Durchsuchung von Spielerwohnungen, Verhör des Nationaltrainers und Sturzflug der Juve-Aktie: Nun muss sich sogar Staatspräsident Prodi einschalten

Italiens Fußball-Skandal weitet sich aus und beschäftigt nun auch die Politik. In seiner Regierungserklärung forderte der neue Ministerpräsident Romano Prodi am Donnerstag eine neue Moral, Fairness und Offenheit in allen Belangen. "Fußball ist der Volkssport, der den Italienern am meisten am Herzen liegt." Für Prodi sind die Probleme im Fußball ein Spiegelbild der Lage im Land.

Skandal wird immer schlimmer

Wurde verhört: Nationaltrainer Marcello Lippi. (© Foto: AP)

Anzeige

"Der Skandal beweist, dass man jegliche Grenze überschritten hat. Eine ethische Wende ist in Italien dringend notwendig", sagte der Regierungschef.

Zwei Tage nach dem Amtsantritt des kommissarischen Präsidenten des italienischen Fußballverbands (FIGC), Guido Rossi, durchsuchte die Finanzpolizei am Donnerstag die Geschäftsstelle des italienischen Meisters Juventus Turin, der im Mittelpunkt der Affäre steht. Nach dem Bekanntwerden der Aktion stürzte die Juve-Aktie an der Mailänder Börse zeitweise um 9,99 Prozent auf 1,32 Euro ab.

Die Behörden ermitteln vor allem wegen des Vorwurfs der Bilanzfälschung und der Steuerhinterziehung, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa. Auch die Wohnungen des ehemaligen Managers Luciano Moggi sowie der Spieler Zlatan Ibrahimovic und Fabio Cannavaro seien durchsucht worden, hieß es. Zudem habe es Nachforschungen im Haus von Moggis Sohn Alessandro in Neapel sowie im toskanischen Heimatort des Ex-Managers gegeben. Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Unterdessen gründeten Italiens Fußball-Fans in Neapel den Verband "Castigateli!" (Bestraft sie!), der von den in den Skandal verwickelten Vereinen eine Rekordentschädigung verlangen will. Man strebt eine Sammelklage gegen die Skandal-Clubs an und will einen Schadenersatz von einer Milliarde Euro verlangen. Gründer ist ein Wirtschaftsprofessor an der Neapeler Universität, Antonio Coviello. Er will als Zivilkläger an den Prozessen gegen die Clubs teilnehmen.

In die Affäre um mutmaßliche Liga-Manipulationen sind neben Juventus auch andere Clubs verwickelt: Ins Visier der Staatsanwälte sind auch die Top-Vereine AC Mailand, AC Florenz und Lazio Rom gerückt. Rossi kündigte deshalb eine lückenlose Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft an.

Rekordmeister Juventus Turin droht wegen des Skandals Zwangsabstieg, Aberkennung der letzten beiden Meistertitel und Ausschluss aus dem Europacup. Auch die Juve-Aktionäre fürchten das Schlimmste. Bereits am Mittwoch war die Aktie der Gesellschaft wegen hoher Kursverluste in Mailand zum zweiten Mal in dieser Woche vorübergehend vom Handel ausgesetzt worden, ehe sie am Donnerstag nachgab.

Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(dpa)