Julian Nagelsmann Leipzig schnappt sich den Wunschkandidaten

  • Julian Nagelsmann verlässt im Sommer 2019 die TSG Hoffenheim und wechselt zu RB Leipzig.
  • Seit der Trennung von Trainer Ralph Hasenhüttl prüften die Leipziger viele Nachfolgevarianten, wobei Nagelsmann "vom ersten Tag an die Wunschlösung für die übernächste Saison war", wie der Klub mitteilte.
  • Noch offen ist, wer bei RB Interimstrainer für die nächsten zwölf Monate wird. In Frage kommen nur noch zwei Kandidaten.
Von Moritz Kielbassa

Die Fußball-Bundesliga besteht seit 55 Jahren, trotzdem sind immer wieder Dinge möglich, die es in vergleichbarer Form noch nie gab. Dass ein Erfolgstrainer, der mit seinem Klub die Champions League erreicht hat, frühzeitig erklärt, in einem Jahr zu einem direkten Rivalen zu wechseln - das ist ein neues Szenario. Aber seit Donnerstagabend offiziell: Julian Nagelsmann verlässt im Sommer 2019 die TSG Hoffenheim und geht zu RB Leipzig.

"Es war mir wichtig, früh für klare Verhältnisse zu sorgen", wurde der 30-Jährige zitiert: "In der Branche wird immer Ehrlichkeit verlangt. Die haben wir bewiesen." Nagelsmann kann 2019 eine Ausstiegsklausel ziehen, Leipzig zahlt eine Ablösegebühr, offenbar rund fünf Millionen Euro. Der Taktikexperte Nagelsmann war Anfang 2016 als jüngster Trainer der Ligageschichte in Hoffenheim zum Chefcoach befördert worden. Er bewahrte die schwer ins Schlingern geratene Elf vor dem Abstieg, 2017 führte er Hoffenheim dann bereits in die Playoffs zur Champions League - und im Mai beendete er die Saison nach ausgezeichnetem Finish mit der TSG auf Platz drei.

Hoffenheims Champions-League-Premiere soll auf jeden Fall noch mit Nagelsmann stattfinden. Dass der Verkündung des Wechsels ein Poker um eine sofortige Freigabe folgt, gilt als ausgeschlossen, Nagelsmann und auch die Verantwortlichen der TSG haben fest vor, noch ein Jahr gemeinsam abzuwickeln - obwohl ihnen der Begriff der lame duck nun wohl des Öfteren um die Ohren fliegen dürfte. Das erste Zitat von Sportchef Alexander Rosen klang jedenfalls nach einer eher unaufgeregten Haltung: "Wir wussten um die vertraglich fixierte Möglichkeit. Es spricht für den Charakter von Julian, dass er die Karten nun auch öffentlich auf den Tisch gelegt hat." Nagelsmann verspricht, "bis zur letzten Sekunde für die TSG zu brennen". In Leipzig erhält er einen Vertrag bis 2023.

Auch wichtige Spielerpositionen sind noch zu klären

Seit der Trennung von Trainer Ralph Hasenhüttl prüften die Leipziger viele Nachfolgevarianten, wobei Nagelsmann "vom ersten Tag an die Wunschlösung für die übernächste Saison war", wie der Klub mitteilte. Da TSG-Mäzen Dietmar Hopp eine Freigabe für diesen Sommer innerhalb der Liga kategorisch ausschloss, war Nagelsmann auch für Borussia Dortmund nicht greifbar. Und weil der BVB mit Lucien Favre ebenso eine Langzeitlösung per sofort einging wie der FC Bayern mit Niko Kovac, war die Gelegenheit für Leipzig günstig, den begehrten Jungcoach zu binden.

Noch offen ist, wer bei RB Interimstrainer für die nächsten zwölf Monate wird. In Frage kommen nur noch zwei Kandidaten: Sportdirektor Ralf Rangnick - oder der US-Amerikaner Jesse Marsch, 44, der aktuell den Partnerklub Red Bulls New York betreut. Rangnick, derzeit in seinem Urlaubsdomizil in Mallorca, hatte Leipzig bereits 2015/16 als Sportchef und Trainer in Personalunion in die Bundesliga geführt.

Gewisse Eile ist geboten, denn schon am 26. Juli muss Leipzig in der Europa-League-Qualifikation loslegen. Auch wichtige Spielerpersonalien sind noch zu klären: Der Wunschkandidat für die Nachfolge von Naby Keita (zum FC Liverpool) im Mittelfeld, Amadou Haidara, hat bei der RB-Filiale Salzburg seinen Vertrag verlängert. Und WM-Fahrer Emil Forsberg kokettiert mit dem Vorhaben, Leipzig zu verlassen.

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