IOC-Entscheidung Russland bleibt bis Olympia-Ende suspendiert

Mit neutraler Fahne auch bei der Schlussfeier: Das Team Olympischer Athleten aus Russland.

(Foto: dpa)
  • Das IOC wird die Suspendierung Russlands bei den Winterspielen in Pyeongchang nicht vor der Schlussfeier aufheben.
  • Das Team wird am Sonntagmittag ohne russische Fahne ins Stadion einlaufen.
  • Kommen keine weiteren positiven Dopingtests hinzu, werden die Sanktionen gegen das Land jedoch wahrscheinlich in der kommenden Woche aufgehoben.

Das Internationale Olympische Komitee hält die Suspendierung Russlands nach zwei positiven Dopingtests bei den Winterspielen in Pyeongchang vorerst aufrecht. Das entschied das IOC-Exekutivkomitee in der Nacht zum Sonntag. Damit dürfen die Athleten aus Russland bei der Schlussfeier (12 Uhr, MEZ) nicht mit der eigenen Landesfahne ins Olympiastadion einlaufen.

Allerdings ist die Wiederaufnahme des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) Russlands in die olympische Familie nur aufgeschoben. Das IOC bestätigte, dass die Sanktionen aufgehoben werden, wenn alle weiteren Doping-Proben der unter neutraler Fahne angetretenen russischen Sportler negativ ausfallen. Dies könnte nach SZ-Informationen schon am Dienstag oder Mittwoch der Fall sein.

"Wir machen mit dieser Entscheidung nicht alle glücklich"

Grundlage der Entscheidung der IOC-Exekutive war die Empfehlung der IOC-Bewertungskommission. "Wir machen mit dieser Entscheidung nicht alle glücklich. Wir werden kritisiert werden", sagte Nicole Hoevertsz, die Vorsitzende des Gremiums. Trotzdem wirkt der Entscheid wie eine Schein-Sanktion, denn in ihrem Bericht vor der Session bestätigte Hoevertsz, dass das OAR-Team die Kleiderordnung während der gesamten Winterspiele nicht verletzt habe und sich auch die russischen Zuschauer positiv verhalten hätten.

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Auch ein anderer wichtiger Teil der Sanktionen, die das IOC wegen des Doping-Skandals bei den Winterspielen in Sotschi vor vier Jahren verhängt hatte, wurde erfüllt. Russland überwies am 20. Februar die geforderten 15 Millionen Dollar. Das Geld soll für Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf verwendet werden.

Zu den beiden russischen Dopingfällen, die in Pyeongchang aufgedeckt wurden, sagte Hoevertsz: "Beides waren individuelle Fälle. Es gab keine Hinweise auf ein organisiertes Dopingsystem." Der Curler Alexander Kruschelnizki und die Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa sind vom Internationalen Sportgerichtshof schuldig gesprochen worden. Die Verbannung Russlands aus dem IOC dürfte bald Geschichte sein.

Russland rechnet mit schnellem Ende der Suspendierung

Das russische NOK vermutet, dass die Suspendierung bald aufgehoben wird. "Wir hoffen und gehen sehr davon, dass die ROC-Mitgliedschaft im IOC in den nächsten Tagen wieder in Kraft gesetzt wird", teilte das Komitee mit. "Im Lichte der bestehenden Situation glauben wir, dass die Wiedereinsetzung der Rechte des ROC und der russischen Athleten das wichtigste Ergebnis der Olympischen Spiele sein wird."

Das IOC hatte das Nationale Olympische Komitee Russlands als Folge des groß angelegten Dopingskandals bei den Spielen 2014 in Sotschi am 5. Dezember suspendiert. In Pyeongchang durften aber 168 Sportler auf Einladung des IOC als "Olympische Athleten aus Russland" starten - allerdings ohne Flagge, ohne Hymne und ohne die übliche nationale Kleidung.

Die IOC-Entscheidung im Wortlaut:

"1. Die Suspendierung des Russischen Olympischen Komitees (ROC) wird nicht für die Schlussfeier der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang aufgehoben. An den Winterspielen wird keine Delegation des ROC teilgenommen haben. Das IOC hätte die Aufhebung der Suspendierung erwägen können, weil die "Olympischen Athleten aus Russland" die Entscheidung des IOC-Exekutivkomitees vom 5. Dezember 2017 respektiert haben. Dennoch haben zwei Athleten aus Russland hier in Pyeongchang gegen die Dopingregeln verstoßen. Das war sehr enttäuschend und hat das IOC - zusätzlich zu anderen Überlegungen - davon abgehalten, auch nur darüber nachzudenken, die Suspendierung für die Schlussfeier aufzuheben.

2. In Übereinstimmung mit der Entscheidung vom 5. Dezember wird die Aufhebung der Suspendierung erwogen, wenn die "Einheit für dopingfreien Sport" (DFSU) bestätigt hat, dass es keine weiteren Verstöße gegen Anti-Doping-Regeln durch Mitglieder der OAR-Delegation gegeben hat."

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