Das Spiel Frankreichs gegen Portugal war stilbildend für alles, was diese WM geprägt hat.
Es gab kaum verletzte Spieler bei diesem Turnier, gesundheitsgefährdend war eher der WM-Rasen, auf dem man sich prima verheddern (Englands Owen/Kreuzbandriss) oder Schlittschuhlaufen konnte (Angolas Mateus/Armbruch).
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Das begrüßenswerte Defizit an Blessuren ist nur auch einer beklagenswerten Eigenheit des Turniers geschuldet: Es wurde kein körperlicher Raubbau betrieben. Packende Zweikämpfe entfielen weitgehend, risikoträchtige, im Höchsttempo inszenierte Angriffe sind kaum erinnerlich.
Abwarten, Ball halten war die Devise und das Spiel Frankreich - Portugal einmal mehr stilbildend für alles, was diese WM geprägt hat. Ein Stellungskampf ohne Offensivpläne oder den erkennbaren Versuch, solche zu kreieren, die Entscheidung fiel früh per Elfmeter und wurde fortan mit acht bis zehn Vorhängeschlössern am eigenen Strafraum abgesichert.
Die alten Kameraden
Traumwetter, Dauerparty, die neue Freude an der flächendeckenden Zurschaustellung nationaler Symbole sowie eine subtile Politisierung des Sportmassenevents, in dessen Schatten ein hübscher Strauß unpopulärer Reformen gewickelt wurde - das sind die Eckpunkte des Ereignisses.
Der Fußball selbst ist dabei keinen Zentimeter vorwärts gerollt, weshalb im Finale am Sonntag fast ein halbes Dutzend Akteure stehen, die man dort schon 1998 bewundern durfte. Da waren sie acht Jahre jünger, forsch, risikofreudiger. Nun spielen sie abgeklärt, ausgebufft, strategischer - die alten Kameraden um Zidane, 34, haben eben mit der Zeit Schritt gehalten.
Sogar einen wie den stets zu Kapriolen neigenden Barthez im Tor kann sich ein potentieller Weltmeister heute leisten, weil Gegners Teams sowieso nur darauf hoffen, dass ihnen vorne der Schiedsrichter hilft, ein Fehler der anderen oder das Elfmeterschießen.
Die deutsche Elf darf man hier ausnehmen. Sie war stets bemüht, Tore zu schießen. Sie wollte Fußball spielen, musste es auch, und gewiss fällt vieles leichter, wenn einen das Vaterland auf allen Kanälen vorantreibt. Der Rest hat Beton angerührt.
Moderner Catenaccio
Die Null musste stehen. Das war der Grundgedanke, der sich wie ein Virus ins Turnier geschlichen hat. Neuer Schwung kann daraus nicht erwachsen. Das Spielfeld hat feste Abmessungen, und sind alle Räume zugestellt, muss der beste Individualist verzweifeln. Die Kreativen sind deshalb die großen Verlierer, sie wurden nicht gebraucht. Von Messi bis Ronaldinho, den beiden Champions-League-Siegern von Barcelona.
Diese WM ist der Triumph des modernen Catenaccios, und ein ironisches Schicksal hat es gewollt, dass am Ende just Italien um den Titel spielt. Die Elf, die gegen Deutschland spektakulär zeigte, was rasantes Angriffsspiel bewirken kann.
Am Sonntag bleibt eine letzte Chance, dass sie auf die stürmische Art alles vorherige ad absurdum führt und so die große Trendumkehr vorbereitet.
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