Von Birgit Schönau

Zeitlupenversion der Premier League: Inter Mailands 1:1 im Spitzenspiel bei Juventus Turin ist ein Lehrstück über den Verfall des italienischen Fußballs.

José Mourinho hatte eine knappe Viertelstunde gebraucht, um diese drei Sätze zu basteln. Sätze, die Juventus Turin mehr verletzten mussten als die Tatsache, der Elefantenhaut des neuen Dauer-Meisters Inter Mailand nicht mehr als nur einen Fliegenbiss verpasst zu haben. Ein 1:1, mehr war nicht drin gewesen, der Ausgleich war erst in der Nachspielzeit gekommen, als Inter mit diesem Spiel wie mit der ganzen Saison schon abgeschlossen hatte.

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Juves Tiago Mendes sieht im Spiel gegen Inter Mailand die rote Karte. (© Foto: Reuters)

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Sicher, aus den zehn Punkten Vorsprung auf Juventus hätten mit etwas mehr Einsatz auch 13 werden können, aber auch das hätte das Alleinsein an der Spitze nicht viel einsamer gemacht. Mit fast schon provozierender Gelassenheit erschien 14 Minuten nach dem Gegentor Inters Trainer José Mourinho, kratzte sich kurz an der Nase und sagte dann: "Es ist schön zu sehen, wie sich ein historischer Klub wie Juventus über ein 1:1 gegen uns freuen kann. Sie sind zehn Punkte unter uns und feiern. Das ist das größte Kompliment für Inter." Das saß. Das tat weh. Weil es so unverrückbar stimmte.

Das von den Geschäftspartnern im Bezahlfernsehen und den einschlägigen Gazetten zum packenden Saisonfinale übertriebene 152. Derby d'Italia zwischen den beiden Traditionsklubs mit dem größten Anhang war zu einem Lehrstück über die Realität im italienischen Fußball geraten. Darin dominiert Inter so gut wie unbehelligt eine Liga, die lange Zeit von ihrem in den neunziger Jahren teuer bezahlten guten Ruf leben konnte, sich aber inzwischen weit vom europäischem Spitzenniveau entfernt hat.

So musste Juventus - Inter wie eine Zeitlupenversion der Spitzenspiele in England oder Spanien wirken: ohne Tempo, ohne Risiko, ohne Fantasie, vor allem aber ohne Emotionen. Eine gefühlskalte Abhandlung von Akteuren, die entweder aus Unvermögen oder aus Zynismus konsequent nichts zuließen, was ihre graue Routine hätte gefährden können.

Für die erste Halbzeit hätten die Beteiligten den 25.000 Zuschauern im Turiner Olympiastadion eigentlich den Eintrittspreis zurückerstatten müssen, wäre nicht Juves Cardioso Tiago gewesen, der den Ball buchstäblich von der eigenen Torlinie rettete. Es blieb nicht nur Tiagos einzige nennenswerte Aktion - niemand glänzte, niemand wagte, niemand traf.

Der Portugiese wurde in der 76. Minute wegen eines Doppelfouls vom Platz gestellt, woraufhin Mourinho seinen talentierten, aber disziplinlosen Stürmer Mario Balotelli durch Patrick Vieira ersetzte: Gegen Juventus in Unterzahl wollte Inter nichts weiter als das Einszunull einfrieren. Dabei war Balotellis Führungstor (64.) einer hinreißenden Kombination entsprungen, einem von Zlatan Ibrahimovic initiierten Konter nach einem Eckball von Juventus.

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