Gladbachs neuer Trainer Dick Advocaat hat behauptet, daß das "Ergebnis im Fußball" das Wichtigste sei. Von Schönheit und Aufregung ist keine Rede. Ist er deshalb jetzt Trainer in der Bundesliga?
Die Welt des holländischen Fußball ist streng geteilt. Realos und Fundis liegen seit Jahren in beharrlichem Streit darüber, wie niederländische Mannschaften zu kicken haben.
Gladbachs neuer Trainer Dick Advocaat. (© Foto: ap)
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Die Milizen um den großen Johan Cruyff verwalten dabei das Erbe des Voetbal total der siebziger Jahre. Beharrlich fordern diese Ideologen, dass nur attraktiver Angriffsfußball eine Daseinsberechtigung hat. Wer das Spiel mit drei Spitzen in Frage stellt, soll nach ihrem Willen in der Hölle schmoren.
Die Lichtgestalt Marco van Basten, der neue holländische Bondscoach, ist im weitesten Sinne Teil dieser Ideenwelt. Der Auftrag zu attraktivem Fußball ist ihm vertraglich festgeschrieben, wenn ihm das gelingt, muss er sich angeblich auch nicht für die WM 2006 qualifizieren.
Van Bastens Vorgänger war Dick Advocaat, und der kleine Mann mit dem eckigen Kopf hatte mit all dem nichts zu tun. Der neue Trainer von Borussia Mönchengladbach behauptet nämlich frech: "Ergebnisse im Fußball sind das Wichtigste."
Von Schönheit und Aufregung ist keine Rede, weshalb das in vielen holländischen Ohren wie die Aussicht auf Sex in Stützstrümpfen klingt. Advocaat wurde als Bondscoach nicht wegen Misserfolgen vergrault, sondern weil es seinen Landsleuten nicht genug kribbelte, wenn sie ihr Nationalteam spielen sahen.
Advocaat beruft sich auf das gleiche Prinzip wie Huub Stevens oder Bert van Marwijk: das des Realismus. Insofern ist er in einem Land angekommen, wo man ihn besser verstehen dürfte als in seiner Heimat.
Schließlich hat eine reservierte Spielweise hierzulande noch selten Anlass zu Kritik gegeben (außer von Franz Beckenbauer), so lange nur gewonnen wird. Visionen werden einem sowieso nur um die Ohren gehauen, wenn man dreimal hintereinander verliert.
Und haben wir von Huub Stevens nicht gelernt, dass Holländer die besten Sachwalter deutscher Tugenden sein können? "Von daheraus" (Stevens) ist der Weg für Dick Advocaat bestens bereitet, er muss nur noch gewinnen.
Allerdings wäre es auch mal interessant, einen holländischen Fundamentalisten in die Bundesliga zu holen - so als Mutprobe.
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