Kandidaten für die IOC-Präsidentschaftswahl Denis Oswald & Wu Ching-Kuo

Denis Oswald - der Jurist

Kürzlich hätte Denis Oswald einen bedeutenden Posten in der internationalen Sportwelt bekommen können. Er war als Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) im Gespräch, und als renommierter Jura-Professor hätte er auch beste Chancen gehabt. Doch der 66-Jährige, als aktiver Ruderer 1968 Bronzemedaillengewinner im Vierer mit Steuermann, lehnte ab - und strebt stattdessen das höchste Amt im Weltsport an. "Man kann als IOC-Präsident mehr Einfluss ausüben", sagte er dazu in einem SZ-Interview im Juni.

Erfahrener Sportpolitiker: Denis Oswald.

(Foto: AFP)

Oswald ist ein äußerst erfahrener Sportpolitiker, er führte lange den Welt-Ruderverband sowie die Vereinigung der olympischen Sommersport-Verbände und war Richter am Internationalen Sportgericht (Cas). Der 66-Jährige formulierte im Wahlkampf am direktesten; so sagte er zum Beispiel, er hoffe, dass das, "was ich bin und was ich getan habe mehr zählt als Händeschütteln und Kontaktpflege".

Für den eher unwahrscheinlichen Fall seiner Wahl will Oswald nicht die Anzahl der Sportarten, sondern die der einzelnen Disziplinen verringern. Seine frühere Forderung, die Vollversammlung im Sinne eines "Sportparlaments" mit je 35 Vertretern aus Verbänden, nationalen Olympia-Komitees und Athleten sowie 35 "Unabhängigen" auszubauen, nahm er nicht mehr auf.

Wu Ching-Kuo - der Architekt

Wu Ching-Kuo, von Beruf Architekt, ist der größte Außenseiter aller sechs Anwärter; gut möglich, dass der 66-jährige Taiwanese bereits in der ersten Wahlrunde ausscheidet. In seiner Jugend war er Basketballspieler, als Funktionär machte er aber im Boxen Karriere. 2006 löste er den umstrittenen Präsidenten Anwar Chowdry aus Pakistan an der Spitze des Welt-Boxverbandes (Aiba) ab - und half der Föderation, aus einer großen Glaubwürdigkeitskrise hinauszukommen. Das IOC hatte damals sogar TV-Gelder eingefroren wegen manipulierter Kampfrichter-Urteile.

Wu reformierte den Verband, bei den Spielen in drei Jahren soll die angeschlossene Profi-Abteilung ihr Debüt geben. Allerdings geschah seine Wahl damals unter anderem auch, weil sich der dubiose Usbeke Gafur Rachimow für ihn aussprach; der stand schon damals im Visier von Europol und FBI, sitzt aber bis heute im Vorstand des Welt-Boxverbandes.

Ins IOC rückte Wu bereits 1988. Sein Programm umfasst unter anderem, die Zahl der IOC-Mitglieder auf 130 zu erhöhen, das Alterslimit von 70 auf 75 anzuheben und die Jugendspiele umzugestalten. Zudem hat er zwei Vorlieben, die für Funktionäre eher untypisch sind: zum einen Brief- marken, zum anderen hätte er gerne in jeder Olympia-Stadt ein Museum.