Diese EM setzt Maßstäbe wie vielleicht kein Fußball-Großereignis zuvor, dass das Spiel mit jungen Kräften und unbeirrbarem Offensivgeist betrieben werden muss, sind zwei von vielen erfreulichen Tendenzen.
Gerade hierzulande sollte da sehr genau hingeschaut werden, in nur zwei Jahren gilt es ja, eine Blamage bei der WM im eigenen Land abzuwehren. Weshalb nun dringend der Leistungscheck stattfinden muss - alles andere Rest läuft ja bereits bestens. Bis hin zu den Steuermilliarden, die nun in neue WM-Stadien samt Infrastruktur gepumpt werden.
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Insofern wurde dem ehrenvoll abgetretenen Teamchef Rudi Völler womöglich zu schnell die Generalabsolution erteilt. Der Teamchef, heißt es, habe am deutschen EM-Desaster den geringsten Anteil. Aber: Was könnte ein Neuer besser machen als Völler, wenn der alles richtig gemacht hat? So eine Logik müsste schon mit den ersten Fortschritten des Nachfolgers zerbröseln.
Aber es ist aber einfacher. Es lässt sich ja anhand der EM klar belegen, dass auch in der Führung des deutschen Aufgebotes gepatzt worden ist: Grundsätzlich sogar, indem einem limitierten Team noch engere Grenzen gezogen worden sind. Fehler, die zu vermeiden sind, sofern tatsächlich die Absicht besteht, 2006 bei der WM im eigenen Land eine über das Organisatorische hinaus gehende Rolle zu spielen.
Gewiss, Völler wurde im Stich gelassen von den alten WM-Kameraden (Hamann, Schneider, Frings etc.), die ihn 2002 zum glücklichen Vize gemacht hatten. Aber die Haudegen waren seine fachliche Wahl für diese EM - nicht etwa aufstrebende Kräfte von Fahrenhorst bis Borowski. Auch Podolski und Schweinsteiger sprangen erst im Zuge der Rumänien/Ungarn-Desaster auf den rollenden Zug.
Wie aber heißen die Stars dieser EM? Rooney, Baros, Cristiano Ronaldo etc. Mit einer harmonischen Algarve-Reisegruppe allein war das Glück nicht mehr zu zwingen. Und wäre Völler ins EM-Halbfinale vorgestoßen - würde er dann den für 2006 nötigen Schnitt riskieren?
Fußballer sind Söldner, keine Kegelbrüder, auch wenn sie so kicken und die Stimmung super ist. Die Qualität dieser Spieler fand ihre Entsprechung leider im lizenzierten Trainer dieses Stabs, Michael Skibbe. Was immer der seinem Teamchef riet - die Taktik lag stets grausam daneben. Abgesehen von Auswechslungen, die fast immer fragwürdig waren - ganz gegen den Trend dieser EM begann die DFB-Elf regelmäßig mit einem ängstlichen, einstündigen Abtasten, und natürlich mit nur einer Spitze.
War der Uhrzeiger dann bedrohlich vorgerückt und die Beine immer zittriger, begann das verzehrende Strampeln und Hecheln. Dass diese Drangphasen nun als lichte Momente benannt werden, entlarvt gerade ein taktisches Versagen: Warum nur 19 statt 90 Minuten, Kondition wird doch in selber Intensität gebolzt worden sein wie bei den anderen?
Nichts zeigt die fachliche Gesamtverfassung des DFB, der nun ja felsenfest auf die Jugend baut, als jene Verpflichtung, die im EM-Taumel bisher unterging: Nachwuchscoach Uli Stielike bleibt. Dabei hat er seine Jungs bei der "U21"-EM hierzulande jüngst so grausam vercoacht, dass sie nach der Gruppenrunde zuschauen musste.
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(Süddeutsche Zeitung vom 26.6.2004)
Kosovo-Konflikt