SZ: Man merkt Ihnen trotz Ihrer Neigung zum Zynismus an, dass Sie an Ihrer Arbeit nicht den Spaß verloren haben.
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Meyer: Vor meinem Studium, bis zur erweiterten Oberschule, also bis zum Abitur, hatte ich viel, viel mehr Tage, an denen ich morgens gesagt habe, ich möchte eigentlich lieber im Bett bleiben. Wenn ich absolut keine Neigung hatte zu Latein oder Mathe oder was weiß ich - für mich war fast jedes Fach schwierig. Als Trainer, ich mache jetzt keinen Quatsch, gab es nicht einen einzigen Tag, an dem ich lieber zu Hause geblieben wäre.
SZ: Trotzdem bemängeln Sie zunehmend den zu großen Einfluss der Medien und den Verlust der inneren Einheit in der Mannschaft durch Einflüsse von außen. Sind sie pessimistischer geworden?
Meyer: Ich? Pessimistisch? Ich bin doch einer der ganz wenigen, die die Weltwirtschaftskrise negieren! Nein, ich ärgere mich manchmal sogar über meinen Realismus. Ich denke manchmal, ich könnte gefühlsmäßiger reagieren und wäre damit glücklicher.
SZ: Sie sind aber Kulturpessimist und beklagen den Verfall bestimmter Werte.
Meyer: Das stimmt! Ich habe vor einigen Dingen im Leben Angst, dass sie uns aus den Händen gleiten könnten. Wenn für ein paar Stunden ein Mobilfunknetz zusammenbricht und das zu einem Riesendrama aufgebauscht wird, ist das doch lächerlich. Aber wenn du beobachtest, was im technischen Bereich läuft und wie abhängig wir von einigen wenigen werden, wenn du siehst, wie in der Wirtschaft einzelne Scharlatane einen solchen Schaden anrichten, da kriege ich Angst.
SZ: Auch beim Fußball regen Sie sich häufiger über gewisse Dinge auf.
Meyer: Stimmt doch nicht. Ich habe immer noch jeden Tag richtig viel Spaß daran und sehe wahnsinnig gern einen taktischen Leckerbissen wie am Dienstag, als Chelsea in Barcelona aber noch altmodischer gespielt hat als der Meyer beim Rückrundenauftakt in Stuttgart.
SZ: Sie meinen das Spiel, in dem sie mit Galasek als Libero gespielt haben.
Meyer: Wisst Ihr was? Vielleicht spiele ich auch in München mit Dreierkette.
SZ: Ist das eine Finte?
Meyer: Nein. Aber das wollt Ihr doch auch nicht schreiben!?
SZ: Natürlich.
Meyer: Dann schreibt mal lieber, dass ich mit zwei Ausputzern spiele. Ich werde Beton anrühren wie Chelsea in Barcelona.
SZ: Gut ist, dass der gegnerische Trainer das Wort Ausputzer sogar versteht.
Meyer: Der Jupp ist neben mir sicher der Einzige, der das noch kennt.
SZ: Was ist überhaupt vom Duell zweier alter Trainer-Haudegen zu erwarten?
Meyer: Man muss abwarten, wer den moderneren Fußball spielt. Ich denke, dass man beim FC Bayern schon deutlich sehen wird, dass der Jupp noch drei Jahre jünger ist als ich.
SZ: Sie sind aktuell der älteste Bundesligatrainer - wie lange wird es den Trainer Hans Meyer noch geben?
Meyer: Ich denke, wenn wir den Klassenerhalt schaffen, werde ich noch ein Jahr in Mönchengladbach bleiben.
SZ: Und wenn Sie absteigen?
Meyer: Mit einem Hans Meyer, der abgestiegen ist, sollte man hier nicht weitermachen. Das kann man getrost vergessen.
SZ: Würden wir Sie als Trainer dann noch mal woanders wiedersehen?
Meyer: Wenn ein 70-jähriger Tscheche einen Job als österreichischer Nationaltrainer bekommt, dann müssten beim Hans Meyer die Angebote von Nationalmannschaften aus der ganzen Welt aber nur so reinhageln.
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(SZ vom 02.05.2009)
Linke-Vize-Chefin Wawzyniak
Herrlisch!