Claudio Pizarro über den Konkurrenzkampf und seine Zukunft im Angriff des FC Bayern, die strengen Deutschen - und eine gute Pizza.
(SZ vom 23.4.2004) - SZ: Herr Pizarro, welche Zutaten muss die Pizza haben, damit sie schmeckt?
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Pizarro: Es darf alles drauf sein - außer Oliven. Oliven mag ich nicht. Und bitte nicht so viel Zwiebeln.
SZ: In München fragt man sich allmählich, welche Zutaten der Fußballspieler "Pizza" braucht, damit er sich in einer Mannschaft wohl fühlt?
Pizarro: Ich fühle mich hier sehr wohl und werde sehr gut behandelt. Aber ich würde gerne regelmäßiger spielen.
SZ: Woran liegt es? Manager Uli Hoeneß sagt: "Der Pizarro ist ein guter Kerl, aber ein Bequemer." Franz Beckenbauer meint: "Er nimmt es zu leicht."
Pizarro: Ich komme aus Südamerika. Für mich ist Fußball ein Vergnügen. Wenn ich keinen Spaß mehr daran habe, höre ich auf. Wenn ich anfange, mich zu stressen, und wenn Fußball plötzlich nur arbeiten, arbeiten, arbeiten bedeutet, dann kann ich nicht mehr spielen. Aber ich weiß, dass Fußball mein Beruf ist.
SZ: Wenn Bayern verliert, wird ein Drama draus gemacht. Aber Sie bleiben äußerlich gelassen, das verwirrt die Leute. "Er lacht immer", sagt Hoeneß.
Pizarro: Natürlich stört es mich genauso, wenn wir verlieren, das ist doch klar. Aber wenn das Spiel vorbei ist, kann man ja nichts mehr beeinflussen. Man muss sich gegen die Niederlage wehren, während man auf dem Platz steht. Da muss man rennen, kämpfen, ackern. Nach einem verlorenen Spiel muss man reden und die Fehler analysieren. Das ja. Aber deshalb muss ich ja nicht ständig mit ernstem Gesicht herum laufen.
SZ: Die Deutschen sind zu streng?
Pizarro: Nicht immer, aber oft. Und das ist auch nicht schlecht, weil ich in diesem Punkt auch dazugelernt habe. Das Wichtige ist, dass die Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit stimmt.
SZ: Was haben Sie dazugelernt?
Pizarro: Auf dem Platz verlieren wir Südamerikaner schnell die Konzentration. Ich habe gelernt, immer voll konzentriert zu sein und im Spiel zu bleiben.
SZ: Zur Zeit sind Sie Reservist. Man konnte lesen, Ihr Vater habe sich beschwert, dass es ein Pizarro nicht nötig habe, auf der Bank zu schmoren.
Pizarro: Ich weiß nicht, wie dieses Gerücht aufgekommen ist. Mein Vater hat nie so etwas gesagt. Das ist eine Lüge.
SZ: Warum wollen Sie Ihren - 2005 auslaufenden - Vertrag mit dem FC Bayern jetzt schon verlängern?
Pizarro: Wenn ich das mache - weil mir München gefällt. Ich bin glücklich und meine Familie auch. Das ist sowieso das Wichtigste. Wenn es ein gutes Angebot gibt, bleibe ich.
SZ: Die Zeiten werden schwieriger werden. Hashemian kommt aus Bochum.
Pizarro: Damit habe ich kein Problem. Wenn es ein gutes Angebot gibt und Bayern will, dass ich hier bleibe, wenn also alles passt, bleibe ich.
SZ: Sie haben einen guten Ruf. Wie wäre es mit Spanien? Oder Italien? Sie haben einen italienischen Pass.
Pizarro: Kann auch sein, wenn es eine Möglichkeit gibt. Aber bis jetzt ist meine Priorität Bayern München.
SZ: Wegen der Vertragsverlängerung steht also ein Gespräch mit Hoeneß an?
Pizarro: Ja, ich glaube schon. Ich selber habe damit kaum etwas zu tun. Wenn es da irgendwelche Verhandlungen gibt, macht das mein Manager. Ich konzentriere mich nur auf das Fußballspielen.
