Ministerpräsident Silvio Berlusconi behält beim AC Mailand das Sagen - trotz seines Rücktritts wider Willen als Vereinspräsident. Von Birgit Schönau

Es war ein Abgang ganz im Stil des Presidentissimo. "Ich gehe gegen meinen Willen, nur weil es das Gesetz verlangt", sagte Silvio Berlusconi und: "Im Übrigen bleibe ich der Präsident, der mehr internationale Trophäen gewonnen hat als irgendjemand sonst auf der Welt." Der Rücktritt wider Willen als Präsident des italienischen Fußball-Erstligisten AC Mailand ist die bisher einzig sichtbare Konsequenz aus einer von Berlusconis Regierungsmehrheit beschlossenen Norm gegen Interessenskonflikte. Danach darf ein Mitglied der Regierung zwar einen Konzern besitzen, aber keine leitenden Funktionen in seinen Unternehmen ausüben.

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Von 2005 an muss, wer ein Regierungsamt innehat, dem Kartellamt die Daten über seinen Besitz darlegen, sowie eventuelle Interessenskonflikte anzeigen. Berlusconis Firmenimperium wird auf 20 Milliarden Euro geschätzt. Überall hatte er, seitdem er 1994 zum ersten Mal Regierungschef wurde, seine Verwalter eingesetzt - treue Gefolgsmänner der Aufstiegsjahre, ihnen zur Seite seine beiden ältesten Kinder Marina und Piersilvio. Nur beim AC Mailand gab er selbst noch den Präsidenten, "aus emotionalen Gründen", wie er immerzu versicherte. Zum Abschied hieß es auf der Website des Klubs, Berlusconi sei "ein charismatischer Führer, ein liebenswerter Papa und ein leidenschaftlicher Tifoso" gewesen.

In Wirklichkeit ging es immer auch um etwas anderes. Berlusconi, während dessen Präsidentschaft von fast 19 Jahren der Klub sieben Meistertitel gewann und vier Europapokale der Landesmeister (zuletzt 2003 die Champions League), hat mit seinem AC Mailand neben Italiens Fußball auch die Gesellschaft revolutioniert: Er zeigte, wie man aus der Popularität als Fußball-Präsident politisches Kapital schlägt. Aus Italien wurde eine Fußball-Republik, in der die Fanklubs sogar im Parlament Sektionen unterhalten. Im Circus Maximus des Balles versuchten sich auf Berlusconis Spuren Industriekapitäne und politische Matadoren, keiner von ihnen wurde so erfolgreich.

"Beide tragen wir eine siegreiche Idee in die Welt", soll Berlusconi Papst Johannes Paul II. in aller Bescheidenheit gesagt haben. "Sie das Christentum, ich den AC Mailand." Fußball als Mission, das war seine Idee. Er kaufte die besten Trainer, die tollsten Spieler, er zeigte sie auf all' seinen TV-Kanälen und machte sein Fernsehen durch den Fußball und seinen Fußball durch sein Fernsehen reich. Dann kam die Politik. Die Bewegung Forza Italia nannte er nach einem Schlachtruf der Tifosi.

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