Ex-Zehnkampf-Weltrekordler Jürgen Hingsen über den Niedergang der deutschen Leichtathletik und die Doping-Problematik.
Jürgen Hingsen, 51, ist eine der schillerndsten Figuren der deutschen Leichtathletik. In den achtziger Jahren gehörte er zu den besten Zehnkämpfern der Welt, dreimal hielt er den Weltrekord. Bei Großveranstaltungen verlor Hingsen zwar stets gegen den Briten Daley Thompson, doch gewann er einmal WM-Silber, zweimal EM-Silber und einmal Olympia-Silber. Ein Gespräch über den Niedergang der deutschen Leichtathletik, die Ungerechtigkeiten im System Doping und seine drei Fehlstarts im 100-Meter-Lauf bei Olympia 1988.
Bild vergrößern
Ewiges Duell, immer der gleiche Gewinner: Jürgen Hingsen (r.) jagte auch bei der WM 1983 vergeblich hinter Daley Thompson her. (© Foto: Getty)
Anzeige
sueddeutsche.de: Herr Hingsen, Sie waren als Sportler insgesamt sehr erfolgreich - doch in Erinnerung blieben bei vielen Deutschen die zweiten Plätze und die drei Fehlstarts 1988 in Seoul.
Jürgen Hingsen: Das ist schade. Damals in Seoul hatte ich eine Knieverletzung, hätte nur zweimal Hochspringen können und wollte einfach alles auf eine Karte setzen. Ich habe alles riskiert, denn eines war klar: Zweiter wollte ich nicht nochmal werden.
sueddeutsche.de: Haben Sie noch Kontakt zu Ihrem großen Rivalen Daley Thompson?
Hingsen: Ja, er war bei meinem 50. Geburtstag und ich treffe ihn vielleicht in Berlin bei der Leichtathletik-WM. Er kommentiert dort für die BBC.
sueddeutsche.de: Bei der WM wird dieser Sport eine Aufmerksamkeit genießen wie lange nicht. Wieso ging es mit der deutschen Leichtathletik derart bergab?
Hingsen: Ich sehe da vor allem gesellschaftliche Gründe. Es beginnt beim Schulsport, der sträflich vernachlässigt wird. Die Voraussetzung für meine Karriere wurden in der Schule gelegt, damals waren die Sportlehrer noch motiviert. Doch heute findet in den Schulen Leichtathletik oder Turnen kaum noch statt.
sueddeutsche.de: Woher wissen Sie das?
Hingsen: In Nordrhein-Westfalen stehe ich Pate für die Aktion einer Krankenkasse, die Kinder motivieren will, das Sportabzeichen zu machen. Bundesjugendspiele zum Beispiel, früher gang und gäbe, fallen heute oft aus.
sueddeutsche.de: Keine Ehren- oder Siegerurkunde mehr?
Hingsen: Traurig, aber wahr. Die Krankenkassen engagieren sich, weil wir uns derzeit die Kranken von Morgen erziehen. Bewegungsmangel und schlechtes Essen, das sind gravierende Probleme.
sueddeutsche.de: Aber ist das der einzige Grund, warum deutsche Leichtathleten bei Großveranstaltungen kaum mehr Medaillen erringen?
Hingsen: Die Leichtathletik ist hierzulande derzeit zweitklassig und wird bald in die Drittklassigkeit absteigen, wenn nichts passiert. In anderen Sportarten kann man jetzt viel Geld verdienen. Bei uns hören erfolgreiche Nachwuchsathleten auf, um sich auf die berufliche Laufbahn zu konzentrieren.
sueddeutsche.de: Den wirtschaftlichen Hintergrund der Sportler zu verbessern, wäre eigentlich Aufgabe des Verbands.
Hingsen: Es stimmt, dass der DLV hier schlecht aufgestellt ist. Er müsste sich mehr kümmern um die Vermarktung und finanzielle Absicherung seiner Sportler. Auf der anderen Seite leidet die deutsche Leichtathletik darunter, von den Medien fast ignoriert zu werden. Die öffentlich-rechtlichen Sender haben sie fast aus dem Programm verbannt. Zu meiner Zeit waren Deutsche Meisterschaften für vier Stunden Liveübertragung gesetzt. Und die Sponsoren wollen mediale Aufmerksamkeit.
sueddeutsche.de: Wo keine Erfolge sind, da ist kein Fernsehen.
Hingsen: Die Leichtathletik hat sich über den Globus hinweg professionalisiert. Im Vergleich zur Lage vor 25 Jahren sind viel mehr Nationen in der Weltspitze, was es für deutsche Athleten wesentlich schwieriger macht. Der Sportler erhält nur Aufmerksamkeit und verdient Geld, wenn er ganz vorne dabei ist. Bei mir war es ja schon eine Bestrafung, wenn ich wieder "nur" Silber gewonnen hatte. Dazu kommt aktuell das Thema Doping.
Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
- Thema
- Leichtathletik-WM RSS
- Leichtathletik-WM Gefährliches Duell 13.08.2009
- Leichtathletik: Videoanalyse Die Kunst der Bewegung 14.08.2009
- Powell darf doch starten Allüren einer Sprintnation 12.08.2009
- Flügelflitzer: Naturdoping aus Kenia Die Milch macht's 12.08.2009
- Leichtathletik: Hallen-WM Oje, Jelena 15.03.2010
- Der Flügelflitzer: Maskottchen Druck für Urmel 09.12.2009
- Fall Caster Semenya Pretoria prescht vor 19.11.2009
Cyber-Angriff auf iranische Atomanlagen
wenn nicht dann nutzen Sie Ihre unbeleidigte Intelligenz zum Studium des ARD- feature
G e h e i m s a c h e D o p i n g
(was der Dr. vor dem Nick mit den Dopingbeweisen zu tun haben soll ? Logik ? Ihre geht mir nicht ein ,schon garnicht , da Sie eigentlich einer Meinung mit mir sind !
denkompletten Sport und jeden prakt. Sportler des Dopings zu bezichtigen----???
Wo steht das bei mir ? Deutsche Sprache , schwere Sprache , patricio ! Nochmal darum:
"Überall da , wo Geld zu machen ist in welchem Sport auch immer , wird gedopt auf Teufel kommraus"
Zweifels frei war Hingsen Profiteur, ärgerlich wie der jetzt heuchelt, nur " einige "---
Die ARD vermeldet:
a) prof. Doping ( Mhrfachsubstanzen) ist nicht mehr nachweisbar
b)korrupte Funktionäre verdummen, verschleiern,verhindern wirksame Kontrollen
c)Sportgerichte sind hilflos , der verdächtige erscheint garnicht zur Verhandlung
Ziel des Kartells ist solange wie möglich den Schein zu wahren. Keine Zuschauer, keine Werbung, keine Knete. Nix mehr los im Sportzirkus. Deshalb bleibt meine Glotze kalt.
P.S. zur Moral, die die Würde des Menschen ausmacht , da sind Sie doch auch meiner Meinung !
Der Epitaph des großen Kant in Königsberg jetzt Kaliningrad( Russ. Konföderation): " Der gestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir , versetzen mich, je mehr ich darüber nachsinne, in höchstes Erstaunen ". Der Mensch als moralisches Wesen a priori ! Sein größter Verehrer Schopenhauer widersprach ihm (dennoch): " der
Mensch ist nichts anderes als Wille ( übermächtiger Trieb! ! ! ) und Erfahrung ".Nicht so schwer im wild gewordene Kapitalismus sich eher für Schopenhauer ( und Nietzsche: "Gott ist tot" ) zu entscheiden
Gewiss ist es so, dass in Zeiten des kalten Kriegs (der vorbei ist) in allen Teilen der Welt gedopt wurde um Spitzenleistungen zu erzielen.
Vergleichen Sie aber die Berichte über die Methoden (Stichworte: Minderjährigkeit, Unwissenheit) oder brechen Sie Erfolge im Spitzensport, z. B. der DDR statistisch auf die Einwohnerzahlen runter.
Augenscheinliche Einschätzungen wären juristisch nicht haltbar, das wäre das Problem!
Nicht nur die Betrüger und Hochstapler, die sich infamerweise Sportler nennen, stehlen anderen den Ruhm und das Geld. Die Medien verdienen prächtig mit am Doping. Ohne all die Super-Schwimmer, Super-Radfahrer, Super-Leichtathleten gäbe es weniger Spektakel und damit geringere Preise für die Werbezeiten und -plätze. Deshalb feiern ARD, ZDF, SZ u. a. die des Dopings überführten "Sportler" wie Armstrong und Carl Lewis nach wie vor als Sportler.
Als Alibi sendet man dann zu nachtschlafender Zeit einen kritischen Bericht über Doping, schön außerhalb der Werbezeiten. Man demonstriert damit, wie kritisch man ist - solange es einen keine Gelder kostet.
Nervtötend am Verhalten dieser Medien ist allerdings, wenn sie dann weitere Blödheiten dazumixen, etwa auch noch von jahrzehntealten Klischees zehren: Die Chinesen dopen prinzipiell, und im Ostblock habe man gedopt: der antrainierte anti-kommunistische Beißreflex funktioniert nach wie vor. (Vom Hetzreflex mancher deutscher Medien, wie der SZ, schweige ich an der Stelle lieber.) Aber auch generell wenn Deutsche betroffen sind, sind die Reaktionen political correct: Man stelle sich vor, ein Jan Ullrich würde im ZDF-Morgenmagazin als "einer der erfolgreichsten deutschen Radfahrer" aller Zeiten vorgestellt. Lance Armstrong wird aber durchaus vom ZDF als "Sportler" vorgestellt, ebenso wie der Betrüger Carl Lewis von Herrn Poschmann gefeiert wird. Ins "Aktuelle Sportstudio" werden sie eingeladen und - auch vom Publikum - mit Beifall empfangen. Eine völlig unangebrachte Höflichkeit, weil es eine unanständige Geste gegenüber den ehrlichen Sportlern ist, eigentlich der blanke Hohn.
Ich plädiere dafür, wo auch immer diese Kriminellen eingeladen werden, den Anstand gegenüber den ehrlichen Sportlern zu wahren und diese Betrüger mit einem soliden Pfeifkonzert zu empfangen, bis sie sich freiwillig selber verabschieden.
Es gibt schon Sportlerinnen und Sportler, die auch für Laienaugen extrem unnatürlich aussehen und man deshalb Doping vermutet. Ein Experte und Profisportler wie Hingsen wird das wohl noch genauer einschätzen können und deswegen finde ich seine Aussage auch O.K..
Paging