Von Interview: Andreas Burkert und Klaus Hoeltzenbein

Bayern-Profi Lukas Podolski, 22, über seinen Wunsch, nur noch als Fußballer und nicht mehr als Kunstfigur gesehen zu werden.

SZ: Herr Podolski, der FC Bayern hat das Lachen verlernt. Sie auch?

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"Doch egal, wie du gesehen wirst: Es ist nicht richtig. Das ist auch das Schwierige hier beim FCBayern." Lukas Podolski, einmal als Strahlemann. (© Foto: AP)

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Lukas Podolski: Nein, überhaupt nicht, niemals. Klar ist man nicht zufrieden, wenn man die Spiele nicht gewinnt. Aber die Stimmung in der Mannschaft wird in der Öffentlichkeit anders dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist. Ganz so schlecht ist sie auch nicht.

SZ: Aber Franck Ribéry schmiert keine Zahnpasta mehr unter die Türklinke.

Podolski: Nein, aber das war ja auch im Trainingslager. Das ist ein halbes Jahr her. Man muss halt einschätzen, wann das Lachen angebracht ist - und wann nicht. Ich lach' ja nicht, wenn sonntags Auslaufen ist und wir haben am Tag davor verloren. Wenn man da lacht im Training, ist das unpassend.

SZ: Das klingt, als hätten Sie mit dem Lachen zum falschen Zeitpunkt schlechte Erfahrungen gemacht.

Podolski: Ja, stimmt, es gab da ein Erlebnis, im September beim Länderspiel in Wales. Da bin ich im Fernsehen lachend auf der Bank gezeigt worden. Es war vor dem Spiel, und ein Mitspieler aus der Mannschaft hatte gewunken. Und ich habe zurückgewunken. Gleich hieß es wieder: Der Poldi ist gut drauf. Es wurde auch ein Foto gemacht, und in der Zeitung stand: Warum lacht der Poldi? Er spielt doch nicht! Und dann war ein paar Wochen später ein anderes Bild in der Zeitung, wo ich mal 'ne Miene ziehe, und drunter stand: Poldi! Er hat das Lachen verloren! Damit als junger Spieler zurechtzukommen, dass du immer unterschiedlich gesehen wirst, ist nicht ganz so einfach. Doch egal, wie du gesehen wirst: Es ist nicht richtig. Das ist auch das Schwierige hier beim FCBayern.

SZ: Wie reagieren Sie auf diese zwiespältige Erfahrung?

Podolski: Knackpunkt bei mir war wirklich diese Wales-Geschichte. Da habe ich gemerkt, die Leute sehen mich so: Poldi hier, Poldi da, Poldi trallalla. Aber das ist jetzt vorbei. Ich bin ja ganz anders. Man muss sich vorbereiten auf das Spiel, auf jedes Spiel. Und wenn ich nicht spiele, dann bin ich nicht froh. Dann bin ich sauer. Ich war auch sauer damals in Wales. Und das sollte in den Medien dann auch so rüberkommen.

SZ: Aber dann müssen Sie sich, vom Naturell eher als Frohnatur bekannt, künftig oft verstellen.

Podolski: Nein. Ich geb' mich immer so, wie ich bin. Bin ich draußen, bin ich sauer. Ich bin froh, wenn ich nicht auf der Bank sitze. Wenn ich Fußball spielen kann und darf, bin ich anders drauf.

SZ: Dann dürften Sie auch diesen Mittwoch schlechte Laune haben. Denn alles deutet darauf hin, dass Ottmar Hitzfeld, der Trainer, es im entscheidenden Uefa-Cup-Spiel gegen Saloniki wieder mit der Doppelspitze Klose und Toni versuchen wird. Für Sie als dritte Offensivkraft ist da zunächst kein Platz.

Podolski: Das ist wohl so. Und damit muss ich klarkommen. Aber eines weiß ich genau: Ich bin kein Bankspieler!

SZ: Einmal für Laien: Was genau ist der Unterschied zwischen Bank- und Stammspieler?

Podolski: Naja: Spielen und nicht spielen. Vertrauen bekommen. Kein Vertrauen bekommen. Das ist es. Am Samstag, in Berlin, war ich ja dabei. Die drei Spiele davor habe ich nur zugeschaut. Ich weiß ja jetzt, wie der Verein tickt, dass man sich hier immer neu beweisen muss. Dass man nichts geschenkt bekommt. Da reicht es nicht, wenn man Mittwoch gut gespielt hat und am Samstag drauf nichts auf die Reihe bringt. Hundert Prozent sind bei Bayern zu wenig. Da spielst du gegen Bolton im Uefa-Cup, schießt zwei Tore, und alles ist gut. Am Samstag drauf, in Stuttgart, spielste aber nur eine Halbzeit. Dann ist wieder alles vorbei. Drei Spiele hintereinander auf der Bank, das ist grausam. Man fährt nach Hause und fühlt sich so leer. Man fühlt sich nicht gebraucht.

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