Im Grunde reduziert sich die WM-Auslosung auf die Frage: Geht es für die Deutschen direkt gegen Holland? Zu sagen ist dazu: Her mit den Holländern! Und zwar gleich im ersten Spiel.

Diese Auslosung ist so etwas wie der heimliche Auftakt der WM, und wenn ab Freitagabend bekannt wäre, dass das Turnier am 9. Juni 2006 mit dem Kracher Deutschland gegen die Niederlande beginnt, dann gesellte sich zur Vorfreude eine Spannung, die täglich stiege. Etwas besseres könnte den Organisatoren nicht passieren. Bei allem Respekt: Sollte es im ersten Spiel gegen Trinidad & Tobago gehen, hielte sich die Spannung in Grenzen. Auch sportlich wäre für die Deutschen ein vermeintlich weniger starker Gegner keine gute Lösung.

Klinsmann und van Basten

Warum nicht? Deutschland gegen Holland gleich im ersten Spiel. (© Foto: dpa)

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Man denke an das Jahr 1982, da war zu sehen, wie es schiefgehen kann: Damals verloren die Deutschen ihr erstes WM-Spiel 1:2 gegen Algerien, es folgte unter anderem ein abgekarteter Sieg gegen Österreich, der als "Schande von Gijón" in die Fußball-Geschichtsbücher einging. Man denke an das Jahr 1990, da war zu sehen, wie es gutgehen kann: Im ersten Spiel ging es gegen Jugoslawien, das damals Geheimfavorit war.

Die Deutschen gewannen 4:1, Lothar Matthäus wurde in diesem Spiel zum Weltstar, und vier Wochen später war die Mannschaft Weltmeister. Bei der WM 2006 steht Michael Ballack wie Matthäus 1990 an der Schwelle: Er kann als Weltstar des Fußballs geadelt werden. Ein großes Spiel zu Beginn käme da gerade recht.

Bleibt eine Kleinigkeit zu beachten: Man kann ein großes Spiel natürlich ebenso wie ein kleines verlieren. Die Mannschaft von 1990 setzte sich aus erfahrenen Profis zusammen. Die Mannschaft von 2006 wird eine junge Auswahl sein. Ist es vielleicht besser für so eine Elf, wenn sie sich allmählich ins Turnier hineinspielen kann, wenn sie nach traditionellem Losglück gegen ein paar schwächere Teams spielt und erst im Viertelfinale auf den ersten ernsthaften Gegner trifft?

Vielleicht, aber niemand kann das wollen. In einem frühen Spiel gegen einen großen Gegner kann die Mannschaft im Eiltempo reifen und ein Momentum erzeugen, das sie weit tragen könnte. Selbst bei einer Niederlage wäre noch nichts verloren, es folgten ja noch mindestens zwei Spiele. Kurzum: Wer immer dieses erste große Spiel gewänne, hätte gute Chancen, mit dem Schwung ins Finale zu kommen. Da ginge es dann gegen Brasilien, das steht natürlich bereits vor der Auslosung fest.

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(SZ vom 9.12.2005)