Von Kurt Kister

Die eigene Mannschaft wird in der Arena zum Sieg gebrüllt: Die WM hat das Gemeinschaftsgefühl gestärkt, und sie war gut für Deutschland. Das war Klinsmanns Leistung.

Eigentlich ist es ziemlich egal, wer das Spiel um den dritten Platz gewinnt. Spiele um den dritten Platz - das gilt nicht nur im Fußball - kann man in der Pfeife rauchen, weil sich dabei zwei Loser gegenüber stehen.

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Die eigene Mannschaft wird in der Arena zum Sieg gebrüllt. (© Foto: dpa)

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Es geht oft nur darum, wer von den beiden Verlierern noch genug Lust aufbringt, den anderen zu schlagen. Bei Weltmeisterschaften ist das Spiel um den dritten Platz als einziges so etwas wie ein Freundschaftsspiel - es sei denn zwei Erzfeinde treffen sich auf dem Rasen.

Am Samstag ist dies nicht der Fall: Deutschland gegen Portugal ist eine fußballhistorisch wie menschheitsgeschichtlich wenig belastete Paarung. Man könnte die Kerle kicken lassen und, anstatt sich wieder vor den Fernseher zu setzen, einfach in den Biergarten gehen.

Aber nein, dieses Spiel um den dritten Platz und das Finale am Sonntag bedeuten auch das Ende der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland. Wer sich nur ein Quäntchen interessiert hat für dieses Turnier, wer sich - vielleicht zur eigenen Überraschung - ganz unversehens freuen konnte über Spiele und Spieler, wer gespannt war, manchmal bis zur 118. Minute, wer mitgelitten, wer sich geärgert hat - der wird sich das letzte Spiel der Deutschen und sicher auch das Endspiel anschauen.

Die WM hat funktioniert, sie hat ganz überwiegend Spaß gemacht und sie hat wochenlang die Wahrnehmung einer Mehrheit der Menschen in diesem Land bestimmt.

Andererseits: Es wird viele geben, auch unter den Lesern dieser Zeitung, die sogar froh über das Ende der WM sind, weil sie Fußball für eine Proletenangelegenheit halten, sich überhaupt nicht für Sport interessieren oder die WM sowieso als reinen Kommerz durchschaut haben.

Zu diesen gesellen sich auch noch die, die Massenvergnügungen ohnehin als verwerflich ansehen, sowie jene, die hinter den schwarz-rot-goldenen Autofahnen von Aldi die Reichskriegsflagge knattern hören. Und, keinesfalls zu vergessen, die Gemeinde der Verschwörungstheoretiker, die ganz genau wissen, warum der Gesundheitskompromiss zwischen Viertel- und Halbfinale veröffentlicht wurde, ganz zu schwiegen von den Entlassungen bei der Allianz.

Ach ja, und wer, zumal als Journalist, Positives an der WM entdeckt, ist natürlich von der Fifa, die von den Konspirationisten irgendwo zwischen CIA und Camorra angesiedelt wird, bezahlt und verdummt.

Wir sind wie ihr!

Ja, manchmal war der Dummheitskoeffizient bei dieser Weltmeisterschaft groß (z.B. die Verunglimpfung der Landesfarben als "schwarz-rot-geil" durch Bild).

Und wenn viele deutsche Fans "Sieg!" brüllten, was sich wie "Süüück! Süüück!" anhörte, merkte man, dass unsere Sprache gewalttätiger klingt als das Italienische oder das Spanische. Aber trotzdem: Gefährlich war an dieser Weltmeisterschaft nichts, verwerflich kaum etwas und erstaunlich bis tatsächlich spaßig war sehr vieles.

Die WM 2006 war eine gelungene Veranstaltung, sie hat das Gemeinschaftsgefühl gefördert und sie war gut für Deutschland.

Letzteres ist das wichtigste politische Ergebnis, wenn es denn überhaupt ein politisches Ergebnis dieser WM gibt. Abermillionen Menschen rund um den Globus haben nicht nur die Spiele verfolgt, sondern sind bei den TV-Sendungen, den Radioprogrammen und den Zeitungsartikeln rund um die Spiele mit einer Dosis Deutschland versorgt worden, wie das sonst nie der Fall ist.

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