Jack Warner Als Kind musste er Zuckerrohr schneiden

Und nun gibt es ein Dokument, das zeigt, wie die deutschen Werber Warner kurz vor der Vergabe ködern wollten (siehe "Ein Papier, das alles verändert"). Ein solcher Vorgang würde passen zu Warner, 72, dessen Leben man "schillernd" nennen kann. "Meine Familie war bettelarm", erzählte er einmal, "als Kind musste ich Zuckerrohr schneiden, Schweine hüten und jeden Tag sechs Meilen zur Schule laufen. Das waren harte Zeiten." Später arbeitete er nach eigenem Bekunden als Geschichtslehrer. Heute ist er ein steinreicher Mann - und das vor allem dank seiner Tätigkeit in der Fifa.

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1990 übernahm er den Nord- und Mittelamerika-Verband (Concacaf), kurz danach rückte er in den Fifa-Vorstand auf. Eines seiner klassischen Geschäftsmodelle: Er bekam die Übertragungsrechte für die Weltmeisterschaften zu Schleuderpreisen und verkaufte sie mit Millionen-Gewinnen weiter. Bei den Tickets insbesondere der WM 2006 schöpfte er ebefalls ordentlich ab. Auch auf heimischer Bühne kassierte er ab: Als auf Trinidad einmal eine Nachwuchs-WM angepfiffen wurde, bauten einige der Stadien Firmen, an denen Warner beteiligt war, liefen die Buchungen für Offizielle über ein Reisebüro, das Warner gehörte, und kümmerte sich um die Sicherheit eine Firma, der Warners Sohn vorstand. Es ist fast nicht möglich, die Skandale zu zählen, in die er verwickelt war.

Von Blatter oder anderen Fifa-Vertretern hatte Warner lange nichts zu befürchten. Schließlich steuerte er bei den Wahlen stets zuverlässig das mehr als 30 Stimmen starke Paket seines Karibik-Verbandes für den Fifa-Patron bei. Warner saß sogar in der Finanzkommission und war neben dem Argentinier Julio Grondona der einzige, der Blatters Gehalt kannte. Erst 2011 endete Warners schöne Zeit im Weltverband. Da verbündete er sich im Präsidentschafts-Wahlkampf mit Blatters Herausforderer Mohammed bin Hammam. Beide ließen sich bei einer Bestechungsorgie filmen, kurz darauf trat Warner zurück.

Die US-Behörden werfen ihm Korruption und organisiertes Verbrechen vor

Nach seiner Vertreibung aus der Fußballfamilie drohte er einen "Tsunami" an Enthüllungen an und dokumentierte 2012 auf SZ-Anfrage einen fragwürdigen Rechte-Deal mit Blatter. Warner selbst war rasch ein Fall für die amerikanischen Behörden, sie werfen ihm Korruption, Verschwörung und organisiertes Verbrechen vor. Unter anderem soll er für die Vergabe der WM 2010 nach Südafrika zehn Millionen Dollar erhalten haben, die er zwischen sich und anderen Wahlmännern aufgeteilt habe. Anfang Juni wurde er in seinem Heimatland festgenommen, kurz darauf kam er gegen Kaution wieder frei.

Für den 2. Dezember ist Warners Auslieferung in die USA geplant. Danach könnte er Erhellendes zu all diesen Themen beitragen - auch zur Frage, ob sein Intimus Elias Zaccour mit seiner Einschätzung zur Vergabe der WM 2006 richtig lag.

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