Von Klaus Hoeltzenbein

Im Zweifel für den Athleten - dieser Grundsatz sollte das Handeln aller dominieren, die den Sport und seine Spiele weiterhin für ein zeitgemäßes und schützenswertes Gut halten. Unabhängig von allen nationalen Egoismen und persönlichen Motiven.

Da das hier schon schwer ins Moralisierende galoppiert, wird der Zeigefinger gleich nochmal senkrecht gestellt - verbunden mit einem Vorschlag für jene zwei, drei Sätze, die nicht nur dem Image der deutschen Langläufer gut getan hätten.

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Sie hätten auch ein Echo weit über die Loipen von Pragelato hinaus geworfen - wenn sie denn gefallen wären. Etwa so: "Wir bedauern, dass Evi Sachenbacher-Stehle nicht ans Ziel ihrer Träume gelangen konnte und am Sonntag im 15-km-Jagdrennen nicht starten durfte. Aber wir stützen den Anti-Doping-Kampf. Wir akzeptieren die dafür festgelegten Regularien und Grenzwerte."

Solche Worte hätten den Spielen weitergeholfen. Und sie hätten aus der deutschen Equipe, zum Beispiel vom deutschen Trainer Jochen Behle kommen können. Stattdessen verstieg sich Behle in einen unreifen Disput, in dem er Bengt Saltin, den Vorsitzenden der Medizinischen Kommission des Skiweltverbandes Fis, "der Lüge" bezichtigte.

Und auch der vergebliche Gang vor den Sportgerichtshof Cas war ein von vornherein aussichtsloses Nebelgefecht. Einziger Vorteil: Eine breite Öffentlichkeit bekam einen Schnellkurs in Sport-Juristerei und -Medizin. Sie kennt nun den Cas und erfuhr, dass das Hämoglobin den Sauerstoff transportiert und der Wert bei Frauen zwischen 12 und 16 Gramm pro 100 Milliliter Blut schwanken soll.

Evi Sachenbacher hatte 16,4, als sie getestet wurde. Bereits vor drei Jahren hat die Fis verfügt, dass der Grenzwert 16,0 sei, danach wird das Blut zu dick, es kann (lebens-) gefährlich werden. Drei Jahre hatten die deutschen Mediziner Zeit, sich auf diesen Wert einzustellen, drei Jahre, um die Physiologie einer Athletin so genau zu erkunden, dass sie mit diesem Grenzwert keine Probleme hat.

Niemand hat behauptet, dass Evi Sachenbacher gedopt ist, sie bekam eine Schutzsperre, sie darf in Pragelato wieder starten. Was fehlt, ist der Dank an die Kontrolleure. Dafür, dass sie darüber wachen, dass im Zweifel für den Athleten, für seine Gesundheit entschieden wird.

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(SZ vom 14.2.2006)