Osnabrück, Universität. Der Sportdidaktiker Ulf Gebken kennt dieses Prinzip. Mit Hilfe des DFB fördert er in Niedersachsen Projekte für Fußballerinnen mit Migrationshintergrund, die Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen sind in ganz Deutschland anerkannt, "Wir fördern das Selbsthilfepotenzial", sagt Gebken. "Mädchen können Übungsleiterinnen oder Schiedsrichterinnen werden und damit Verantwortung in unserer Gesellschaft übernehmen."
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Knackpunkt: Familie
Schulen haben es nicht immer leicht, Musliminnen für Sport zu begeistern - Vereine haben es richtig schwer. Laut einer Studie der Universität Frankfurt am Main von 2002 sind weniger als fünf Prozent der erwachsenen Einwanderer in Sportklubs aktiv, bei ihren Töchtern ist die Zahl noch niedriger. "Wir müssen die Mädchen sorgsam an unsere Strukturen gewöhnen", erzählt Gebken. In einigen islamischen Ländern sind Vereine Männerdomäne. In Deutschland schrecken Sprachbarrieren und Anmeldebürokratie ab, vielen Familien fehlt das Geld. So kommen die Kinder in der Grundschule erstmals zum Sport.
Ulf Gebken ist in Hannover-Vahrenheide, dem Ausgangspunkt seiner Projekte, auf viele Hindernisse gestoßen, die auch Kollegen in anderen Städten kennen. "Wenn wir muslimische Mädchen für den Sport gewinnen möchten, müssen wir die ganze Familie ansprechen", sagt er. Vereinsvertreter führen besorgte Väter durch Duschkabinen oder Umkleidetrakte, sie verweisen auf den freundlichen Hausmeister und die gute Straßenbeleuchtung des Heimweges, oder sie fahren die Mädchen selbst nach Hause. Vor Auswärtsreisen oder Trainingslagern werden Bedingungen wieder und wieder besprochen: Alkoholverbot, getrennte Schlafräume, vegetarisches Essen.
"Leider wird dieses Thema nicht überall ernst genommen", kritisiert Gebken. Vor einem Jahr schickte ein Schiedsrichter in Bremen eine muslimische Nachwuchsspielerin des KSV Vatan Spor vom Platz. Wegen ihres Kopftuches. Der Schiedsrichter berief sich auf die Regeln des Weltfußballverbandes Fifa, der religiöse Botschaften verbietet. Hatte der Unparteiische Recht? War er unwissend? Oder doch intolerant? Die Empörung war groß.
Sportartikelhersteller reagieren
Theo Zwanziger, der Präsident des DFB, ein Förderer des Frauenfußballs, stellt klar: "Kein Mädchen soll dem Fußball verloren gehen, weil es ein Kopftuch trägt." Legt man den demografischen Wandel zu Grunde, dürften Sportverbände wie der DFB bald auch im Leistungssport auf Migrantinnen angewiesen sein. Sportartikelhersteller haben reagiert und moderne, sichere Kopftücher, so genannte Tschadors, in ihr Sortiment aufgenommen.
Frankfurt am Main, Westend. Hanane ist eine bescheidene Frau, ihren Nachnamen möchte sie nicht in der Zeitung lesen. Dass sie ein gelungenes Beispiel für Integration durch Sport sein soll, ist ihr fast unangenehm. Hanane, 23, wurde in Marokko geboren. Vor sechs Jahren kam sie mit ihrem Ehemann nach Deutschland. Das Kopftuch gehört zu ihrer Religion wie Fasten und Beten. "Ich trage es für mich, nicht für meine Eltern, niemand zwingt mich dazu." Wenn in Deutschland über innerfamiliäre Gewalt diskutiert wird, haben viele das Kopftuch vor Augen. "Das ist oberflächlich", sagt Hanane. Sie möchte keine Exotin sein: "Ich bin keine Fremde mehr."
Sie bestimmt, wen sie heiratet
Hanane gehört zu einer neuen, selbstbewussten Generation von Musliminnen, die sich für ihr Kopftuch entscheiden, es ist ein Symbol ihrer Identität und kein Zeichen von Unterdrückung. Sie bestimmt, wen sie heiratet, wo sie lebt und für wen sie arbeitet. In Frankfurt hat sie den Realschulabschluss nachgeholt und wurde Arzthelferin. In dieser Zeit hat sie sich einem Projekt des Landessportbundes Hessen angeschlossen. In einer Gymnastikgruppe lernte sie andere Frauen kennen und verbesserte ihr Deutsch.
Vor einem Jahr ließ sie sich zur Übungsleiterin ausbilden. Seit kurzem leitet sie eine Sportgruppe für Mütter und Kinder. Es sind Frauen, die unter sich sein wollen und einen Verein meiden, weil sie glauben, dort mehr leisten zu müssen als ihre deutschen Kolleginnen. Noch sind Frauen wie Hanane selten, die Scheu vor einem Ehrenamt ist groß. Es gibt wenige nichtdeutsche Schiedsrichterinnen, Funktionärinnen oder Trainerinnen.
"Eine Fußballtrainerin mit Kopftuch?" - Hanane sinniert etwas, aber der Gedanke gefällt ihr: "Das wäre wirklich ein Farbtupfer!"
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Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 27.12.2008)
Drogeriekette wird abgewickelt
@ Phantom20
Sie haben recht: Solche Probleme gibt es nur in D. Oder, anders gesagt: Solche Probleme macht man sich nur in D. Es ist doch einfach verrückt zu erklären, Kopftücher seien beim Sport "willkommen". Diese falsche Toleranz fördert und festigt die Perversitäten einer misogynen Ideologie, anstatt für die Emanzipation der Mädchen und Frauen einzutreten, egal aus welcher Kultur sie stammen.
Solche probleme gibt es aber auch nur in Deutschland,in der Türkei woher die meisten Maedchen stammen wörüber hier berichtet wird gibt es in dieser hinsicht überhaupt keine probleme,die Maedchen müssen am sportunterricht teilnemen und sie dürfen auch kein Kopftuch tragen,basta !
"Hanane gehört zu einer neuen, selbstbewussten Generation von Musliminnen, die sich für ihr Kopftuch entscheiden, es ist ein Symbol ihrer Identität und kein Zeichen von Unterdrückung."
Werter Ronny Blaschke, diesen Unsinn glauben Sie doch selbst nicht. "Neue, selbstbewusste" Muslimin mit Kopftuch? Was soll dieses Verharmlosen und Beschönigen eines Symbols der islamistischen Frauenverachtung und -unterdrückung? Wieso kämpfen Sie und die SZ nicht für die Befreiung der muslimischen Frau von archaischen Sitten und Gebräuchen? Wieso bestärken Sie diese Unsitten noch dadurch, dass Sie sie vereinbar mit Sport und Freizeitaktivitäten erklären?
Dabei wäre es unsere Pflicht, diesen Frauen zu helfen, ihre Tücher und Verhüllungsklamotten endlich loszuwerden und auf den Müllhaufen frauenfeindlicher Symbole zu werfen. Henryk M. Broder scheint leider recht zu haben: Hurra, wir kapitulieren!