Juventus vs. Bayern Peps gut gemeinte Lüge über Kimmich

Analyse von Martin Schneider, Turin

Der Champions-League-Abend von Joshua Kimmich lässt sich nicht ohne den SV Sandhausen erzählen. Vor neun Monaten, an einem Tag im Mai, ging RB Leipzig zu Hause 0:4 gegen den Sportverein aus der Kurpfalz unter. Joshua Kimmich ließ den Ball in der ersten Halbzeit einmal "unter der Sohle durchrutschen", wie der kicker in seinem Spielbericht schrieb, was zu einer gefährlichen Chance für Sandhausen führte. Er wurde in der 53. Minute für Stefan Hierländer ausgewechselt, und das Beste für Kimmich an diesem Spiel war, dass drei Gegentore erst nach seiner Auswechslung fielen.

Damals wusste er schon, dass er von Leipzig zum FC Bayern gehen würde und dass seine Zukunft eher Champions League als zweite Liga ist. Dass die Zukunft so schnell und so hart kommen würde, wusste er da vermutlich noch nicht. Gegen Juventus Turin stand Kimmich als Innenverteidiger in der Startelf, aber es war ja nicht so, als ob sich irgendwer die Situation ausgesucht hätte. Der FC Bayern hat nach den Verletzungen von Jérôme Boateng, Javi Martínez und Holger Badstuber keine Verteidiger mehr. Medhi Benatia war lange verletzt, Serdar Tasci war schon gegen Darmstadt teilweise überfordert. Kimmich war quasi die letzte Hoffnung, und die Frage ist nun, inwiefern man ihm die zwei Gegentore beim 2:2 des FC Bayern im Champions-League-Achtelfinale in Turin vorwerfen kann.

Kimmich besiegt Mandzukic in der Luft

"Er hat ein super Spiel gemacht, und da erwarte ich auch von euch, dass ihr bei den jungen Spielern ein bisschen zurückhaltend bleibt", sagte Manuel Neuer in die Aufnahmegeräte der Journalisten. "Er hat einen sehr, sehr guten Job gemacht", sagte Philipp Lahm. Bayern-Trainer Pep Guardiola nannte die Leistung von Kimmich mehrfach "perfekt", aber das war eine gut gemeinte Lüge.

Bayern macht es unnötig spannend

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Bezogen auf die erste Halbzeit hatte Guardiola recht. Kimmich spielte, als wäre Turin Sandhausen, kochte zweimal Mario Mandzukic ab, gewann als Krönung ein Kopfballduell gegen den Kroaten. Der 21-Jährige blieb im Spielaufbau ruhig, produzierte keine Fehlpässe wie es manchmal auch der erfahrene Arturo Vidal tut. Das Spiel nahm seinen Lauf, Bayern führte durch Tore von Thomas Müller und Arjen Robben 2:0. Dann kam die 63. Minute. Einen Pass von Cuadrado ließ Kimmich vor die Füße von Mandzukic prallen. Der passte rüber zu Paulo Dybala, und der brachte Juventus ins Spiel zurück. "Es gibt genügend Situationen, in denen einer von uns Fehlpässe spielt. Das passiert im Fußball", kommentierte Philipp Lahm die Szene.