SZ: Es heißt, er verunsichere die Spieler mit seiner rauen Art.

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Lahm: Er ist sicher ein ganz anderer Trainer als diejenigen, die bisher hier waren. Er legt sehr viel Wert auf Disziplin, auf Genauigkeit, und er ist sicher auch manchmal schwierig im Umgang für viele Spieler. Aber er ist bestimmt kein Unmensch, er verlangt keine Undinge von uns. Es braucht noch Zeit, aber ich bin der festen Überzeugung, dass er ein guter Trainer ist. Sicher, er ist eigen, aber er ist auch ein Mann, der herzlich ist - auch wenn man das vielleicht nicht so mitkriegt. Wir führen ja einige Gespräche, und ich mag ihn als Typ. Aber ich weiß auch, dass viele mit dieser Art nicht zurechtkommen.

SZ: Haben die Spieler Angst vor ihm?

Lahm: Viele haben noch so eine Mischung aus Respekt und Angst. Und auch ich finde, dass ein Trainer nicht mit jedem Spieler gleich umgehen sollte, doch auch das lernt er gerade. Aber wir machen jetzt zum Beispiel nach jedem Spiel eine Analyse: Was haben wir gut gemacht, was nicht? Manche Spieler kommen damit nicht zurecht, dass sie vor der ganzen Mannschaft kritisiert werden: Warum spielst du diesen Pass? Warum hast du jene Entscheidung getroffen? Dabei finde ich das gut und ganz normal.

SZ: Solche Analysen müssten Sie doch noch aus der letzten Saison kennen, von Jürgen Klinsmann.

Lahm: Nein, da gab es so etwas nicht, da wurde nicht mal drüber gesprochen. Deswegen ist das jetzt auch eine große Umstellung. Und viele sagen sich vielleicht auch: Okay, lieber spiele ich jetzt einen Rückpass, bevor ich morgen wieder vor der ganzen Mannschaft für einen Fehlpass kritisiert werde. Was wir jetzt haben, ist das absolute Gegenteil von dem, was wir letztes Jahr hatten. Aber wenn ich selbst kritisiert werde und im Video sehe: Die Flanke hätte früher oder weiter nach vorne geschlagen werden müssen - dann muss ich sagen, ja, der Trainer hat recht! Der Trainer, das sagt er uns auch immer, kritisiert doch nur, damit es der Spieler besser machen kann. Und wir wollen doch besser werden! Alles muss besser werden.

SZ: Haben Sie die Sorge, dass der Trainer, für den Sie sich hier offensiv aussprechen, nach einer Niederlage am Samstag gegen Schalke keine Zeit mehr erhält?

Lahm: Klar ist, dass man bei Bayern Erfolg haben muss, das weiß auch der Trainer. Und in der Champions League schaut's jetzt eng aus, im Pokal sind wir im Viertelfinale, und in der Liga sind die nächsten Spiele sicher mitentscheidend, ob wir vielleicht doch bald ganz vorne stehen oder eben nicht. Aber ich denke, dass wir trotz der bisherigen Ergebnisse auf dem richtigen Weg sind mit diesem Trainer. Im Vergleich zum letzten Jahr habe ich Hoffnung, weil ich Struktur erkennen kann. Man sieht eine Handschrift. Trotzdem muss sich natürlich einiges ändern.

SZ: Zum Beispiel, dass der FC Bayern trotz der Forderung nach Ballbesitz wieder offensiver das Tor sucht?

Lahm: Ja, wir müssen wieder offensiver spielen. Und was vorne im letzten Drittel passiert, ist zu wenig. Wir haben immer das Übergewicht, aber vier, fünf hundertprozentige Torchancen - das passiert bei uns eigentlich nie.

SZ: Man hat das Gefühl, so dringend wie dieser FC Bayern hat selten eine Mannschaft ein frühes 1:0 gebraucht.

Lahm: Stimmt, dann würden die Zuschauer unser Spiel auch besser finden und vielleicht wie in anderen Stadien bei Ballstaffetten mitgehen: Ooh-ooh-ooh!, und der Gegner läuft hinterher.

SZ: Wenn alles ausbleibt, die Entwicklung einer Mannschaft, die Ergebnisse, die Geduld mit dem Trainer: Was würde das für Ihre Zukunft bedeuten?

Lahm: Ich bin ein Eigengewächs, ich fühle mich sehr wohl, und mir liegt der FC Bayern am Herzen - deshalb spreche ich unsere Situation so offen an. Und ich denke, ich bin jetzt in einer Position, dass ich das so ansprechen kann. Wir wollen mit Bayern auch international erfolgreich sein und Titel gewinnen. Aber: Wenn ich merke, es tut sich nichts, es verliert sich irgendwie, dann will ich eingreifen und unangenehme Wahrheiten ansprechen. Man kann nie wissen, ob man die Champions League gewinnt, das ist schwierig. Aber man muss eine Entwicklung erkennen können: Sehen, dass man konkurrenzfähig ist.

SZ: Wenn Sie schon mit Bayern nicht die Champions League gewinnen: Wird Deutschland dann wenigstens mit Ihnen 2010 Weltmeister in Südafrika?

Lahm: Jetzt haben wir erstmal die Qualifikation geschafft, und in Russland, finde ich, haben wir auch eine ordentliche Leistung geboten. Nicht überragend, aber ordentlich. Aber auch da gilt, was für den FC Bayern gilt: Wir müssen um einiges besser spielen. Wir haben enorme Probleme gegen Teams, die hinten drin stehen. Wir können keine Mannschaft auseinandernehmen - das ist das Problem, bei der Nationalmannschaft wie beim FC Bayern.

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  1. "Ja, der Trainer hat recht"
  2. "Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind"
  3. Sie lesen jetzt "Alles muss besser werden"
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