SZ: Ihr Freund und Kollege, der langjährige BVB-Spieler Otto Addo, hat sich vor Jahren entschieden, für Ghana zu spielen. Addo ist ein typischer Hamburger Jung, genau wie Sie, und ist schwarz. Er hat seine Entscheidung für Ghana damit begründet, er könne sich als Schwarzer nie wirklich als Deutscher akzeptiert fühlen. Hat er da zu Unrecht resigniert?

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Owomoyela: Otto ist auch afrikanisch aufgewachsen. Ich habe zwar einen Vater, der aus Nigeria stammt, ich war aber noch nie in Afrika. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch klein war, und ich bin eben bei meiner Mutter aufgewachsen, die Deutsche ist. Otto war immer schon viel in Afrika bei seiner Familie dort, seine beiden Eltern stammen aus Ghana. Er ist dort genauso verwurzelt wie in Deutschland, spricht auch die Stammessprache seiner Eltern.

SZ: Aber der nigerianische Verband hat sich erkundigt, ob Sie für Nigeria spielen wollen?

Owomoyela: Ich habe kurz damit geliebäugelt, als es nicht zur Debatte stand, ob ich Nationalspieler für Deutschland werden könnte. Ich habe auch einen Stolz für Nigeria. Ich spielte damals zweite Liga in Bielefeld. Sobald sich abzeichnete, dass es die Option gibt, für Deutschland zu spielen, war das keine Frage mehr. Ich fühle mich als Deutscher.

SZ: Ein anderes Beispiel beim BVB. Nuri Sahin ist gebürtiger Sauerländer, hat sich aber entschieden, für das Land seiner Eltern zu spielen...

Owomoyela: Ich kenne den genauen Hintergrund nicht, aber ich glaube Nuri ist mit der türkischen Kultur sehr verwachsen. Die Türken sind ein stolzes Volk. Aber Gegenfrage: Warum muss so was wichtig sein?

SZ: Für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ist sicher jeder deutsche Nationalspieler mit so einer Herkunft Vorbild - abgesehen davon, dass Sahin auch der deutschen Mannschaft gut zu Gesicht stehen würde. Schließlich ist er in Deutschland geboren und scheint hier bleiben zu wollen.

Owomoyela: Klar ist es fußballerisch schade, wenn Fußballer wie Nuri für die deutsche Mannschaft verlorengehen. Aber wir haben doch inzwischen jede Menge Vorbilder: Özil, Tasci, Asamoah, Podolski, Klose, Kuranyi - na, auch Owomoyela. Heutzutage ist da kein Signal mehr nötig.

SZ: Sie haben elf Länderspiele für Deutschland gemacht, aber 2006 wurden Sie überraschend nicht in den WM-Kader berufen. Danach gab es ein sehr langes Funkloch. Erst jetzt, nach Ihrem Wechsel zu Borussia Dortmund, will der Bundestrainer Sie zurückholen.

Owomoyela: Ich lese das auch nur in der Zeitung. Ich habe den Kontakt nie ganz abreißen lassen, aber natürlich war ich damals total leer und traurig, als ich nicht für die WM nominiert wurde. Ich bin dann in die USA gefahren und habe mir das ganze Sommermärchen von dort aus mit viel Abstand angesehen.

SZ: Sie haben ein so starkes Comeback, dass Sie offenbar für die Asienreise des DFB-Teams eingeladen werden. Wo waren Sie zwischenzeitlich eigentlich?

Owomoyela: Bei Werder Bremen war ich Stammspieler, bis zum Sommer 2006. Ich habe da die meisten Einsätze überhaupt gehabt. Dann kam ich aus dem Urlaub zurück und man hatte mir Clemens Fritz vor die Nase gesetzt. Die Stimmung war so: Du machst hier keinen Stich mehr. Dann fing meine Verletzungsserie an. Kapselriss, Knochenprellung, Gelenkentzündung. Wieder rangekämpft, im nächsten Jahr dasselbe: Sehnenabriss im Oberschenkel. Letzten Sommer habe ich mir gesagt: Jetzt brauchst du einen Schlussstrich. Deshalb Dortmund.

SZ: Es gibt Leute, die sagen: Owomoyela spielt in Dortmund besser als je zuvor.

Owomoyela: Das weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich gereift bin. Als Mensch und als Fußballer. Vielleicht bin ich deshalb heute konstanter als früher.

SZ: Dortmund schwärmt von Jürgen Klopp. Was unterscheidet ihn von anderen Trainern?

Owomoyela: Klopp ist unheimlich autoritär auf eine sehr kumpelhafte Art. Wenn jemand nicht mitzieht, wird er rabiat. Aber solange alle auf Linie sind, redet er mit jedem Spieler. Auch über Dinge, die nichts mit Fußball zu tun haben. Es ist ein ganz anderes Verhältnis als irgendwo sonst. Jürgen ist sehr nah dran an uns, kann richtig Spaß vermitteln und sehr einschüchternd werden. Ein schmaler Grat, auf dem er sehr sicher wandelt.

SZ: Mit ein paar Punkten mehr aus Ihren 13 Unentschieden könnte der BVB gleichauf mit Wolfsburg und dem FC Bayern sein. Klopp sagt, dass viele der Unentschieden "halbe Siege" gewesen seien.

Owomoyela: Ich bin auch eher Kopfmensch und deshalb habe ich die ganze Zeit unsere Unentschieden-Serie so ähnlich gesehen. Wir haben uns ja die Video-Aufzeichnungen angesehen. Da sah man schon, dass wir mindestens sechs von den Unentschieden hätten gewinnen müssen und dass wir vielleicht drei oder vier mit etwas Pech hätten verlieren können. Jürgen Klopp hat es hinbekommen, dass wir Spieler einfach weitergearbeitet haben und auf die Inhalte und die tatsächliche Leistung geschaut haben, nicht nur auf die Ergebnisse. Wir wussten, wir sind nicht weit davon weg, dieses ganze Konstrukt aus Unentschieden umzuhebeln. Und jetzt schlägt die Nadel für uns aus.

SZ: Würden Sie sagen, es wäre ein Traum , wenn Sie sich mit dem BVB am Ende nicht nur auf Platz fünf, sondern auf Platz drei wiederfinden würden?

Owomoyela: Ganz sicher. Leider haben wir es aber zur Zeit nicht in der Hand, uns tabellarisch noch zu verbessern. Wenn die anderen nicht auch mal Punkte verlieren, kommen wir auch an keinem mehr vorbei. Aber natürlich: Es wäre absolut geil, jetzt noch unter die ersten fünf zu stoßen.

SZ: Was ist an Dortmund besonders?

Owomoyela: Ich habe immer schon gerne in Riesenstadien gespielt. Je mehr Publikum, desto lieber. Jetzt spiele ich hier in diesem Stadion und die Riesenmenge ist auch noch auf meiner Seite, unsere Leute - Wahnsinn. Ich war seit 1999 immer viel in Dortmund, weil ich ja meist nur eine Stunde entfernt von hier gespielt habe. Mit Addo oder Dede war ich immer befreundet. Ich weiß, wie Dortmund tickt, wo es hip ist, wo man hingeht. Ich weiß, wie Dortmund tickt.

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(SZ vom 09.05.2009/kaf/tob)