SZ: Wie ist Ihr Verhältnis zu Uli Hoeneß?
Pizarro: Gut. Manchmal geht sein Temperament mit ihm durch, und er sagt einfach, was er denkt. Manchmal beleidigt er jemanden, aber er meint das nicht so. Man muss wissen, wie man ihn nehmen muss. Wenn er ruhig ist, kann man besser mit ihm sprechen. Aber ich bin überzeugt, dass er ein guter Mensch ist.
SZ: Vor der Rückrunde hat Hitzfeld gefordert: Auch Pizarro soll mehr Verantwortung übernehmen. Machen Sie es?
Pizarro: Ja. Ehm, auf der Bank? Ich weiß nicht, welche Verantwortung soll ich da übernehmen? Ich würde das gerne tun, aber dazu müsste ich spielen.
SZ: Wie stellen Sie sich das vor: Verantwortung übernehmen?
Pizarro: Ich weiß auch nicht genau, was der Trainer damit meint. Vielleicht, dass ich ein Führungsspieler sein soll? In Perus Nationalelf bin ich Capitán, aber das ist eigentlich nur ein Symbol. Es gibt nicht viele Peruaner, die in Europa spielen.
SZ: Bayern spielt immer mit zwei Stürmern. Makaay ist gesetzt. Dann kommt Santa Cruz oder Pizarro.
Pizarro: Ja, aber Roque oder ich, wir spielen immer ein bisschen hinten.
SZ: Spielen Sie lieber in der Spitze oder lieber etwas weiter zurück?
Pizarro: Ich kann beides. Aber ich würde definitiv lieber weiter vorne spielen, weil es für mich da einfacher ist, mich viel zu bewegen. Wenn ich weiter ins Mittelfeld abtauchen und dort viel arbeiten muss, erschöpft mich das und ich habe nicht mehr so viel Kraft, um nach vorne in die Spitze zu kommen.
SZ: Warum nicht zwei echte Spitzen?
Pizarro (zuckt mit den Schultern): Das müssen Sie den Trainer fragen. Das ist seine Taktik und sein System.
SZ: Haben Sie mit dem Trainer darüber gesprochen?
Pizarro: Nein.
SZ: Warum nicht?
Pizarro: (zuckt mit den Schultern)
SZ: Vielleicht hilft es Ihrem Spiel, dass Sebastian Deisler bald wieder mitspielt.
Pizarro: Das ist wunderbar für ihn und für mich auch. Er ist ein super Techniker, ein super Dribbler. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm.
SZ: Wahrscheinlich ist es so: rechts Deisler, links Zé Roberto, in der Mitte Ballack, Torsten Frings. . .
Pizarro (erstaunt): Torsten Frings? Er kommt zu Bayern?
SZ: Vielleicht.
Pizarro: Er spielt gut. Ich habe mit ihm in Bremen gespielt.
SZ: Dann wird der Platz wirklich eng.
Pizarro: Ich vertraue auf mich, vertrauen auch Sie mir.
SZ: Über den Frings-Wechsel wurde viel diskutiert. Lesen Sie keine Zeitung?
Pizarro: Nein. Aber wenn Sie das sagen - Sie sind Journalisten -, dann wird es schon stimmen.
SZ: Wie informieren Sie sich denn, was in Deutschland vor sich geht?
Pizarro: Politik interessiert mich überhaupt nicht. Ich kaufe zuhause keine Zeitung. Normalerweise lesen die andern die Zeitung und erzählen dann in der Kabine darüber. Ich höre ihnen zu. Aber ich informiere mich im Internet regelmäßig darüber, was in Peru passiert.
SZ: Aber Sie wissen, dass Bayern noch Meister werden kann? Glauben Sie dran?
Pizarro: Es wird schwierig.
SZ: Ansonsten wird Werder Meister. Freuen Sie sich für Ihren Freund Ailton?
Pizarro: Ja, wir haben noch viel Kontakt, telefonieren oft. Aber leider stehen wir ja im Konkurrenzkampf. Da kann man keine Rücksicht nehmen. So ist das im Fußball. Wir sind immer noch Freunde, aber wenn wir auf dem Platz sind, werde ich ihn töten und er mich.
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