Katar Indien meldet Hunderte tote Arbeiter

Bauarbeiten zur WM in Katar: Arbeiter Ende 2013 in Doha

Im Schnitt sterben 20 Arbeiter pro Monat: Die indische Botschaft in Doha berichtet, dass seit 2012 mehr als 450 Inder in Katar gestorben sind. Viele der Tausenden indischen Arbeiter sind auf WM-Baustellen tätig.

In Katar sterben jeden Monat im Schnitt 20 Arbeiter aus Indien. Die indische Botschaft in Doha veröffentlichte erstmals entsprechende Angaben zu Todesfällen für die Jahre 2012 und 2013. Demnach starben 2012 insgesamt 237 Inder, im vergangenen Jahr bis Anfang Dezember 218. Die indische Vertretung gab allerdings keine Details an, unter welchen Umständen die indischen Arbeitskräfte zu Tode gekommen waren.

In Katar sind geschätzt zwei Millionen Gastarbeiter tätig. Wie viele davon Inder sind, ist nicht bekannt. Allein unter den etwa 300.000 nepalesischen Arbeitern gab es 2013 mindestens 185 Tote. Gesicherte Zahlen zu Todesfällen unter Arbeitern aus Indien gab es bisher nicht.

Katar, Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022, steht wegen der Arbeitsbedingungen auf vielen Baustellen massiv in der Kritik. Der britische Guardian hatte im September von 44 Toten auf einer WM-Baustelle allein von Juni bis August berichtet.

"Moderne Sklaverei"

WM der Sklaven

Unter barbarischen Bedingungen lässt Katar die Stadien für die Fußball-WM 2022 bauen. Hunderte sind schon gestorben, die Überlebenden werden wie Zwangsarbeiter behandelt und - wenn überhaupt - nur lächerlich entlohnt. Von der Ankündigung, die Kultur für die Welt zu öffnen, ist in Katar nichts mehr übrig. Ein Kommentar von Detlef Esslinger mehr ...

Amnesty International und der Internationale Gewerkschaftsbund (IGB) hatten die Arbeitsbedingungen in Katar mehrfach angeprangert. Teilweise sollen die Arbeiter dort wie Sklaven behandelt worden sein. "Katar wählt offenbar den Weg, die moderne Sklaverei fortzusetzen. Dies ist die Wurzel für die unglaublich hohe Todesrate bei den Arbeitern", teilte IGB-Generalsekretärin Sharan Burrow mit.

Das WM-Organisationskomitee hatte kürzlich "Normen für das Wohlergehen der Arbeiter" angekündigt. So sollen Arbeitgeber die Löhne direkt auf Konten überweisen und dem Komitee Einsicht gewähren, damit die Beschäftigten "gut und pünktlich bezahlt werden". Auch für die Gastarbeiterunterkünfte sollen Mindeststandards gelten, etwa bei der Bettenzahl pro Zimmer und Hygieneregeln. Die Internationale Arbeitsorganisation soll die Lebens- und Arbeitsbedingungen demnach überwachen dürfen.

Verwirrung um Austragungsland

Ex-DFB-Präsident Theo Zwanziger, Mitglied im Exekutivkomitee des Weltfußballverbands Fifa, hatte in der vergangenen Woche vor dem Menschenrechtsausschuss der Europäischen Union in Brüssel zur Lage in Katar gesagt, "man kann in Katar keine Prachtbauten erstellen und dann müssen dort Menschen unter unzumutbaren Bedingungen ihre Arbeit verrichten". Dennoch habe Katar die Chance verdient zu zeigen, "dass sie es wirklich ändern".

Der Weltverband Fifa hatte zuletzt den Eindruck vermittelt, dass er trotz der offenkundigen Menschenrechtsverletzungen an der Vergabe der Endrunde 2022 an Katar festhalten wolle. "Ein WM-Entzug wäre absolut kontraproduktiv", hatte Zwanziger gesagt. Zwanziger verwies darauf, dass erst die WM-Vergabe die Zustände in Katar öffentlich gemacht habe.

Die Welt am Sonntag hatte hingegen berichtet, dass die Fifa über eine Neuvergabe der WM-Endrunde 2022 nachdenke. Es sei eine "ernstzunehmende Option", dass die WM beim Kongress im Frühjahr 2015 neu vergeben werde. Dies soll ein hochrangiger Mitarbeiter des Weltverbandes gesagt haben. Eine Entscheidung solle auf der letzten Sitzung des Exekutivkomitees im Jahr 2014 herbeigeführt werden. "Dann wäre noch genug Zeit, das Turnier neu zu vergeben", so der Fifa-Mitarbeiter in der WamS.

In einer früheren Version des Texts hatte es geheißen, alle der indischen Arbeiter seien auf Baustellen für die Fußball-WM ums Leben gekommmen. Dies geht aus den Zahlen der indischen Botschaft aber nicht hervor.