Investor-Einstieg bei Hertha BSC "Das ist keine Übernahme"

Goldene Zeiten? Die Fans von Hertha BSC würden sich freuen.

Heuschreckenalarm - oder goldene Zeiten? Beim Fußball-Bundesligisten Hertha BSC ist der Finanzinvestor KKR mit 61,2 Millionen Euro eingestiegen. Finanz-Geschäftsführer Ingo Schiller erklärt, wieso der Verein damit auf einen Schlag alle wirtschaftlichen Probleme löst und Gefahren praktisch ausgeschlossen sind.

Von Claudio Catuogno

In der Bilanz für das Geschäftsjahr 2012/2013 hat der Fußball-Erstligist Hertha BSC Berlin noch 36,8 Millionen Euro Verbindlichkeiten ausgewiesen. Aber seit Ende vergangener Woche die Firma Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) beim Hauptstadtklub eingestiegen ist, einer der weltweit größten Finanzinvestoren, ist der Schuldenberg Vergangenheit. Doch was bedeutet der Millionendeal für die Hertha genau? Heuschreckenalarm - oder goldene Zeiten? Immerhin hatte der ehemalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering einst auch KKR gemeint, als er Finanzinvestoren eine "Heuschreckenplage" nannte.

Wenn es nach Ingo Schiller, 48, geht, dem Finanz-Geschäftsführer von Hertha BSC, dann hat die Vereinbarung fast ausschließlich positive Aspekte. "Diese Partnerschaft löst alle Fragen auf der wirtschaftlichen Seite auf einen Schlag", sagte Schiller im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Im Detail seien das "eine umfangreiche Entschuldung, eine nachhaltige Kostenreduzierung, positives Eigenkapital und eine langfristige Planungssicherheit von mindestens sieben Jahren, die wir verabredet haben".

Insgesamt hat KKR an den bisher stets klammen Hauptstadtklub am vergangenen Freitag 61,2 Millionen Euro überwiesen. Dem Vernehmen nach sind etwa 18 Millionen Euro dafür geflossen, dass KKR 9,7 Prozent der Anteile an der Hertha BSC GmbH und Co. KGaA erhält, also der Profiabteilung des Vereins. Außerdem etwa acht Millionen Euro als Einmalzahlung für den Vertragsabschluss. Der Verein hat diese Zahlen zwar nicht offiziell kommuniziert, "aber die Größenordnung ist richtig", sagte Schiller der SZ.

Die restlichen rund 35 Millionen seien als "Vorauszahlung auf zukünftige Einnahmen" zu verstehen. In welcher Höhe und in welchem Tempo Hertha BSC dieses Geld zurückzahlen wird, sei völlig offen: "Der Charakter der Vorauszahlung ist ja gerade, dass die Höhe der Rückzahlung nicht feststeht, sondern von bestimmten wirtschaftlichen Kriterien abhängt." Man habe KKR aber auch "die Option eingeräumt, seinen Anteil an der Fußball-GmbH auf bis zu 33,3 Prozent aufzustocken. Dann müssten wir nicht zurückzahlen." Deshalb sei die Vereinbarung auch nicht mit einem Darlehen vergleichbar.

Entscheidend in Sachen Nachhaltigkeit, so Schiller, sei nun, "was wir mit diesem Geld tun: Wir lösen alle unsere bisherigen Kredite ab, und wir kaufen Rechte zurück, zum Beispiel am Stadion-Catering. Wir sparen so ganz erhebliche Kosten und verbessern noch dazu unsere Ertragssituation. Um es mal so zu sagen: Unsere finanzielle Situation wird auf komplett neue Füße gestellt." Und da die Zinsbelastung so gut wie wegfalle, "werden natürlich zusätzliche Mittel in Millionenhöhe frei", die in den Sportbetrieb investiert werden könnten. Eine Größenordnung von sieben bis acht Millionen Euro pro Jahr, die Hertha nun mehr zur Verfügung hat, nennt Schiller "in der Größenordnung realistisch".

In der Vergangenheit hatte sich Hertha BSC regelmäßig mit Signing-Fees oder Sale-and-lease-back-Geschäften kurzfristig Liquidität verschafft, die Probleme damit aber nur in die Zukunft verlagert. Mit der KKR-Partnerschaft, sagt Schiller, sei nun jedoch "das genaue Gegenteil ist der Fall. Wir werden durch die Ablösung der Kredite und den Rückerwerb von Rechten in den kommenden Jahren nachhaltig entlastet."

Aber wie geht es dann weiter? Dass KKR nach Ende der Mindestlaufzeit von sieben Jahren versuchen wird, seine Anteile mit Gewinn weiterzuverkaufen, hält Ingo Schiller für wahrscheinlich, "wenn man sich KKR und seine bisherigen Beteiligungen ansieht". Für diesen Fall habe Hertha BSC aber "ein Vetorecht bei einem Weiterverkauf - und ein Vorkaufsrecht", was das Risiko für den Verein minimiere.

Und außerdem sei es doch "klar ersichtlich, dass dieses Investment auch für KKR nicht den üblichen Mustern folgt. Wenn KKR normalerweise ein Unternehmen kauft, dann nimmt der alte Eigentümer das Geld - und KKR übernimmt meistens die Mehrheit. KKR hilft dann als Partner auf operativer und strategischer Seite, das Unternehmen auf Wachstumskurs zu bringen und weiterzuentwickeln, um es dann weiterzuverkaufen oder an die Börse zu bringen. Bei uns bleibt der Verein der Mehrheitseigentümer. Das gesamte Geld verbleibt im Unternehmen. Und alles ist mit uns, dem Management, vereinbart worden."

Es gebe also, Stichwort: Heuschrecke, "fundamentale Unterschiede, die allen die Angst vor KKR nehmen müssten", findet Ingo Schiller: "Es ist keine Übernahme, sondern eine Partnerschaft. Und sie findet in einem besonderen Umfeld statt, wo die Kontrolle schon wegen der Statuten der Deutschen Fußball Liga beim Verein verbleiben muss."

Das gesamte Interview mit Ingo Schiller lesen Sie in der Süddeutschen Zeitung vom 05.02.2014 oder in der digitalen Ausgabe auf dem iPad oder Windows 8.