Interview mit DFB-Arzt Tim Meyer "Es geht nicht nur ums Klima"

Tim Meyer, 46, ist seit 2008 Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin in Saarbrücken.

(Foto: Patrick Stollarz/AFP)

Auf ihn kommt mehr Arbeit zu als bei jedem anderen Turnier zuvor: DFB-Mannschaftsarzt Tim Meyer muss die deutschen Nationalspieler bei der Fußball-WM in Brasilien auf die ungewohnt große Hitze vorbereiten. Im SZ-Interview erklärt Meyer, warum die Südamerikaner wegen des Klimas trotzdem nur einen kleinen Vorteil haben.

Von Christof Kneer und Philipp Selldorf, Santo André

Tim Meyer redet gerade sehr oft über das Wetter. Das liegt nicht daran, dass er keine anderen Themen hat. Temperaturen, Sonnenstand und Luftfeuchte in Salvador, Fortaleza und Recife haben einen großen Einfluss auf seine Arbeit. In den drei Städten wird die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Vorrunde der Weltmeisterschaft spielen, was 90 Minuten Fußball in der Mittagssonne mit einem Spieler-Körper anstellen werden, wird Meyer unmittelbar mitbekommen.

Der 46-Jährige soll die Nationalspieler medizinisch auf diese Bedingungen einstellen. Seit 2001 ist er Mannschaftsarzt des DFB, die Weltmeisterschaft in Brasilien ist sein sechstes großes Turnier. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt er: "Was die Turniere der A-Mannschaft angeht, ist das aktuelle Turnier sicherlich mit Abstand das komplizierteste."

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(Foto: Getty Images)

Der Professor für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes erklärt, wie die Spieler im Turnier am besten mit der Hitze umgehen sollten und welche Rolle die Psyche dabei spielt. "Wenn man die Bedingungen annimmt, wie sie sind, wirkt es gleich ein bisschen weniger heiß." Er habe die Spieler vor dem Turnier aus medizinischer Sicht über Klima, Hygiene, Infektionen und Jetlag informiert. Beim der WM 2002 in Japan und Südkorea hätte es zwar auch tropische Temperaturen gegeben, allerdings seien dies Länder mit hohen Hygienestandards.

Er sieht wegen der klimatischen Bedingungen allerdings nur einen kleinen Vorteil für südamerikanische Mannschaften. Deren Topspieler würden zum großen Teil in Europa spielen. "Aber natürlich haben sie ihre ersten zwei Lebensjahrzehnte auf dem südamerikanischen Kontinent verbracht, von daher haben sie sicher einen kleinen Vorteil. Aber es geht dabei nicht nur ums Klima: Es gibt ja auch so etwas wie einen way of life, die Dinge laufen hier halt zum Teil anders als in Europa", sagt er im SZ-Interview.

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Bei der Auswahl des Quartier-Standortes der Nationalmannschaft war Meyer ebenfalls eingebunden, er sagt, dass es aus "medizinischer Sicht überhaupt keinen Sinn ergeben hätte", das Lager in einer kühleren Region aufzuschlagen. Die Idee des englischen Nationaltrainers Roy Hodgson, seine Spieler sollten sich im Training warm anziehen, um die Hitze zu simulieren, hält Meyer allerdings für "ungewöhnlich". An eine Doping-WM aufgrund der großen Hitze glaubt der DFB-Arzt nicht.

Das vollständige Interview lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Süddeutschen Zeitung oder auf dem Ipad.