Aus aktuellem Anlass muss heute von "einer mittels Stereotypie od. Galvanoplastik hergestellten Vervielfältigung eines Druckstockes" die Rede sein. Ebenso muss die "unschöpferische Abbildung" zur Sprache kommen, auch "die überkommene Vorstellung" kann keinesfalls unerwähnt bleiben. All das, so lehrt das Fremdwörterlexikon, bezeichnet der Begriff Klischee, bei dem es sich im Übrigen um eine recht praktische Erfindung handelt. Also: Der Holländer hat einen Wohnwagen. Der Engländer legt Handtücher auf Strandliegen. Die Renten sind sicher, Männer sind Schweine, und im Fußball gewinnt immer Deutschland.
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Leider wird es jetzt langsam Zeit für ein paar neue Vorurteile. Keine Renten sind mehr sicher, kein Deutschland gewinnt immer im Fußball, und nicht einmal auf die deutschen Tugenden ist unter Bundestrainer Klinsmann mehr Verlass. Er hat die errumpelten Kopfballtorsiege in letzter Minute abgeschafft, sein neues Deutschland spielt kess nach vorne. Und manchmal, wenn das alte Deutschland zugebissen hätte, geht seinem neuen Deutschland die Kraft aus, und es fängt ein spätes Gegentor.
Wenn nicht alles täuscht, ist die 37. Auflage des Duells Deutschland gegen Holland die erste seit langem, die den Wohnwagen hinter sich lässt. Man musste ja bisher nicht mit sonderlich viel Fantasie gesegnet sein, um die Reflexe vor diesem Spiel vorauszuahnen: Einige Zeitungen haben Hölzenbeins Schwalbe aus dem 74er-Finale abgedruckt, andere haben Bilderserien vom spuckenden Rijkaard veröffentlicht, und wieder andere haben genüsslich den ungezogenen Koeman gezeigt, der sich mit Thons Trikot rückwärtig reinigte.
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