Tennisprofi Florian Mayer darf nun doch bei den Sommerspielen von Athen starten. Das Nationale Olympische Komitee (NOK) für Deutschland beugte sich fünf Stunden vor Nominierungsschluss dem Druck des Internationalen Olympischen Komitees.
Das NOK benannte den 20-jährigen Bayreuther, der beim Wimbledon-Turnier überraschend bis ins Viertelfinale vorgedrungen war, als 453. Mitglied der Olympiamannschaft nach. NOK-Präsident Klaus Steinbach: "Es handelt sich um eine einmalige Ausnahme."
Darf jetzt doch in Athen starten: Florian Mayer (© Foto: AP)
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IOC-Präsident Jacques Rogge hatte am Mittag persönlich in den Fall eingegriffen und ein Fax in die NOK-Zentrale Frankfurt geschickt. Der wesentliche Inhalt: 1. Der Tennis-Weltverband ITF wünscht den Start der Top-56 auf der Weltrangliste der Herren und erwartet deshalb auch Florian Mayer in Athen. 2. Das IOC erkennt selbstverständlich die NOK-Autonomie an. 3. Der IOC-Präsident bittet das NOK darum, den Wunsch der ITF bei seiner Entscheidung zu berücksichtigen.
Danach hatten Steinbach und der bereits nach Athen geflogene NOK-Generalsekretär Bernhard Schwank per Rundruf eine Abstimmung "unter fast allen" der rund 20 Mitglieder des NOK-Präsidiums eingeleitet. Die breite Mehrheit wollte dabei den IOC-Chef nicht brüskieren. Die beiden bei der Nominierung am Montag ebenfalls als "Härtefälle" abgewiesenen Tennisspielerinnen Anca Barna und Marlene Weingärtner wurden jedoch nicht nachnominiert.
Steinbach: "Wir haben uns dem Wunsch des IOC-Präsidenten nicht verschlossen. Aber eines ist auch völlig klar: Nur die NOKs der Länder besitzen das Recht, Sportlerinnen und Sportler für Olympische Spiele zu nominieren und nicht die Internationalen Sportverbände. So steht es eindeutig in der Olympischen Charta, und dieses Recht lassen wir uns auch nicht nehmen."
Der Vorgang dürfte auf der IOC-Session Anfang August in Athen für heftige Turbulenzen sorgen, weil sich die NOKs schon seit langem durch die Sport-Weltverbände in die zweite Reihe gedrängt fühlen. Steinbach kündigte dazu an: "Wir werden mit dem IOC über die Einbindung der NOKs in Absprachen zwischen IOC und Internationalen Sportverbänden nach den Sommerspielen sprechen müssen. Es darf in Zukunft nicht sein, dass die Nominierungs-Autonomie der NOKs untergraben wird."
Steinbach wies die vorangegangene Kritik des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) nach der NOK-Ablehnung Mayers entschieden zurück: "Sie zeugt von Falschheit und Unkenntnis", sagte er. Die Nominierungskriterien seien auf DTB-Vorschlag angewandt worden: "Daran wird sich wohl jeder erinnern."
Die Spielervertretung ATP hatte damit gedroht, ohne Mayers Start keine Weltranglistenpunkte für das olympische Turnier zu vergeben. Das IOC befand sich danach in der Zwickmühle, weil es gegenüber der ITF eine entsprechende Zusage abgegeben hatte. Die WTA hatte sich ebenfalls eingeschaltet, denn das gleiche Prinzip gilt auch im Damentennis. Hier lehnte das NOK aber die Forderung mit der Begründung ab, Barna und Weingärtner seien nur als Nachrückerinnen unter die Top 56 gekommen.
Einen ähnlichen Fall hatte es bereits vor den Olympischen Spielen 2000 in Sydney gegeben. Damals hatte das schwedische NOK Tennisprofi Andreas Vinciguerra nicht nominiert, diese Entscheidung dann aber nach Protest von ITF und ATP revidiert.
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(sid)
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