Italiens Verbandspräsident Tavecchio Der falsche Chef

Für sechs Monate gesperrt: Carlo Tavecchio.

(Foto: Getty Images)

"Zu uns kommt Opti Pobà, der vorher Bananen gegessen hat": Italiens Fußballpräsident Tavecchio wird von der Uefa für einen rassistischen Spruch sechs Monate gesperrt. Wieso kommt eine Skandalnudel wie er für dieses Amt überhaupt in Frage?

Von Birgit Schönau, Rom

Opti Pobà spielt nicht, er hat nie gespielt. Opti Pobà ist ein Phantasiekonstrukt, ein Name, der sich irgendwie afrikanisch anhören soll und von einem Rassisten erfunden wurde. Das hat Europas Fußball-Verband Uefa am Dienstag sanktioniert und gegen den Schöpfer des Fabelwesens Opti Pobà ein sechsmonatiges Tätigkeitsverbot verhängt. Zugleich wurde ihm auferlegt, in seiner Heimat eine Veranstaltung zu organisieren, mit der "die Sensibilität für die Prinzipien der Uefa-Resolution gegen Rassismus gefördert wird".

Der Erfinder von Opti Pobà heißt Carlo Tavecchio, seit August Chef von Italiens Fußballverband Federcalcio. Als er noch kandidierte für den Chefposten eines der größten Sportverbände der Welt, äußerte Tavecchio: "Zu uns kommt Opti Pobà, der vorher Bananen gegessen hat, und wird über Nacht Stammspieler bei Lazio Rom."

Das war nur als Beispiel gemeint, als Teil einer programmatischen Rede darüber, was in Italiens Fußball alles anders werden müsse. Kaum hatte er über Opti Pobà fabuliert, wurde Carlo Tavecchio gewählt. Vielleicht erhofften sich seine Anhänger, dass mit Tavecchio als Boss der italienische Fußball endlich effizient gegen einen unmittelbar bevorstehenden Ansturm von Bananenfreunden verteidigt werde.

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Womöglich erträumten sie sich auch andere, tiefgreifende Reformen von einem Mann, der zu ganz eigenständigen Ideen und Erkenntnissen neigt. Zum Beispiel über den Frauenfußball: "Zuerst dachte man, dass Frauen gegenüber den Männern behindert seien. Aber dann haben wir festgestellt, dass sie ganz ähnlich spielen."

So wie in der Politik

Am Tag, an dem die Uefa ihr Tavecchio-Urteil verkündete, wurde in Italien ein 16-jähriger Fußballer der AC-Mailand-Jugendteams für fünf Spieltage gesperrt, weil er einen dunkelhäutigen Gegenspieler beleidigt hatte. Nie zuvor hatten italienische Sportrichter einen derart jungen Spieler als Rassisten gemaßregelt. Aber Jugend schützt vor Torheit nicht, und Alter schon gar nicht. Tavecchio, das leuchtende Vorbild für den jungen Milan-Kicker und seine vielen Kollegen in den Profi- und Amateurligen, ist 71 Jahre alt.

Bevor Tavecchio Federcalcio-Chef wurde, leitete der gelernte Buchhalter und patentierte Christdemokrat 15 Jahre lang den Verband der Amateure. Eine lange Zeit, in der er durchaus die eine oder andere Reform hätte anstoßen, möglicherweise sogar durchführen können. Darüber ist indes nichts bekannt. Bekannt ist nur, dass immer weniger Italienerinnen und Italiener Fußball spielen. Zu gefährlich, zu teuer ist es auch, in die großen Stadien zu kommen.

Italiens Calcio bräuchte Funktionäre, die den Lieblingssport ihrer Landsleute von all den Krisen befreien. Männer und Frauen mit Durchsetzungskraft und einer Vorstellung der Welt jenseits der Landesgrenzen. Stattdessen wurde eine hoffnungslos gestrige Skandalnudel im Rentenalter an die Spitze gewählt, für die sich das Land genieren muss. So etwas kannte man in Italien bisher fast nur aus der Politik, und das war eigentlich schlimm genug. Silvio Berlusconi wird gerade resozialisiert, Carlo Tavecchio sollte schnellstmöglich zurücktreten. Weil Italien nicht von Bananenessern befreit werden muss, sondern von Betonköpfen.