Von Von Ralf Wiegand

Es ist ja nicht so, dass den Leuten nichts einfiele. In München gibt es eine begrüßenswerte Initiative zur Verlängerung der Öffnungszeiten von Biergärten, dem besten Platz der Welt bei großer Hitze. Im Moskauer Zoo wurde eine Beschneiungsanlage installiert, weshalb Eisbären dort in sengender Sonne bäuchlings schneeweiße Hänge runter rutschen. Das Hamburger Kulttheater Schmidt wiederum hat das Thermometer mit einem Rabattsystem gekoppelt: je wärmer, desto billiger der Eintritt.

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Nur dem Fußball fällt im Kampf gegen die heißeste Braut des Sommers - ein Hoch auf Michaela! - scheinbar nichts ein, außer mal wieder in Nibelungentreue gegenüber seinen Geldgebern vom Fernsehen zu erstarren und ein paar Widersprüchlichkeiten abzuliefern. Warum gestattet der Deutsche Fußball-Bund (DFB) den Klubs der Regionalliga Nord, ihre Spiele zu verlegen, wenn nicht aus medizinischen Gründen? Warum aber gelten dieselben Gründe nicht bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) und der Bundesliga? Ist es in den Büros der Otto-Fleck-Schneise 6 (DFB) heißer als in den Räumlichkeiten der Otto-Fleck-Schneise 6 (DFL)? Kochen Amateure schneller gar als Profis?

Man könnte über das Thema Hitze auch ernsthaft diskutieren, Stunden lang und am besten drinnen. Man kann es aber auch sein lassen, denn es führt zu nichts, wenn das Meinungsangebot so breit ist wie in dieser Angelegenheit. Der eine Arzt empfiehlt, den Spieltag von Amtswegen zu verbieten, der andere rät zum Training in brütender Mittagshitze, um den Biorhythmus umzustellen. Der eine Experte hält Ozon für gefährlich, der andere behauptet, Leistungssportlern schade das nicht. Der eine Fernsehsender - Premiere - würde eine Verlegung der Spiele akzeptieren, andere - der MDR etwa - wollen nicht mal die Regionalliga aus ihrer Pflicht entlassen, pünktlich sendefähiges Material abzuliefern. Aber allen ist es zu warm.

Schön wär's schon, hätte die DFL einen eigenen medizinischen Ratgeber, dessen Urteil sie sich beugen könnte. Aus dem Sammelsurium von Meinungen in der etwas heiß gelaufenen Debatte kann sie ja nur den Weg des geringsten Widerstands wählen, und der ist: spielen, als wär's schon wieder Winter, die Zuschauer ihrer Eigenverantwortung überlassen - und darauf hoffen, dass der übliche internistische Check vor der Saison wirklich seriös geführt wurde. Denn sollte am Samstag irgend etwas passieren, wird darüber noch zu reden sein, wenn es in Deutschland schon lange wieder regnet.

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