladet hat es publik gemacht, sie liegt im Clinch mit der Schweizer Agentur Match.
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Mittendrin: Der verdächtige Fifa-Vizepräsident Jack Warner zusammen mit den Idolen Pelé (links) und Samuel Eto'o (rechts) während einer Audienz bei Nelson Mandela (vorne). (© AFP/Getty Images)
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Beschuldigt wird ein Match-Mitarbeiter, Hunderttausende personalisierte Daten von Kartenkäufern bei der WM 2006 inklusive Pass- und Sitzplatznummern an Schwarzhändler für die WM 2010 verkauft zu haben. Diese konnten mit den konkreten Personen- und Firmenlisten, die ja in weiten Teilen WM-Stammkunden abbilden, für das Südafrika-Turnier auf Kundenfang gehen. Wie lukrativ das ist, zeigt der Umstand, dass die Daten zwischen einem und 2,50 Euro pro Namen kosteten; ausgegangen wird von 250.000 verkauften Datensätzen.
Daten des Ex-Premiers
Bekannt sind erste prominente Opfer: Persönliche Daten von Schwedens einstigem Premier Ingvar Carlsson, Ski-Legende Anja Pärson oder Verwandten des ehemaligen Fußball-Nationaltrainers Lars Lagerbäck sollen ebenso verkauft worden sein wie von Svein Gjedrem, Chef der norwegischen Nationalbank. Jens Orbäck, früheres schwedisches Regierungsmitglied ("Für einen ehemaligen Minister stellt sich hier die Sicherheitsfrage!") ist ebenso betroffen wie der Generalsekretär des schwedischen Fußballverbandes, Tommy Theorin, der sagt: "Ich hätte nie gedacht, dass die Fifa so wenig Kontrolle ausübt. Solche Informationen müssen unbedingt vertraulich behandelt werden."
In England, wo die Firma Byrom ansässig ist, Haupteignerin von Match, eruiert der Datenschutzbeauftragte die Affäre: Die Frage sei, ob und wie die in Manchester registrierten Brüder Jaime und Enrique Byrom die Panne behandelt haben. Match mauerte auf SZ-Anfrage. Ein Sprecher verwies auf unter anderem darauf, dass die 2010 verkauften Personaldaten ja aus Kundenlisten von der WM 2006 stammen sollen, und diese sei damals "nicht von Match gemanagt worden". Auf die Frage, ob private WM-Kundendaten via Match-Mitarbeiter auf den Schwarzmarkt gelangt seien, folgte die lapidare Antwort: "Das wird behauptet." Weiter hieß es: Da die missbrauchte Kundenliste von 2006 stammen solle, "kann auch kein Leck innerhalb unseres Sicherheitsbereichs aufgetreten sein". Diese Aussage steht im Widerspruch zu dem mit Mails eines Match-Agenten belegten Vorwurf, dass dieser Agent intime Kundendaten - ergaunert woher auch immer - für die Südafrika-WM an den Schwarzmarkt verhökert habe. Einige Listen von 2006 liegen der SZ vor.
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Unnütze Hygienemaßnahmen
Diese Informationen sind wirklich nichts neues, wenn man bedenkt, dass die FIFA in der Vergangenheit mehrfach in Kontext mit Korruptionsvorfällen gesetzt wurde. Wer nichts dafür getan hat, solche Vorwürfe mittels Transparenz zu entkräftigen, sondern diese versucht sogar weiterhin zu verharmlosen, dem obliegt wenig Willen solches in der Zukunft zu verhindern. Die Südafrikaner fühlen sich aber grundsätzlich von der FIFA verarscht: http://2010sdafrika.wordpress.com/2010/06/30/sudafrikaner-fuhlen-sich-von-fifa-verarscht/
das wird nie passieren. Der Nachfolger von Sepp Blatter wird zum großen Teil von Sepp Blatter bestimmt werden und der Sepp holt sich sicherlichen keinen der irgendwelche Aufklärung betreiben wird. Solche Leute kommen doch erst gar nicht in die Position, denn die werden vorab abgeschossen.
Ihre Forderung wäre so, als wenn man bei der Mafia auf eine neuen Paten warten würde der die ganze Organisation der Polizei übergibt und die Beweise dazu gleich mitliefert.
Die FIFA ist einfach eine legalisierte Mafia die mit Fussball Geld verdient anstelle von Drogen oder Waffen.
Eine winzige legale Chance hätte man indem man die FIFA der UNO unterstellen würde und somit ein Kontrollorgan produzieren würde. Nachgewiesen Korruption müsste mit dem sofortigen Ausschluss bestraft werden und zwar ohne ansehen von Rang und Namen.
Die Korruption vererbt sich aber bis runter in die nationalen Verbände. Bei der WM2006 kenne ich hier auch lokale Vertreter von Verbänden die ihre bevorzugten Karten für eigene Geschäftsinteressen genutzt haben. Unter dem Motto, ich besorge Dir Karten für WM-Spiele und Du gibst mir dafür Aufträge an meine Firma.
Musste 2006 die Besucher der WM nicht alle Ihre Daten aus SICHERHEITSGRÜNDEN angeben?
Jetzt sieht man ja, was der wahre Hintergrund der seinerzeit völlig unsinnigen Aktion war - die persönliche Bereicherung einiger Funktionäre.
Und wie steht es um die Sicherheit der insb. prominenten Personen, deren Adressen jetzt Unbefugten zugänglich sind?
Das Sprichwort trifft auf die FIFA genau zu. Wenn man weiß, dass Sepp Blatter nur FIFA-Präsident geworden ist, weil er in der Nacht vor der Wahl sämtliche afrikanischen Funktionäre abgeklappert hat und ihnen gut gefüllte Geldkuverts zugesteckt hat, dann braucht man sich nicht wundern, dass keiner etwas gegen die Korruption tut, denn der ganze Laden ist durch und durch korrupt. Lauter ältere Herren, die nichts anderes im Sinn haben, als sich die Taschen vollzustopfen, sportliche Belange treten dabei immer mehr in den Hintergrund, siehe z.B. die katastrophale Schiedsrichter-Auswahl bei der letzten WM. Es wird wirklich Zeit, dass der Blatter endlich abgesägt wird und ein Neuer den ganzen Laden mal so richtig aufräumt.