SZ: Ein anderes Thema wäre in diesem Zusammengang die zweite Außenverteidiger-Position neben Ihnen, sie ist im Grunde vakant, seitdem sich Willy Sagnol verletzte - 2007.
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Lahm: Ja, es kam jetzt Edson Braafheid, Massimo Oddo wurde mal ausgeliehen, Marcell Jansen war kurz da, Christian Lell kam hoch und Andreas Görlitz aus Karlsruhe zurück. Doch es kam seither kein Spieler mehr, dem das Vertrauen ausgesprochen wurde oder der seine internationale Klasse bereits unter Beweis gestellt hat.
SZ: Sie spielen zurzeit auch deshalb auf rechts, weil es dort keine hochwertige Alternative gibt. Wollen Sie das wirklich, wie es sich zuletzt anhörte?
Lahm: Rechts oder links, darüber lasse ich mit mir diskutieren - man sollte sich nur mal auch dort für die nächsten Jahre festlegen, wo ich spielen soll. Ich traue mir zu, auf beiden Seiten den Anforderungen des FC Bayern mehr als zu genügen. Dass man bei 50 Spielen rechts oder links auch mal ein paar schlechte macht, ist ganz normal. Aber ob Philipp Lahm beim FC Bayern links oder rechts spielt, hat nichts mit der momentanen Situation zu tun.
SZ: Woran liegt es Ihrer Ansicht nach, dass die Elf so unrund aufgestellt ist? Gibt es ein Scouting-Problem, liegt es am Trainer, fehlt der Mut? Oder fehlt ein klassischer Sportdirektor, weil Uli Hoeneß diesen Bereich wegen der gewachsenen Aufgaben im wirtschaftlichen Bereich zwangsläufig nicht mehr allein abdecken kann?
Lahm: Nochmal: Der Verein muss sagen, wenn ein Trainer kommt: So spielen wir. Bei Barcelona kommt doch keiner mehr auf die Idee, dass sie 4-4-2 spielen. Der FC Barcelona ist 4-3-3 - das ist einfach so! Wir dagegen haben jetzt viele Spieler, für die es in einem 4-3-3, das unser Trainer gerne spielen möchte, gar keine Position mehr gibt. Zum Beispiel unsere Stürmer. Wir haben wirklich gute Stürmer - aber beim 4-3-3 sitzen zwei, drei immer auf der Bank. Wenn ich einen Mario Gomez kaufe, muss ich sagen: Okay, dann spielen wir mit zwei Spitzen. Und wir haben ja auch in der gesamten Vorbereitung nur 4-4-2 gespielt. Und dann kommt plötzlich Robben, ein toller Spieler, der zu uns passt - und der am liebsten im 4-3-3 spielt.
SZ: Fazit: Der FC Bayern muss anfangen, eine Mannschaft zu entwickeln?
Lahm: So ist es, das ist meine Meinung, ganz klar. Man darf Spieler nicht einfach kaufen, weil sie gut sind ...
SZ: ... oder weil sie mal zwei Tore gegen den FC Bayern schossen, eine beliebte Münchner Strategie.
Lahm: Genau, und nochmal das Beispiel FC Barcelona: Die hätten neben Ibrahimovic den Eto'o ja auch behalten können. Haben sie aber nicht, weil sie genau wussten: Bei uns spielen vorne Henry und Ibrahimovic, und ein Dritter von diesem Kaliber sorgt nur für Ärger, wenn einer immer auf der Bank sitzt.
SZ: Es gibt ja im Verein inzwischen einen neuen Sportdirektor, Christian Nerlinger, der demnächst Manager Hoeneß beerben soll. Was bedeutet dieser Machtwechsel - Hoeneß soll an Stelle von Franz Beckenbauer Präsident des Vereins werden - für den FC Bayern?
Lahm: Ich bin überzeugt, dass Christian ein guter Mann ist, der die Situation richtig einschätzt. Er wächst mit dieser Aufgabe, und er kann die Philosophie vorgeben. Und ich glaube, jetzt, mit diesem Trainer, wäre das ein guter Zeitpunkt, sich grundsätzlich auf eine neue Vorgehensweise festzulegen. Die Spieler sind sich bei Christian Nerlinger relativ einig, wir haben viel mit ihm geredet. Wenn er wirklich diese klassische Sportdirektorenstelle ausfüllen würde, wäre das gut. Die Frage wird sein, wie seine Position vom Vorstand gesehen wird.
