sueddeutsche.de: Clemens Prokop, Chef des Deutschen Leichtathletik-Verbands, hat kürzlich angeregt, dass die Sportverbände selbst fünf Prozent ihrer staatlichen Förderung an die Nada überweisen sollen. Das stieß bei fast allen anderen Verbänden auf Ablehnung.

Armin Baumert, 64, ist Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti-Doping-Agentur. (© Foto: dpa)

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Armin Baumert: Ich kann hier die Sportverbände verstehen. Sie beteiligen sich ja bisher schon, wenn auch zu einem geringen Teil. Sie müssen mit ihren wenigen öffentlichen Mitteln ja auch ihre sportfachlichen Pflichten abdecken. In welcher Form sich der Sport künftig beteiligt, muss einfach noch diskutiert werden. Letztlich sind alle für den Kampf gegen Doping mitverantwortlich: Politik, Wirtschaft und Sport.

sueddeutsche.de: Wie steht die Nada zu dem Ansinnen einiger Politiker, die staatliche Förderung für den Radsport in Höhe von 2,7 Millionen Euro im Jahr zu streichen?

Armin Baumert: Politischer Druck ist richtig, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass sich Sportverbände im Kampf gegen Doping defensiv verhalten. Das kann ich aber nicht erkennen, die Sensibilität diesbezüglich ist bei allen Verbänden größer geworden.

sueddeutsche.de: In der Vergangenheit gab es immer wieder "missed tests": Sportler sollten kontrolliert werden, sind aber nicht angetroffen worden. Nun sollen solche Sportler nicht für Olympia nominiert werden.

Armin Baumert: Erstmal vorweg: Die Nada kann einen "missed test" weder aussprechen noch sanktionieren. Wir berichten nur dem zuständigen Verband, dass ein Sportler nicht angetroffen wurde ...

sueddeutsche.de: ... was in der Vergangenheit nicht immer zeitnah geschah.

Armin Baumert: Stimmt, aber das läuft mittlerweile gut. Der Verband hält dann Rücksprache mit dem Sportler und ermittelt, ob es ein "missed test" war, oder ob andere Gründe vorlagen, warum der Sportler nicht am gemeldeten Ort war. Wir wollen jetzt kein Damoklesschwert über alle Sportler hängen, sondern jeden Einzelfall genau ansehen.

sueddeutsche.de: Derzeit wird in der Politik auch über ein neues Anti-Doping-Gesetz gestritten. Der favorisierte Vorschlag wird von Experten heftig kritisiert. Er sei zu harmlos, weil er unter anderem den Besitz von Dopingmitteln erst "in nicht geringen Mengen" bestraft.

Armin Baumert: Die Nada sieht in dem Gesetz eine Kompromisslösung, die derzeit zwischen Politik und Sportverbänden möglich ist.

sueddeutsche.de: Noch eine persönliche Frage: Mit welchen Gefühlen werden Sie die am kommenden Wochenende startende Tour de France sehen?

Armin Baumert: Nun ja, selbst beim größten Sportenthusiasten lässt die Begeisterung angesichts der Vorfälle irgendwann nach. Aber ein schwarzer Bildschirm hat aus meiner Sicht keinen Sinn, der Radsport ist ein phantastischer Sport, den die Medien nun zusammen mit dem Kampf gegen Doping anbieten müssen.

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