Buffon berichtet erstaunlich wenig über den Manipulationsskandal, der ihm und Juventus die Aberkennung zweier Meistertitel und eine Zwangsrelegation einbrachte. Er spricht aber über die Erfahrung, "öffentlich an den Pranger gestellt zu werden", obwohl die Spieler sich zu keinem Zeitpunkt schuldig gefühlt hätten, "denn unser Einsatz war immer echt". Das sei einer der Gründe gewesen, warum er mit seinem Klub in die Zweite Liga gegangen sei. "Und die SerieB war eine gute Sache. Ich hatte sie vorher ja nie kennengelernt." Heute sei die "neue" Juventus respektabler und respektierter als die alte: "Moggi und Giraudo mussten zuletzt mit der Leibwache ins Stadion. Sie galten als Verkörperung des Bösen."

Anzeige

Ausführlicher rechnet der 30-jährige Torwart mit sich selbst ab, vor allem mit der Eigenschaft, die er mit einigem Recht für seine hervorstechendste hält: Naivität. Aus Naivität, so Buffon, habe er seinen Schulabschluss gekauft und mit dem falschen Zeugnis sogar ein paar Semester Jura studiert. Die Sache kam heraus, ebenso wie seine Wettleidenschaft. Den Abschluss will Buffon nachmachen, die Wetten findet er in Ordnung: "Wenn einer sein eigenes Geld verspielt - was ist Schlechtes daran?"

Wegen seiner Naivität, erklärt Buffon, sei er als Rechtsradikaler abgestempelt worden. Einmal sagte er im Fernsehen: "Zum Henker, wer nicht durchhält." Das aber war im Jahre 1970 der Slogan einer neofaschistischen Revolte in Reggio di Calabria gewesen. Buffon wusste das nicht. Buffon wusste auch nicht, dass die Zahl 88 im Neonazi-Jargon ein Synonym für "Heil Hitler" ist.

"Symbol dafür, dass ich Eier habe"

Er wählte 88 für sein Trikot "als Symbol dafür, dass ich Eier habe". Das klingt unfassbar pubertär, tatsächlich verstand es niemand. Buffon wurde als Neofaschist attackiert, heute sagt er über die Geschichte mit der 88: "Ich bereue das zutiefst."

Die Eltern sind Sportlehrer, die Schwestern Volleyball-Nationalspielerinnen, und auch er wusste früh, wohin der Weg führen würde. Mit 13 zog er ins Fußballinternat nach Parma. Er war schon Profi, da schlich er sich noch in die Fankurve seines Heimatvereins Carrara Calcio. Sein Vorbild ist Thomas N'Kono, der frühere Torwart von Kamerun, bei dessen Abschiedsspiel war Buffon dabei.

Überhaupt machte er vor allem, was er wollte: "Ich war wohl ein bisschen alternativ." Sein Trainer Nevio Scala wollte den Aufsässigen mit Bußgeldern zähmen. "Ich sagte nur: Schicke mir die Rechnung, wenn ich groß bin." Vielleicht kann Scala sie bald nach England schicken. Oder nach Mönchengladbach. Man weiß ja nie bei Buffon.

Sie sind jetzt auf Seite 2 von 2

  1. Eine Sehnsucht namens Mönchengladbach
  2. Sie lesen jetzt Eine Sehnsucht namens Mönchengladbach
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: "Ich war nie schuld. Nie. Nie. Nie."

Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...

(SZ vom 25.11.2008)