DFB-Teammanager Oliver Bierhoff über das Ende der WM-Euphorie, den Ballack-Konflikt und den Vorwurf, eine Ich-AG zu betreiben.
Nach 70 Länderspielen mit 37 Toren übernahm Oliver Bierhoff am 29. Juli 2004 die neu geschaffene Stelle des Nationalmannschafts-Managers. In diesem Amt hat sich Bierhoff, 40, immer mehr zu einer öffentlichen Reizfigur entwickelt, was im EM-Jahr 2008 besonders offensichtlich wurde. Am Ende dieses Jahres spricht Oliver Bierhoff im SZ-Interview über seine Rolle beim DFB, seine Pläne mit der deutschen Nationalmannschaft und über die Vorbehalte gegenüber seiner Person.
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"Fest steht auch, dass Michael und ich nicht immer auf einer Wellenlänge sind und über verschiedene Dinge unterschiedlich denken." Oliver Bierhoff. (© Foto: imago)
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SZ: Herr Bierhoff, es gibt Gerüchte, wonach Sie bei Schalke 04 als neuer Manager im Gespräch sind. Was ist da dran? Bierhoff: Ich komme aus dem Ruhrgebiet, und Schalke ist ein Top-Traditionsverein. Aber ich habe einen Vertrag beim DFB bis 2010 und dort noch viele Aufgaben. An dem Thema ist nichts dran.
SZ: Es gibt nicht mal Schalker Kontaktversuche? Bierhoff: Es gab keine Gespräche über eine Tätigkeit von mir. Wichtig ist, dass in Schalke Ruhe einkehrt - und anderswo gar keine Unruhe entsteht.
SZ: Womit wir beim DFB sind. Es gibt ein überstrapaziertes Modewort: Respekt! Vermissen auch Sie Respekt? Bierhoff: Wir sollten mit diesem Begriff in der Tat nicht inflationär umgehen. Trotzdem nennen wir den Nationalspielern von Anfang an Respekt und Professionalität als wichtige Pfeiler unserer Arbeit. Nur müssen wir das von der DFB-Verbandsspitze bis zum Trainerteam und Management auch vorleben. Und da, das muss man selbstkritisch sagen, haben auch wir im ablaufenden Jahr nicht immer glücklich agiert.
SZ: Beispielsweise, als sich Michael Ballack öffentlich gegen Bundestrainer Joachim Löw aufgelehnt hat und wochenlang die Sportnation in Atem hielt. Bierhoff: Ich glaube, am Fall Ballack sieht man auch, wie überzogen Medien manchmal reagieren. Da wird ein Thema gern wichtiger dargestellt, als es ist.
SZ: Einspruch. Ein Routinier wie Ballack weiß genau, wie die Reaktion auf seine Aussagen ist. Spielte er nicht professionell und gezielt die Medienklaviatur? Bierhoff: Klar weiß er, dass man gewisse Dinge erreichen kann, indem man die Öffentlichkeit sucht. Joachim Löw hat ihm aber deutlich gemacht, dass er diesen Weg nicht gehen soll. Ballack hat das eingeräumt und sich entschuldigt.
SZ: Aber er hat, nach dem angeblichen Friedensschluss und dem verlorenen England-Spiel, noch einmal nachgetreten. Spielt er mit seinem Superstar-Status? Bierhoff: Michael ist ein toller Fußballer, der uns bis zur WM 2010 noch viel Freude bereiten wird und sportlich voranbringt. Auch gibt es Hierarchien bei uns, die muss es geben. Allerdings sollten wir davon wegkommen, dass einer denkt, er sei besser, unersetzbar oder cleverer als der andere. Wir haben ein gemeinsames Ziel: die WM 2010. Wichtig ist, dass wir an der Front Ruhe haben.
SZ: Ist das jetzt gesichert? Bierhoff: Konflikte im Nationalteam wird es immer geben. Wir leben in einem Mikrokosmos, in dem es so zugeht wie im richtigen Leben, da gibt's auch mal Streit. Aber solche Probleme löst man. Die Reaktion von Ballack - auch die von Torsten Frings - zeigt umgekehrt auch, dass die Nationalelf ein wichtiger Aspekt ihrer Karriere ist, auf den sie nicht verzichten und für den sie sich auch unterordnen wollen.
SZ: Es gab noch mehr Reibereien, die vom Schwinden jener Märchenstimmung zeugen, die seit der WM 2006 so hell besungen wurde. Neben der Fehde Kapitän/Bundestrainer legt DFB-Präsident Theo Zwanziger einen Furor im Umgang mit einem Journalisten an den Tag, der ihn im Internet als "Demagogen" bezeichnet hat und den er jetzt von einem Richter zum nächsten treibt. Herrscht auch an der Spitze Realitätsverlust nach der jahrelangen Märchenzeit? Bierhoff: Ich hoffe, dass diese Situation nicht weiter eskaliert. Dann können sich alle Beteiligten wieder auf ihre Stärken konzentrieren. Grundsätzlich müssen wir aber begreifen, dass das Sommermärchen und auch das "Sommermärchen reloaded" - wenn man die EM 2008 so bezeichnen will - zu Ende sind. Außerdem passt es ja in diese Zeit der Weltwirtschaftskrise, dass wir uns sammeln, von dieser Welle runterkommen. Insofern kann man die Reibereien auch als Zeichen sehen: Das Märchen ist vorbei, wir müssen wieder ganz bodenständig arbeiten. Dazu gehört auch: uns selber, ob Mannschaft oder Verband, nicht so wichtig zu nehmen und zu glauben, dass wir für alles zuständig sein können.
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