Konkurrenz zwischen FC Bayern und BVB Spanische Verhältnisse in der Bundesliga

Dortmunds Felipe Santana und Bayern-Stürmer Mario Mandzukic im DFB-Pokal-Viertelfinale.

(Foto: AFP)

Nach 50 Jahren Bundesliga ist der Markenkern gefährdet. Der stand dafür, dass es - anders als in Spanien - meist spannend bis zum Ende blieb. Doch dem Qualitätssprung, der sich aus der Rivalität Bayern/Borussia ergab, dürften die klassischen Gelegenheits-Verfolger nichts entgegenzusetzen haben.

Ein Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Vorbei, das Duell fällt aus. Jedenfalls so, wie es geplant war. Erst für den 31. der 34 Spieltage war der Showdown konzipiert, das Finale der Dortmunder mit den Münchnern, das sich dann bestimmt weltrekordreif in zirka 10.000 Ländern hätte vermarkten lassen. Jetzt aber ist der Bayern-Express in nur 28 Runden durchgerauscht. Deshalb wird das Liga-Duell am 4. Mai in Dortmund zwar weiterhin keines wie jedes andere - wie aber die Atmosphäre sein wird, ist völlig offen. Sie dürfte davon abhängen, was noch in der Champions League passiert: Drei Tage vor dem Dortmunder Gipfel sind die Halbfinals besiegelt, dann ist bekannt, ob zwei, eine oder keine deutsche Elf am 25. Mai im Londoner Wembleystadion dabei sein darf.

Insofern ist im Moment vieles eine optische Täuschung. Die 20 Punkte Vorsprung auf die Borussia ebenso wie die drei einsamen Fans, die bei der Ankunft des Meisters am Münchner Flughafen gezählt wurden. Alle teilen sich gerade ihre Kräfte ein: Die Bayern, indem sie das Personal in ihrem Edelkader munter rotieren lassen, die entthronten Dortmunder, indem sie früh die Verfolgung aufgaben. Alle geprägt von der Erwartung, dass Aufregenderes kommen wird.

Analyse der Meisterschaft des FC Bayern Glücksgriffe, Gier und Geld

Was haben die Bayern, was sie in den vergangenen Jahren nicht hatten? Der Gewinn der Meisterschale ist tief verbunden mit fabelhaften Verpflichtungen, einem neuen Teamgeist und der Entschlossenheit, unbedingt wieder Titel gewinnen zu wollen. Zwölf Gründe für die Meisterschaft des FC Bayern.

Ihr tiefes Chelsea-Trauma ausgerechnet in London, in Wembley überwinden zu können - das wäre die Pointe der Saison für die Bayern. Es wäre aber auch die Krönung des Jubiläumsjahres, für 50 Jahre Bundesliga. Fast die Hälfte aller Liga-Titel hat sich der FC Bayern in dieser Zeit sichern können, trotzdem hat der jüngste eine ganz neue Qualität. Schon "sehr geärgert", so Präsident Uli Hoeneß, hätten die Dortmunder sie mit ihrer Meisterschaft 2011 und dem Double 2012.

Nun fanden die Münchner eine bessere Antwort als in früheren Jahren, wenn sie sich in ihrem Allmachtsanspruch herausgefordert fühlten. Sie kauften einmal nicht stur ein nach Torjägerliste oder kicker-Notentabelle, sondern suchten unbeeindruckt von Momentaufnahmen und statistischen Effekten, was ins eigene System passte. Gewiss, der Abschied vom Geld-schießt-Tore-Credo war auch der Not geschuldet, dass sie ans Dortmunder Personal trotz einiger Flirts nicht richtig rankamen. Der "beste Fußball in der Klubgeschichte" (Hoeneß) gelang aber auch, weil - erstmals - alle Transfers saßen.

Zu befürchten sind fortan nur leider spanische Verhältnisse, ein Dualismus wie bei Barça und Real. Manche unken, unter dem neuen Trainer Pep Guardiola werde die Münchner Dominanz bis zur Langeweile festgeklopft. Jedenfalls dürften bei dem Qualitätssprung, der sich aus der Rivalität Bayern/Borussia ergab, klassische Gelegenheits-Verfolger wie Stuttgart, Schalke, Bremen, Leverkusen nicht mehr mithalten. Dem Spitzen-Duo wäre das naturgemäß nicht anzulasten.

Festzuhalten ist aber, dass nach 50 Jahren Bundesliga der Markenkern gefährdet ist. Der stand dafür, dass es, anders als in Spanien, meist spannend bis zum Showdown blieb - und erst ganz am Ende riss Oliver Kahn die Eckfahne raus.