Interview mit Owomoyela "Die NPD-Sache hat mich sehr aufgebracht"

Patrick Owomoyela über Rassismus im Sport, seine Klage gegen die NPD und ein Comeback in der Nationalmannschaft.

Interview: Freddie Röckenhaus

SZ: Herr Owomoyela, Sie tragen heute ein interessantes T-Shirt. Können Sie das mal beschreiben?

Patrick Owomoyela: Ja, ein cooles Ding. Eine altmodische Waage, bei der in der einen Schale lauter Panzer und Gewehre liegen und in der anderen ein Ghettoblaster. Die Musik wiegt viel schwerer. Die hat Gewicht, nicht die Waffen.

SZ: Sind Sie so politisch - oder ist das nur ganz schick?

Owomoyela: Sagen wir so: Politik ist nur meine Sache, wenn sie auch so etwas Trendiges, Hippes hat in der Aussage. Ich bin auch eine Weile mit einem Obama-T-Shirt rumgelaufen. Wirklich politisch bin ich aber deshalb wohl nicht.

SZ: Wie beschreiben Sie es sonst?

Owomoyela: Ich finde die Grundaussage gut: Lasst uns mal die Dinge ändern, einen neuen Anfang machen. Vor allem fand ich Bush wirklich unsäglich. Aber ich habe leider zu wenig Ahnung, wer die eventuellen Hintermänner von einem Obama sind. Ich kann nicht beurteilen, ob da nicht wieder Strippenzieher am Werk sind, die sich mit einer hippen Frontfigur wie Obama vielleicht auch wieder nur die Macht verschafft haben.

SZ: Sie haben mit einer privaten Klage dafür gesorgt, dass drei NPD-Funktionäre, darunter Parteichef Voigt, zu Bewährungsstrafen wegen Volksverhetzung verurteilt worden sind. Das ist ungewöhnlich für einen Fußballprofi.

Owomoyela: Ich mag auch gar nicht mehr so viel drüber reden. Ich bin sehr froh, dass es nun einen Urteilsspruch gibt und dass ich recht bekommen habe. Und das war's.

SZ: Trotzdem: Die NPD hatte zur Fußball-WM 2006 einen Terminplaner herausgebracht, auf dem ein Foto von Ihnen abgebildet war. Dazu den Slogan: "Weiß - mehr als eine Trikotfarbe. Für eine echte NATIONALmannschaft". Was hat das bei Ihnen ausgelöst?

Owomoyela: Ich fühlte mich beleidigt. Und so war es ja wohl von den Machern auch gedacht. Ich bin eigentlich in meinem Leben selten mit Rassismus konfrontiert gewesen. Umso mehr hat mich das damals aufgebracht.

SZ: Sie sagen, Rassismus begegne Ihnen normalerweise nicht viel? Kann es sein, dass Sie ihn nicht sehen wollen und ihn deshalb im Normalfall ignorieren?

Owomoyela: Ich glaube nicht. Ich bin ja in Hamburg geboren und aufgewachsen, also einer offenen Stadt mit vielen Leuten mit Migrations-Hintergrund. Mir ist es nie passiert, dass ich in eine Disco nicht reingelassen worden wäre, weil ich eine dunkle Hautfarbe habe. Natürlich kennt man diese furchtbaren Geschichten, wo Leute durch die Stadt gejagt werden, ihre Häuser angesteckt werden. Das ist furchtbar traurig und dumm. Aber ich war davon nie selbst betroffen.

SZ: Warum dann Ihre aufsehenerregende Klage gegen die NPD? Hatten Sie nicht ein bisschen Angst vor eventuellen Repressalien von Rechtsradikalen?

Owomoyela: Nein. Dieser NPD-Planer hatte einfach eine andere Qualität von Beleidigung. Es war einfach wichtig, darauf aufmerksam zu machen: Das Thema ist leider noch da. Bis auf eine Reihe beleidigender Einträge auf meiner Homepage ist nicht viel an Reaktionen aus diesen Kreisen gekommen.

SZ: Ihr Nationalmannschaft-Kollege Gerald Asamoah berichtet, dass er auch im Spiel immer wieder beleidigt wird.

Owomoyela: Ich sage nicht, dass nicht auch mal jemand während des Spiels "schwarze Sau" zu mir gesagt hat. Als ich noch in der Regionalliga spielte, wo man die einzelnen Zuschauer ja besser hören kann, habe ich mir auch von den Rängen so einiges anhören müssen. Aber ob das immer Rassismus ist?

SZ: Was sonst?

Owomoyela: In der Hitze des Spiels sagt man schon mal was, einfach um Dampf abzulassen. Manchmal ist man so wütend und aufgeputscht, dass man dem Gegenüber irgendwas Beleidigendes an den Kopf werfen muss. Wenn einer lange Haare hat, wird er halt als "schwule Sau" oder sonst was betitelt. Aber nach dem Spiel gibt man sich die Hand und es sollte wieder gut sein. Man sollte nicht immer gleich mit der Rassismus-Keule kommen. Die NPD-Sache war dagegen kühl geplant und viel schlimmer.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, warum Patrick Owomoyela als Nationalspieler für Deutschland gespielt hat - und was er von seinem Dortmunder Trainer Jürgen Klopp hält.