SZ: Schon jetzt muss sich der Vorstand mit Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß positionieren - wegen des drohenden Aus in der Champions League steht der neue Trainer bereits heftig in der Kritik. Ist Louis van Gaal angesichts der beschriebenen Strukturprobleme überhaupt verantwortlich für die Krise?
Lahm: Ich glaube schon, dass wir auch mit diesem Kader besser spielen müssen. Deshalb liegt es in erster Linie an den Spielern, um das hier mal klar zu sagen. Der Trainer mag zwei kritisierte Transfers getätigt haben, aber ansonsten hat er schon einen guten Blick dafür, was fehlt. Seine Experimente und die unterschiedlichen Aufstellungen zeigen doch, dass auch er noch auf der Suche ist. Mir gefällt aber, wie viel Wert er auf Taktik legt. Er ist einfach ein Lehrer, den ich so noch nicht hatte. Ich glaube schon, dass wir jetzt den Trainer haben, der den Bau einer Mannschaft hinbekommen kann.
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Unnütze Hygienemaßnahmen
Sorry, nicht die Champions League 1992, den Supercup 1997.
Philipp Lahms Kritik an der Vereinspitze wird allerorten thematisiert, seine leise Kritik an van Gaals Führungsstil geht unter, schon der Titel des Interviews will den Eindruck erwecken, der Trainer werde ausgenommen.
Es ist erstaunlich, wie gut der Trainer gerade auch in der SZ weg kommt. Insbesondere liest man immer wieder den Verweis auf Ajax Amsterdam und den FC Barcelona. Mit der grandiosen Ajax-Mannschaft begründete van Gaal seine Ruf, für den FC Barcelona gewann er 1992 den ersten Champions League Titel des Vereins. FÜR Barcelona aber MIT Ajax. Denn Van Gaal kam auch in seinem ersten Jahr in Barcelona nicht zurecht. Daraufhin wurde der Kader nahezu komplett ausgetauscht und man kaufte in den zwei folgenden Spielzeiten 9 Spieler der ersten 11 von Ajax! Zeitweise kamen bis zu 8 Niederländer im katalanischen Team zum Einsatz. Der Fußball war schon nicht mehr derselbe.
Mit dem hochmodernen und spektakulären Fußball des FC Barcelona hat van Gaal nichts zu tun. Der hielt erst mit Frank Rijkaard dort Einzug, der van Gaals Spieler einen nach dem anderen verabschiedete. Mit van Gaal verbindet man in Barcelona vor allem noch seine rüden Umgangsformen, seine permanente Fehde mit der Presse und ... langweiliges Spiel.
Das ist die Jugend von heute!
Ob der Philipp heut wohl still
zu dem Training kommen will?
Also sprach in ernstem Tone
Vater Gaal mit seinem Sohne
und der Bommel blickte stumm
auf dem grünen Rasen rum....
Ich bin erschüttert!
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Was PL im Interview geäussert hat, die Art und der Stil, den er gewählt hat ist doch nur kompetent, lobenswert und charaktervoll zu nennen. Das war kein Gemaule, kein Hackentreten, kein Unrat, wie er von anderen oft über den eigenen Verein ausgegossen wurde. Wer auf Kritik a la Lahm derart reagiert, wie es der Vorstand des FC Bayern getan hat, erinnert an DDR-Gepflogenheiten, die Angst der Mächtigen vor der Wahrheit - vor dem leisesten Hauch einer Verantwortlichkeit für Fehler und Mängel. Lahm hat recht - ein Junge mit Durchblick und höchster Loyalität bei aller - maßvoll geäusserten Kritik. Dagegen sieht man ein dann ein Zorn-Kaschperl, wie Uli Hoeness, der auch dann noch maßlos herumgiftet, wenn es ihn so gar nichts angeht. Ertappt, lieber Uli! Dann ist da seine Gnaden und Präpotenz Franz "Kaiser-Schmarrn" Beckenbauer, der längst wie ein Schatten auf den Bayern lastet, und die Hauptverantwortung am Führungsstil des Vereins trägt. Franz ist der Puppenspieler, der flüsternd und geschmeidig, ja fast versöhnlich den Weltmann gibt, während seine Handpuppen die Bad-Boys spielen. Philipp Lahm hat Fakten angesprochen - sich intern aber der Blasphemie "schuldig" gemacht. 50.000 Euro Strafe für Worte, die jeder Überprüfung stand halten - deutlicher kann sich Inkompetenz nicht in Szene setzen.
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