Jupp Heynckes Der Friedensengel

Jupp Heynckes - ab Montag wieder auf dem Trainingsplatz.

(Foto: imago/Laci Perenyi)
  • Jupp Heynckes findet einen anderen FC Bayern vor als jenen, den er 2013 mit dem Triple verließ.
  • Einige Spieler sind merklich älter geworden, einige sind zerstritten.
  • Obwohl Heynckes ein Hoeneß-Freund ist, kann er auch gut mit Karl-Heinz Rummenigge. Ein womöglich entscheidender Vorteil.
Von Christof Kneer

Interviews mit Franck Ribéry hat man bisher eigentlich nicht vermisst. Von ihm würde man ja nicht erwarten, dass er einem die Welt des Fußballs neu erklärt oder dass er sich tiefenstrategische Gedanken über die Wettbewerbsfähigkeit des FC Bayern auf einem sich verändernden Markt macht. Auch ein Interview, das ein Berater wie im Fall Lewandowski am Klub vorbei inszeniert, wäre bei Ribéry kaum denkbar, warum sollte er so etwas auch tun? Ribéry will nicht mehr zu Real Madrid wechseln, er will nichts mehr werden. Er will nur bleiben, was er ist: ein Franck Ribéry, der einfach nur so oft spielen möchte, wie es eben nötig ist. Also immer halt, in jedem Spiel, 90 Minuten plus Nachspielzeit.

Nachdem nun aber die Heynckes-Nachricht auf dem Markt ist, würde man sich vielleicht doch für ein Ribéry-Interview interessieren, in einem elektronischen Medium allerdings. Man würde gerne wieder hören, wie Ribéry liebevoll "Jüpp" sagt.

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Jüpp "Josef" Heynckes, 72, wird am Montag sein erstes Training bei Bayern leiten, etwa viereinviertel Jahre, nachdem er sein bisher letztes geleitet hat. Am Freitag sagte er den Münchnern offiziell zu, "ein Freundschaftsdienst" sei das, so Heynckes, "kein Comeback". Seinen früheren Assistenten Peter Hermann, 65, bringt er auch wieder mit, ihn holten die Bayern aus einem laufenden Assistenztrainer-Vertrag bei Fortuna Düsseldorf, wozu offenbar eine kleine Überweisung von etwa zwei Millionen Euro nötig war.

Willy Sagnol dagegen, Assistent unter Carlo Ancelotti, wird dem Trainerstab künftig nicht mehr angehören.

Die traurige Nachricht ist nun aber, dass Franck Ribéry am Montag nicht mittrainieren wird, er kuriert seinen Außenbandriss im linken Knie aus. Das wird noch dauern, bis Weihnachten auf jeden Fall. Aber das Dauern macht ja jetzt, da Jüpp wieder da ist, viel mehr Spaß.

Es gibt viele Spieler beim FC Bayern, die sich auf Jupp Heynckes freuen, sogar solche, die noch nie unter ihm trainiert haben. Joshua Kimmich zum Beispiel freut sich so, weil die anderen sich so freuen, und Mats Hummels freut sich, weil er jetzt nicht mit Thomas Tuchel zusammenarbeiten muss (wobei sich übrigens auch Thomas Tuchel freut, dass er nicht mit Mats Hummels zusammenarbeiten muss). Es ist also, alles in allem, ein großes Freuen im Gange, und vor diesem Hintergrund möchte man übrigens nicht unbedingt der SC Freiburg sein, der am kommenden Wochenende ins Juppland reist. Wobei Freiburgs Trainer Christian Streich die Aufstellung des Gegners vielleicht schon ahnt: Arjen Robben wird spielen, Thomas Müller wird spielen, Javi Martínez wird wie in seligen Triple-Zeiten auf die Sechs rücken, die Innenverteidigung werden die routinierten Mats Hummels und Jérôme Boateng bilden. Franck Ribéry wird nicht spielen, aber eher umständehalber.

Ausgerechnet die Bayern, denen man eine konservative Haltung zum Leben, zum Universum und zum ganzen Rest unterstellt, wagen nun ein erstaunliches Experiment. Sie versuchen, die Zeit zu ignorieren. Viereinviertel Jahre: pfff, na und? Jupp bzw. Jüpp hat's damals gerichtet, und er wird's bestimmt auch jetzt wieder richten. Und er ist halt auch nicht so schwierig wie dieser Tuchel, der beim ersten Telefonkontakt mit den Bayern angeblich gleich nach sportlichen Dingen gefragt hat. Das muss man sich mal vorstellen: nach Sport!