Kontrollgremium des FC Bayern Armer Aufsichtsrat, armer Verein, armer Hoeneß

Uli Hoeneß: Der Aufsichtsrat hat seinen Rückzug abgelehnt. 

(Foto: dpa)

Die Aufsichtsräte haben entschieden, dass Uli Hoeneß bleibt. Und damit Steuerhinterziehung als lässliches Delikt gekennzeichnet. Mit der Treue-Bekundung hat das Gremium niemandem einen Gefallen getan - auch nicht Hoeneß oder den Dax-Konzernen.

Ein Kommentar von Hans Leyendecker

Der Bundespräsident hat neulich in einem Interview Uli Hoeneß abgesprochen, dass er noch Vorbild sein könne und erklärt: "Wer Steuern hinterzieht, verhält sich verantwortungslos oder gar asozial." Die Bundeskanzlerin hat sich "enttäuscht" vom Bayern-Präsidenten gezeigt, auch Finanzminister Wolfgang Schäuble hat den Steuerbetrug gegeißelt.

Alle drei Exponenten des Politikbetriebs haben damit nur ausgedrückt, dass Steuerbetrug dem Gemeinwohl schadet und eine kriminelle, verwerfliche Straftat ist. Es hat eine Weile gebraucht, bis die Gesellschaft den Steuerbetrug als Großschaden anerkannt hat, zu oft wurde der verharmlosende Begriff von der eher lässlichen Steuersünde verwendet.

Ausgerechnet der Aufsichtsrat des FC Bayern hat sich jetzt dem Zeitgeist widersetzt. Das Verbleiben von Hoeneß als Chef des Kontrollgremiums kann man mit allerlei Formeln begründen, aber letztlich ist es auch die Anerkennung der Steuerhinterziehung als lässliches Delikt. Das Gremium hat mit dieser Treue-Entscheidung niemandem einen Gefallen getan - auch nicht Uli Hoeneß.

FC Bayern München Aufsichtsrat stützt Uli Hoeneß

Nie zuvor hat eine Aufsichtsratssitzung der FC Bayern München AG einen solchen Rummel ausgelöst. Das Ergebnis war so nicht erwartet worden: Einvernehmlich lehnt das Gremium das Angebot seines Vorsitzenden Uli Hoeneß ab, das Amt ruhen zu lassen - trotz der Steueraffäre. Die sportlichen Ziele sollen nicht gefährdet werden.

Natürlich ist der Verein sein Lebenswerk, natürlich ist Hoeneß auch ein fürsorglicher Mensch, einer, der sich kümmert, aber er ist auch ein Steuerhinterzieher von Format. Mit der Unschuldsvermutung darf niemand in seinem Fall kommen, denn Hoeneß hat ja ein Geständnis abgelegt. Er hat eingestanden, dass er 3,2 Millionen Euro dem Fiskus vorenthalten hat. Es liegt gegen den Immer-weiter-Aufsichtsratschef immerhin ein Haftbefehl vor, der nur gegen eine Millionen-Kaution außer Vollzug gesetzt wurde.

Was soll jetzt noch abgewartet werden? Ob die überhastet abgegebene Selbstanzeige, die nachgebessert wurde, noch auf wundersame Weise heilend wirken kann oder nicht? Die entscheidende Frage, ob er die Steuer betrogen hat, ist geklärt. Er hat. Moralisch ist er schuldig.

Die Aufsichtsräte hätten sein Rückzugs-Angebot annehmen müssen, wenn sie es wirklich gut mit ihm meinen, allenfalls ein bisschen auf Zeit hätten sie spielen können. Natürlich ist ein Fußball-Verein keine gewöhnliche Firma, und es darf auch mal Rücksicht auf Biografien genommen werden. Dank der Leistungen von Hoeneß steht der Verein sportlich und wirtschaftlich so gut da wie nie zuvor, und eine Schamfrist bis zum 2. Juni, bis nach den Finalspielen in Champions League und DFB-Pokal, wäre angemessen gewesen. Dies bot sich als Kompromiss an und wurde verworfen.

Als demonstrativer Akt hätte sich zumindest angeboten, vom Vorsitz des Aufsichtsrates, des Kontrollgremiums aller wirtschaftlichen Prozesse, zurückzutreten. Präsident kann Hoeneß bleiben, wenn die Mitglieder es demokratisch so entscheiden.

Es ist übrigens rätselhaft, wie die Chefs großer Dax-Konzerne, die im Bayern-Aufsichtsrat sitzen, in ihren Unternehmen künftig die Einhaltung von Recht und Gesetz als Leitlinie ausgeben und bei den kleinsten Verstößen Null-Toleranz predigen wollen. Oder sagen sie dann Mia san mia? Und uns kann keiner? Armer Aufsichtsrat, armer Verein.