Enttäuschung für Deutschland: Die Nationalelf verliert die Fußball-Europameisterschaft gegen überlegene Spanier mit 0:1. Wieder hat es nicht für den ersten Platz gereicht. Die Finalnacht im Video

Schwer zu sagen, welche Bilder am Ende der großen Turniere eindrucksvoller sind - die der feiernden Sieger oder die der enttäuschten Verlierer. Im Massenspektakel Fußball sind diese Bilder stets große Inszenierungen mit Konfetti, Licht und Lärm, mittendrin eine hüpfende Mannschaft, an diesem Abend in Wien: die Spanier, die mit einem 1:0 (1:0) gegen Deutschland Europameister geworden waren. Während der Zeremonie war der deutsche Torwart Jens Lehmann zurück in sein Tor gegangen, er war wieder auf seinem Posten, obwohl es vorbei war.

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Unbeweglich wie ein Zinnsoldat stand er minutenlang. Dann ging er zum Pfosten, er lehnte sich daran, und wieder stand er unbeweglich, wieder minutenlang. Jens Lehmann hatte sich an diesem Abend des verlorenen EM-Finales seine eigene kleine Inszenierung geschaffen. Es sah aus, als ließe er alles noch einmal Revue passieren, den Weg ins Endspiel, die Niederlage gegen überlegene Spanier, vielleicht schaute Lehmann, 38, auch auf seine Karriere zurück. Es war ein geeigneter Moment.

Während die Spanier feierten, standen und saßen die Deutschen über den Platz verstreut. Sie hatten die Medaillen für die Zweitplatzierten vom lächelnden Uefa-Chef Michel Platini entgegengenommen, sie waren an all den Honoratioren vorbeidefiliert, die sich zu solchen Anlässen gern ins Bild setzen, und sie hatten Worte des Trosts von Bundeskanzlerin Angela Merkel angehört. All das gehört dazu, all das muss ertragen, wer ein großes Spiel verliert.

Es war dann Kapitän Michael Ballack, der als erster Worte fand. Er wirkte müde, er war natürlich enttäuscht, er sagte: "Es ist immer enttäuschend, wenn man ein Finale erreicht und dann verliert. Die Mannschaft hat im Großen und Ganzen eine großartige EM gespielt, aber leider ein oder zwei Fehler zu viel gemacht. Die Spanier haben nicht unverdient gewonnen." Nicht unverdient - das war eine Untertreibung, aber immerhin erkannte Ballack an, dass die Spanier schlicht die bessere Mannschaft stellten.

"Blitz und Flitz"

Das räumte auch Bundestrainer Joachim Löw ein. "Ich glaube, wir müssen heute die hohe Qualität der Spanier anerkennen", sagte er, "ich habe jedem Spieler gesagt, er soll den Kopf nicht hängen lassen. Wir haben es geschafft, ins Finale zu kommen, das ist etwas Besonderes. Die Spanier hatten die besseren Chancen, auch wenn das Tor nicht unbedingt fallen müsste, so wie es letztlich passiert ist." Etwas kürzer fasste sein spanischer Kollege Luis Aragonés den Abend zusammen: "Wir haben die Sache gut gemacht. Wir haben gewonnen, Punkt, Aus." Man kennt solche Kommentare von ihm; es ist die aragoneske Art der Inszenierung.

Zu Beginn des Finalabends hatten die Spanier noch großen Respekt vor der deutschen Elf gezeigt, die die Anfangsphase kontrollierte und bereits nach vier Minuten zur ersten Chance kam. Miroslav Klose erlief ein schlechtes Abspiel von Sergio Ramos und rannte mit dem Ball am Fuß in den Strafraum, es kam der Moment, in dem er schießen musste, und genau in diesem Moment legte sich Klose die Kugel so weit vor, dass sie ins Aus rollte. Vielleicht spürte er den Druck, den so ein Endspiel bedeutet.

In der Folge zeigte die als "Schnarch und Schleich" geadelte deutsche Innenverteidigung Mertesacker/Metzelder, dass sie nicht über Nacht zu "Blitz und Flitz" geworden ist, aber doch immerhin ihre Abseitsfalle gut organisiert hatte. Die Abwehr stand, und nach vorne gab es immer wieder gute Aktionen. Thomas Hitzlsperger probierte es mit einem Schuss aus 20 Metern (9. Minute), der allerdings zu harmlos war, um Torwart Iker Casillas vor Probleme zu stellen.

Es dauerte eine knappe Viertelstunde, bis die Spanier sich daran erinnerten, dass sie es doch waren, die die beste Elf dieses Turniers stellten. Iniesta setzte sich auf der linken Seite durch und brachte den Ball in den Strafraum, Metzelder fälschte den Ball gefährlich ab, und Torwart Lehmann rettete (15.).

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