Philippinen Boxer Pacquiao: Von Fundamentalisten in den Ring geschoben

Manny Pacquiao während einer Wahlkampfveranstaltung auf den Philippinen.

(Foto: REUTERS)

Die homophoben Aussagen des philippinischen Volkshelden lassen vermuten, dass er im Wahlkampf als politische Marionette fungiert.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Wer der Auffassung ist, dass sich der Planet Erde gerade wieder in eine zivilisatorische Eiszeit verabschiedet, der findet zur Stützung dieser These tagtäglich eine Flut an Nachrichten. Eine Nachricht, die dem Sport zuzuordnen ist, stach nun heraus, weil darin jemand Sätze abfeuerte, die in ihrem Nachhall so gefährlich sind wie herkömmliche Schusswaffen.

Und weil da einer feuerte, dem dort, wo er herkommt, die Leute an den Lippen hängen - denn Manny Pacquiao, 37, ist der Volksheld der Philippinen. Und offenbar ein intoleranter Feigling. Tat er doch das, was aktuell so viele tun, die ihrem ergebenen Publikum rhetorische Brandsätze zuwerfen, sich dann aber sofort, sobald die Wirkung klar wird, über den Kurznachrichtendienst Twitter entschuldigen. Es tue ihm leid, so Pacquiao unter larmoyantem Gejaule, wenn jemand durch seinen Vergleich verletzt worden sei.

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Nun gibt es bei Boxern, die dummes Zeug reden, immer die Standard-Entschuldigung, der Mann sei nicht mehr ernst zu nehmen, der Mann habe eh' einen Kampf zu viel hinter sich und leide an den Folgeschäden. Auf das jüngste Duell aber sind solche zerebralen Turbulenzen kaum zurückzuführen. Denn das war ein hoch dotiertes Wattebäuschen-Boxen, allerdings eines, das 2015 als Jahrhundert-Kampf vermarktet wurde und dem Publikum das Geld aus der Tasche zog: Floyd Mayweather junior, der einstimmig nach Punkten siegte, bekam eine Kampfbörse von circa 150 Millionen Dollar; der im MGM Hotel in Las Vegas leicht verprügelte Manny musste sich mit etwa 100 Millionen zufrieden geben.

Der Boxer Pacquiao setzt diskriminierende Tiefschläge

Geld, das nun auch in einen Wahlkampf fließt. Denn Pacquiao will längst nicht mehr nur als Boxer, sondern auch als Politiker die Gunst der Massen erobern. Schon 2010 gewann er die Kongresswahlen in seiner Heimatprovinz Sarangani, jetzt kandidiert er für den philippinischen Senat und präsentiert sich in der Evolutions-Theorie als ein Weltmeister aller Klassen. Homosexuelle seien "schlimmer als Tiere", erzählte Pacquiao dem lokalen Sender TV5 und setzte seine diskriminierenden Tiefschläge: "Sehen Sie bei Tieren, dass männliche mit männlichen und weibliche mit weiblichen zusammen sind? Die Tiere sind besser. Sie kennen den Unterschied zwischen männlich und weiblich."

Wer ihm das eingeflüstert hat? Die Fahndung führt tief in die wilde Biografie des Faustkämpfers, dem seine in der Mehrzahl sehr katholischen Landsleute eine Neigung zu Protz, Suff und Affären lange verziehen hatten. Selbst seinen Übertritt aus der katholischen Kirche zum evangelikalen Christentum, den er 2012 in seiner Zeit in Kalifornien vollzog und den sogar seine Mutter nicht gutgeheißen haben soll, hatten die Filipinos intensiv verdrängt. Nun aber ist es wohl so, dass da einer als fundamentalistische Marionette in den Ring geschoben wird. Einer, von dem man sich wünscht, er hätte sich stur darauf beschränkt, nicht nur die Fäuste, sondern auch das Tier in sich allein im Boxring sprechen zu lassen.

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