Wettexperte Declan Hill über chinesische Wetter in deutschen Stadien, die Struktur der Wettmafia und alte Kontakte zum WM-Gruppengegner Ghana.
Der Journalist Declan Hill aus Kanada hat im Jahr 2007 mit seinem Buch "Sichere Siege: Fußball und organisiertes Verbrechen oder wie Spiele manipuliert werden" die Fußballwelt aufgeschreckt. Seine Recherchen vor allem in Asien machten das Problem Wettmanipulationen im Fußball deutlich wie nie zuvor. Der neue Wettskandal bestätigt viele seiner Thesen.
Wann ist ein Tor ein ehrliches Tor? Der Wettskandal hat einiges aus den Fußballfugen gebracht. (© Foto: dpa)
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sueddeutsche.de: Herr Hill, der neue Wettskandal im Fußball betrifft die zweite deutsche Liga, osteuropäische Ligen und erste Europapokal-Runden. Viele Menschen glauben aber weiterhin, dass die Bundesliga, die WM oder die Champions-League-Hauptrunde sicher sind.
Declan Hill: Sie liegen falsch. Wir haben eine Vielzahl von Beweisen und Indizien, dass etwa Fifa-Wettbewerbe betroffen sind. Funktionäre des ghanaischen Fußballverbands, ghanaische Spieler, die Asiatische Fußball Konföderation (AFC), Top-Schiedsrichter - sie alle sagen, dass Banden von Spielmanipulatoren mindestens seit 1991 bei großen Turnieren auftauchen.
sueddeutsche.de: Welche Beweise gibt es?
Hill: Bei der U-20-WM 1995 in Doha gingen zwei portugiesische Spieler durchs Hotel und eine Thailänderin fragte sie, ob sie mit aufs Zimmer kommen wollten. Dort wartete eine Gruppe von Spielmanipulatoren. Der Tisch war bedeckt mit 100-Dollar-Noten, in einer Ecke standen Spieler aus Kamerun. Als die Portugiesen das meldeten, wurde ermittelt. Die AFC bestätigte, dass mindestens vier Mannschaften angesprochen wurden.
sueddeutsche.de: Von welchen Turnieren wissen Sie außerdem von Betrügereien?
Hill: Wir sehen immer wieder die gleiche Gruppe, die sich an die gleichen Leute heranmacht. Sie nähern sich Teams, die wenig verdienen und beuten sie aus.
sueddeutsche.de: Sie berufen sich häufig auf Informationen aus dem Team von Ghana.
Hill: Mittelfeldspieler Stephen Appiah bestätigt, dass er auf all seinen Turnieren von Manipulatoren angesprochen wurde und bei Olympia 2004 für einen Sieg 20.000 US-Dollar angenommen hat. Der Präsident des ghanaischen Verbands bestätigt, dass viele Spieler bei Turnieren angesprochen werden. In der Berichterstattung spielt aber ein gewisser Rassismus mit.
sueddeutsche.de: Rassismus?
Hill: Stellen Sie sich vor, ein Präsident eines europäischen Verbands würde so etwas sagen. Es gäbe Schlagzeilen rund um den Globus. Sagt es ein Afrikaner, glaubt man, es ignorieren zu können.
sueddeutsche.de: Warum haben Fußball-Funktionäre so zurückhaltend reagiert? Auch die Öffentlichkeit weiß wenig davon.
Hill: Als ich das alles in meinem Buch geschrieben habe, reagierten etwa in Deutschland die Medien und die Öffentlichkeit mit einer psychologischen Verweigerung. Die Leute wollten nicht glauben, dass so etwas passiert. Und dann drehten sie die Geschichte um: Declan Hill hat keine Beweise, er will nur sein Buch verkaufen. Sie attackierten lieber mich, als das Problem zu untersuchen. Außerdem starteten die Fußballverbände eine Medienkampagne.
sueddeutsche.de: Auch die Fans haben das Problem ingnoriert.
Hill: Die Fans wollen es einfach nicht wahrhaben, dass Ergebnisse abgesprochen werden. Sie sagen: "Unsere Jungs machen so etwas nicht, die WM ist zu groß, es kann nicht wahr sein." Ich verstehe diese Reaktion.
sueddeutsche.de: Was können Sie uns über die Bundesliga berichten?
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Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Die SZ hatte übrigens auch bereits am 19.11. unter der Überschrift "Tolle Quote beim Teenager-Treff" über die Anwesenheit sog. Spotter bei U17-Bundesligaspielen berichtet. Als Beispiel wurde die B-Junioren-Party zwischen 1860 und dem 1. FC Kaiserslautern angeführt. Ich dachte beim Lesen, daß womöglich auf diese Geschichte Bezug genommen werden sollte.
Achtung: Die Anwesenheit von Spottern bedeutet nicht automatisch, daß das Spiel verschoben wurde/werden sollte!!
Lieber palmcoast,
Ihre Vermutungen sind nicht nur flasch, Sie unterstellen sowohl Interviewpartner als auch Redakteur absichtlich Rufschädigung zu betreiben.
Aus diesem Grund sei geklärt, dass der Name des Fußballvereins nur beispielhaft im Interview erwähnt wurde und kein konkreten Fall existiert.
Entgegen Ihrer Vermutung hat niemand hier versucht einen solchen Zusammenhang zu erzeugen.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Moderator
Das eine Art dezentrale Mafia da am Werkeln ist, bin ich von überzeugt. Aber es geht nicht nur um Schmierung von Spielern, Schiedsrichtern, einflussreiches Umfeld, sondern auch alle anderen Spielarten der Mafia: Bindung durch Einschüchterung, Nötigung, bis zu Erpressung von Spielern, Schiedsrichtern, einflussreichem Umfeld (wie z.B. Mannschafts-Ärzten).
Nehmen wir einfach mal das Beispiel des Leichtathleten Dieter Bauman mit seiner Zahnpasta-Affäre (die wohl nie geklärt werden wird, wenn niemand spricht). Oder die Möglichkeiten von Köchen, Bedienungspersonal, Reinigungskräften in Mannschaftsquartieren.
Die Mafia kennt keine Skrupel und viele Wege.
Kein Wunder, dass die Fussall-Fuktionäre wie z.B. beim Radsport lieber stillhalten und keine schlafenden Hunde wecken will.
Vorsicht, Palmcoast - du hast schon ganz viele rote Beurteilungen!
Sie sollten die entsprechende Stelle schon richtig lesen:
"Schauen Sie sich um beim TSV 1860 München oder kleineren Klubs, und Sie werden die chinesischen Spieler sehen, die ihren Auftraggebern berichten."
Dort ist nicht nur von den Sechzgern sondern auch von anderen Clubs die Rede. Außerdem werden die Clubs gar nicht beschuldigt, sondern es werden Kommunikationsstrukturen beschrieben. Aber Reaktionen wie die Ihre hat Declan ja auch schon vorweggenommen:
"Als ich das alles in meinem Buch geschrieben habe, reagierten etwa in Deutschland die Medien und die Öffentlichkeit mit einer psychologischen Verweigerung. Die Leute wollten nicht glauben, dass so etwas passiert. "
Beste Grüße Balldieb
Paging