Interview: Johannes Aumüller

Fünf Mal spielen Bremen und Hamburg in dieser Saison gegeneinander. Mönchengladbach traf 1972/73 sogar sechs Mal auf Kaiserslautern und gewann fast immer. Rainer Bonhof erinnert sich.

Rainer Bonhof, 57, gehörte zu jener legendären Gladbacher Mannschaft, die in den siebziger Jahren mit ihrem offensiven Fußball für Furore sorgte und sich zum ärgsten Gegenspieler des FC Bayern entwickelte. Acht Jahre spielte er dort, dann wechselte er zunächst zu Valencia und danach zurück in die Bundesliga zum 1. FC Köln und zu Hertha BSC Berlin. Anschließend wirkte er als Trainer beim DFB-Nachwuchs, bei Borussia Mönchengladbach und der schottischen U-21-Mannschaft. Nach einem kurzen Engagement als Scout beim FC Chelsea ist er heute Vize-Präsident in Mönchengladbach.

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Rainer Bonhof gewann 1972/73 gleich fünf Mal mit Mönchengladbach gegen Kaiserslautern. (© Foto: Imago)

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sueddeutsche.de: Herr Bonhof, wir müssen Ihnen gratulieren. Nach unseren Recherchen dürfen Sie sich neben dem WM-Titel von 1974, vier deutschen Meisterschaften und zwei Siegen in Europapokal-Wettbewerben über einen ganz besonderen Rekord freuen.

Rainer Bonhof: Danke. Was für einen Rekord?

sueddeutsche.de: Den Rekord, im Laufe einer Saison gleich fünf Spiele gegen einen anderen Bundesligisten gewonnen zu haben. In der Saison 1972/73 haben Sie mit Mönchengladbach insgesamt sechs Mal gegen Kaiserslautern gespielt und fünf davon gewonnen.

Bonhof: Sechs Spiele waren das. Ich konnte mich zwar erinnern, dass wir sehr oft gegen Kaiserslautern gespielt haben. Aber dass es gleich sechs Spiele waren, das hätte ich jetzt nicht gedacht.

sueddeutsche.de: Doch. Je zwei in der Bundesliga, im Uefa-Cup und im DFB-Pokal, der in der besagten Saison per Hin- und Rückspiel ausgetragen wurde. Können Sie sich denn an eines der sechs Spiele noch konkret erinnern?

Bonhof: Ja, an das Uefa-Pokal-Rückspiel. Da hatten wir das Hinspiel glaube ich 3:1 gewonnen ...

sueddeutsche.de: Fast. 2:1 war es. 3:1 haben Sie das Auswärtsspiel im DFB-Pokal gewonnen.

Bonhof: Gut, 2:1. Jedenfalls mussten wir das Rückspiel mit mindestens drei Toren Unterschied gewinnen, weil wir im Hinspiel Allan Simonsen eingesetzt hatten, der international aber nicht spielberechtigt war. (der Däne Simonsen wechselte erst in der Winterpause der Saison 1972/73 nach Mönchengladbach; Anm. d. Red.) Deswegen hätte es vielleicht einen Protest geben können. Und dann haben wir ja auch 7:1 gewonnen, und einen Protest hat es schließlich nicht gegeben.

sueddeutsche.de: Aber das heißt, selbst Ihr damaliger Trainer Hennes Weisweiler, hat bei den vielen Spielen nicht mehr so genau gewusst, welcher Wettbewerb jetzt gerade dran ist.

Bonhof: Nein, das hat der schon genau gewusst. Aber er hatte noch irgendwo im Hinterkopf, dass er dem Simonsen noch Spielpraxis geben wollte. Und dann hat er ihn eben eingewechselt.

sueddeutsche.de: Haben Sie als Spieler denn immer gewusst, in welchem Wettbewerb Sie gerade antreten?

Bonhof: Die Uefa-Pokal-Spiele waren klar. Aber mit DFB-Pokal und Bundesliga war das schon schwierig, weil der DFB-Pokal in diesem Jahr nicht immer dienstags oder mittwochs war, sondern manchmal auch am Samstag.

sueddeutsche.de: Wie zum Beispiel beim 2:1-Hinspielsieg. Eines müssen Sie uns jetzt aber schon erklären: Fünf der sechs Spiele haben Sie gewonnen, aber einmal siegten die Kaiserslauterer. Was war denn am 30. September 1972 los, als Sie auf dem Betzenberg verloren?

Bonhof: An das Spiel erinnere ich mich auch noch genau. Wir haben uns ja immer im Trainingslager in Kirchheim auf die Auswärtsspiele vorbereitet. Und als wir an diesem Tag nach Kaiserslautern reisen wollte, war der Bus kaputt und wir mussten mit Taxen ins Stadion fahren. Das war natürlich keine optimale Vorbereitung.

sueddeutsche.de: Zum Schluss müssen Sie als Viele-Spiele-gegen-einen-Klub-Experte einen Ratschlag loswerden an Thomas Schaaf und Martin Jol. Sollen Sie besser alle Spiele mit der gleichen taktischen und personellen Ausrichtung bestreiten oder lieber wechseln?

Bonhof: Da bedarf es keiner Ratschläge. Die beiden Trainer kennen sich und die jeweils andere Mannschaft auch so gut genug. Bei so vielen Spielen und der Ausgeglichenheit dieser beiden Mannschaften hängt sowieso viel von der Tagesform ab.

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(sueddeutsche.de/hum)