Der zurückgetretene Bundestrainer äußert sich zum ersten Mal und stellt Rückkehr auf Trainerbank in Aussicht.
Bei den beiden prominentesten deutschen Verantwortlichen der Weltmeisterschaft herrscht auch zwei Monate nach dem Turnier noch eine gewisse Fußballmüdigkeit. Ähnlich wie Franz Beckenbauer, der neulich auf dem DFB-Bundestag schilderte, er erwache erst allmählich aus der ,,Scheinwelt'' der WM und habe noch kein Verlangen nach dem Besuch von Fußballspielen, hat sich nun auch Jürgen Klinsmann zur Enthaltsamkeit bekannt. ,,Derzeit bin ich froh, wieder ein normales Leben führen zu können'', sagte der 42-Jährige, der beim Symposium von 52 Nationaltrainern und mehr als 200 Experten in Berlin per Videoübertragung zugeschaltet wurde: ,,Aber vielleicht kehre ich früher oder später wieder auf die Trainerbank zurück. Wer weiß, vielleicht bin ich 2010 in Südafrika wieder dabei.'' Klinsmann, der im kalifornischen Huntington Beach wohnt, trat erstmals nach seinem Rücktritt wieder in der Öffentlichkeit auf.
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Derzeit kümmere er sich um seine Firma soccersolutions und um sein Privatleben. ,,Ich bringe meine Kinder in die Schule'', antwortete er auf Fragen, womit er seine Zeit verbringe. Das Turnier wertete Klinsmann rückblickend als ,,riesigen Imagegewinn. Deutschland hat sich während der vier Wochen beinahe neu entdeckt. Die ganze Welt hat gesehen, dass auch die Deutschen fröhliche und freundliche Gastgeber sein können. Für uns alle war es eine unglaubliche Erfahrung''. Weniger zufrieden zeigte sich Klinsmann mit der Qualität der WM-Spiele. ,,Das spielerische Niveau hätte besser sein können. Mannschaften wie Argentinien oder Brasilien, die sehr gut ausgebildete Einzelspieler mit hohem individuellen Können hatten, haben den Einzug ins Halbfinale leider verpasst'', sagte Klinsmann. Als Ratgeber wollte sich Klinsmann aber nicht verstanden wissen. ,,Ich hatte das Glück, bei großen Kollegen lernen zu können, etwa Carlos Alberto Parreira, den ich in Brasilien besuchen konnte'', sagte er: ,,Ich habe jeden Tag etwas Neues gelernt. Trotzdem sehe ich mich als jungen und unerfahrenen Trainer, der den routinierten Kollegen keine Ratschläge geben kann.''
Während Klinsmann noch seine Gedanken sortiert, beschäftigt sich sein Nebenmann auf der Trainerbank, Joachim Löw, mit den Problemen, die im Alltag bei der Arbeit anfallen. In Berlin regte er an, die Regeln für Trainer in der Coaching-Zone zu überdenken. ,,Man wird vom vierten Schiedsrichter permanent beobachtet, das halte ich für überzogen. Es ist absolut störend, dass eine Art Polizist für einen abgestellt wird'', sagte Löw. Der vierte Offizielle handle nur nach Vorschrift und lasse sich auf keinen Meinungsaustausch ein, kritisierte er: ,,Da ein Trainer ein Spiel aber mitlebt, wird man in seiner Arbeit beschnitten.''
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(SZ vom 14.9.2006)
Kosovo-Konflikt