Klage gegen Kunstrasen-WM Frauen unter Druck

Abby Wambach: Wurde auch sie unter Druck gesetzt?

(Foto: AP)
  • Prominente Fußballerinnen haben ihre Klage gegen die Pläne des Weltverbands, die WM in Kanada auf Kunstrasen auszutragen, zurückgezogen.
  • Im Gegenzug kündigte die Fifa an, den veralteten Belag im Finalstadion von Vancouver auszutauschen.
  • Hat der Verband Druck auf die Spielerinnen ausgeübt? Der Anwalt der Klägerinnen deutet das an.
  • US-Torhüterin Hope Solo wurde von ihrem Verband aus einem anderen Grund suspendiert.
Von Kathrin Steinbichler

Es ist nur etwas mehr als eine Woche her, da hatte Abby Wambach vor dem Gala-Abend zur Weltfußballer-Wahl am 12. Januar in Zürich erstmals die Gelegenheit, Jérôme Valcke bei einem Gespräch persönlich zu sagen, was sie vom Weltverband Fifa und seinen Kunstrasenplänen bei der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in diesem Sommer in Kanada hält. Nämlich nichts. Mit einer zwischenzeitlich auf 61 Fußballerinnen angewachsenen internationalen Gruppe hatte sie bei einem kanadischen Gericht Klage eingereicht.

Doch die Fifa lehnte ab, sich der Rechtsprechung dieses Gerichts überhaupt zu unterwerfen und überließ die Auseinandersetzung dem kanadischen Verband CSA. Jetzt hat der Streit ein überraschendes Ende genommen: Die Spielerinnen haben ihre Klage zurückgezogen - im Gegenzug kündigte die Fifa an, im WM-Finalstadion von Vancouver den vielfach kritisierten, veralteten Belag gegen einen neuen, modernen Kunstrasen auszutauschen.

In den sozialen Netzwerken des Internets wird nun viel darüber diskutiert, weshalb die Spielergruppe um Wambach und die deutsche Nationaltorhüterin Nadine Angerer ihre Klage ohne weitere Erklärung zurückgezogen hat. "Wir alle können uns nun ganz auf das Turnier konzentrieren. Wir sind absolut davon überzeugt, dass wir die bestmögliche Spielfläche zur Verfügung stellen werden, um ein großartiges Fußball-Spektakel zu genießen", erklärte Generalsekretär Jérôme Valcke in einer Mitteilung der Fifa. Hampton Dellinger, der Anwalt der Spielerinnen von der Kanzlei Boies, Schiller & Flexner LLP in Washington/USA, deutet dagegen an, dass die Spielerinnen bei ihrer Entscheidung womöglich unter Druck standen.

Angedrohte Suspendierung?

"Angesichts des unverantwortlichen Vorgehens der Fifa und des kanadischen Verbands haben sich die Spielerinnen entschlossen, den Rechtsstreit zu beenden", teilte Dellinger am Mittwoch in Washington mit. Die Fifa habe Spielerinnen im Verlauf des Rechtsstreits unter Druck gesetzt und mit Suspendierungen gedroht, auch eine angedrohte Absage des Turniers und eine Gegenklage der Fifa wegen möglicher wirtschaftlicher Nachteile im Zuge der Klage seien in die Überlegungen mit eingeflossen.

Die Fifa bestreitet, Druck ausgeübt zu haben. In den vergangenen Wochen hatten sich bereits mehrere Spielerinnen einzeln von der Klage zurückgezogen. Mit dem kompletten Rückzug der Kunstrasen-Klage, sagte Dellinger, würden die Spielerinnen nun etwas tun, "wozu die Fifa und der CSA unfähig waren - sie haben den Sport an die erste Stelle gesetzt".

Für die Frauenfußball-WM 2019 wird es keine Diskussionen um Kunstrasen geben: Sowohl Frankreich als auch Südkorea, die sich um die Ausrichtung bewerben, haben angekündigt, das Turnier auf Naturrasen veranstalten zu wollen. Gerade aus Frankreich hatten zuletzt Spielerinnen ihre Beteiligung an der Klage zurückgezogen.

Einen Tag nach Wambach meldete sich nun US-Torhüterin Hope Solo zu Wort, allerdings aus einem anderen Grund: Die 33-Jährige wurde vom US-Verband für vorerst 30 Tage suspendiert, nachdem sie bei einer erneuten Festnahme ihres Ehemanns wegen Trunkenheit am Steuer zum wiederholten Mal selbst ausfällig geworden sein soll. Ob Solo die WM spielen wird, ist fraglich.