Kommentar Gefahrenherd Rio

Segler Heil ist nach der Test-Regatta in Rio von gefährlichen Keimen im Wasser genesen. Die Olympiamacher spielen mit der Gesundheit der Athleten.

Von Joachim Mölter

Es scheint noch einmal glimpflich auszugehen für den deutschen Segler Erik Heil, der Berliner erholt sich jedenfalls von den Nachwirkungen der vorolympischen Testregatten vor Rio de Janeiro. Von dort hatte der 49er-Steuermann Ende August nebst einem dritten Platz als bestem deutschem Resultat gleich mehrere Infektionen mitgebracht, die seine Beine und die Hüfte befielen; als Ursache dafür sieht er das Wasser in der Guanabara-Bucht.

Erik Heil ist nicht der Einzige, der sich über das Gewässer beklagt, in dem in einem Jahr um olympische Ehren gesegelt werden soll. Während der Testregatten war schon der Windsurfer Wonwoo Cho aus Korea wegen Kopfschmerzen, Kreislaufproblemen, Erbrechen in ein Krankenhaus eingeliefert worden; sein Trainer vermutete: "Das kommt wahrscheinlich vom Wasser, es riecht übel." Die spanische Surferin Blanca Manchon sagte der britischen Zeitung Guardian: "Ich habe noch nie so einen dreckigen Ort erlebt. Das Wasser ist schwarz." Zuletzt im Frühsommer hatten unabhängige Tests, unter anderem im Auftrag der Nachrichtenagentur AP, alarmierende Werte aus der Bucht gefischt, in der Müll, Tierkadaver und Fäkalien treiben, die ungefiltert aus den Abwasserkanälen der Millionenmetropole strömen: Manche Werte übertrafen diejenigen, die an kalifornischen Stränden als gefährlich eingestuft werden, um das 1,7-Millionen-fache!

Die Athleten haben wegen dieser Gesundheitsgefährdung protestiert, der Segel-Weltverband hat seine Besorgnis geäußert - aber obwohl das Problem seit Jahren bekannt ist, tun Rios Olympia-Organisatoren nichts. Sie beschwichtigen bloß, dass alles nicht so schlimm sei. Bis zum Sommer 2016 ist das Dreckwasser jetzt sowieso nicht mehr zu reinigen.

Die Sorge der Segler wäre dennoch einfach zu vertreiben: Die örtlichen Organisatoren müssten nur alle Segel-Wettbewerbe auf den Atlantik hinaus verlegen, wo ohnehin schon einige Regatten geplant sind. Aber dort, auf dem offenen Meer, gibt es natürlich keine so schönen Bilder wie in der Guanabara-Bucht mit dem malerischen Jachthafen Marina da Gloria im Hintergrund, dem Zuckerhut, der Copacabana, dem blauen Himmel.

Die Ausrichtung von Olympischen Spielen dient immer auch touristischen Zwecken: Mit schönen, stimmungsvollen Bildern sollen Besucher angelockt werden. Doch die idyllischen Postkarten-Motive aus der Guanabara-Bucht sind trügerisch und täuschend. Erik Heil hat ja Bilder seiner entzündeten Beine gemacht. Wenn nächstes Jahr nicht ähnliche Motive um die Welt gehen sollen, muss sich Rio was einfallen lassen.