Interview mit DFB-Chef Zwanziger "Ich fühle mich nicht als Täter"

SZ: Es gab einen Kongress des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) in Berlin, Sie haben dort Position bezogen, der Journalist hat gewertet.

Zwanziger: Das hätte ich gerne in einer mündlichen Verhandlung erläutert. Denn meine in Berlin geäußerte sportpolitische Meinung entspricht exakt der Auffassung unserer Bundesregierung, wie mir der Bundesinnenminister gerade heute schriftlich bestätigt hat. Die Bundesregierung sieht in der Sache den gleichen Handlungsbedarf wie wir.

SZ: DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach behauptet, Weinreich habe sich in einem anonymen Blog geäußert. Der Blog war aber nicht anonym.

Zwanziger: Das sind zwei getrennte Fälle. Im einen geht es um Ehrverletzung, im anderen äußern sich Repräsentanten des DFB. Aber für meine Präsidiumskollegen gilt auch das Recht auf freie Meinungsäußerung. Wolfgang Niersbach hat nicht gesagt, dass sich Herr Weinreich anonym in einem Blog äußert, sondern wollte abstrakt zum Ausdruck bringen, dass sich in Internetblogs zahllose User - vielfach unter Pseudonym - an Debatten beteiligen, deren Verfasser nicht mehr direkt, sondern nur noch durch Teilnahme an der Blogdiskussion ansprechbar sind.

SZ: Niersbach behauptet auch, Weinreich habe die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten, obwohl die Richter das Gegenteil feststellten.

Zwanziger: Die Ablehnung ist nur vorläufig. Die Presseerklärung ist eine Entgegnung, wir hatten uns vorher nicht geäußert. Der DFB darf doch auch sagen, was er von einer Sache hält.

SZ: Aber er unterschlägt Tatsachen.

Zwanziger: Wir haben nie verschwiegen, dass es einstweilige Verfügungen gab. Diese Tatsache war doch ohnehin durch die ausführliche Dokumentation von Herrn Weinreich bekannt.

SZ: Sollten die Maßstäbe, die Sie für sich reklamieren, nicht auch für Journalisten gelten?

Zwanziger: Gelten sie auch, wenn die Journalisten nicht unqualifiziert polemisieren.

SZ: Sie sind als DFB-Präsident für die Presseerklärung organverantwortlich.

Zwanziger: Der DFB hat einen Präsidenten, und die Kollegen des DFB halten die Beurteilung, die über mich in dem Blog verfasst wurde, für absolut ungerecht, unabhängig, ob sie von der Meinungsfreiheit gedeckt ist oder nicht. Für dieses Zeichen der Solidarität war und bin ich dankbar. Oder gilt das Recht auf Meinungsfreiheit nur für Herrn Weinreich und nicht für uns?

SZ: Niersbach unterstellt außerdem eine einseitige Berichterstattung. Ist die Pressemitteilung nicht einseitig?

Zwanziger: Unsere Position dazu habe ich gerade erläutert. Diese Pressemitteilung weist unhaltbare Verdrehungen zurück und hat nicht die Aufgabe, den gesamten Vorgang chronologisch aufzuarbeiten.

SZ: Müssen Sie nicht fürchten, dass der Eindruck entsteht, eine mächtige Organisation möchte einen einzelnen an seiner wirtschaftlichen Basis diskreditieren?

Zwanziger: Nein, ich würde niemals jemandem, mit dem ich Differenzen habe, wirtschaftlich schaden wollen. Der eine Teil der ganzen Auseinandersetzung ist der, den ich persönlich mit Herrn Weinreich auszufechten habe. Der andere Teil betrifft die Pressemitteilung des DFB. Meine Kollegen des Präsidiums waren loyal. Sie können das gerne mal mit unserem Vizepräsidenten Rainer Koch diskutieren.

SZ: Warum gab es dann einen Email-Verteilerkreis für die Presseerklärung des DFB, der über 100 Personen umfasste, darunter sehr viele Entscheider des deutschen Sports? Weinreichs Spezialgebiet ist die Sportpolitik. Kam Ihnen nie der Gedanke, der DFB könnte einen Journalisten in seinem typischen Arbeitsumfeld schädigen?

Zwanziger: Nein, wirklich nicht. Ein solcher Eindruck darf nicht entstehen, das ist nicht meine Absicht und nicht die meiner Kollegen. Der zusätzliche Verteiler für die Pressemitteilung ist ein Kreis von Personen, die mich kennen, die mir nahe stehen oder mit denen ich in unseren Gremien arbeite. Sie hatten auch Anspruch darauf, nicht nur über das Internet von Herrn Weinreich informiert zu werden.

SZ: Tragen Sie die Prozesskosten selbst?

Zwanziger: Wenn ich verliere und die Rechtsschutzversicherung nicht zahlt, werde ich eine entsprechende Spende für gemeinnützige Zwecke machen.

SZ: Sie haben zweimal verloren.

Zwanziger: Damit schließt sich der Kreis und wir sind am Anfang unseres Interviews. Eins ist klar: Wenn die Versicherungsfrage geklärt ist, wird dem DFB kein Schaden entstehen.