Von Interview: Thomas Hummel

Armin Baumert spricht über das Geständnis des Radprofis, woher mehr Geld für den Anti-Doping-Kampf kommen soll. Und wie gerne er sich noch die Tour de France ansieht.

sueddeutsche.de: Herr Baumert, wie haben Sie die Beichte von Jörg Jaksche aufgenommen?

Nada Doping

Eine Dopingkontrolle ist teuer, Armin Baumert fordert deshalb mehr Geld für die Nada. (© Foto: dpa)

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Armin Baumert: Ähnlich wie bei Zabel und Aldag. Man konnte ahnen, dass auch Jaksche keine Überraschungen bringt. Er hat die Karten noch nicht voll aufgedeckt und ich hoffe, dass er die Kronzeugenregelung der Wada (World Anti-Doping Agency; Anm. d. Red.) in Anspruch nimmt und noch mehr sagt, noch mehr Namen nennt.

sueddeutsche.de: Das Jaksche-Geständnis hatte aber eine andere Qualität als die Aussagen von Zabel oder Aldag. Die beiden haben sich ja nur auf Delikte bezogen, die rechtlich schon verjährt sind.

Armin Baumert: Sicher, Jaksches Aussagen reichen in die Gegenwart. Es ist wichtig, dass ein Insider das Buch aufblättert und erzählt, was heute im Radsport geschieht. Da ist Jaksche einen wesentlichen Schritt weitergegangen. Deshalb ist es für uns ein wichtiger Beitrag im Kampf Hase gegen Igel, also im Kampf gegen die mafiösen Doping-Netzwerke, denen wir hinterherjagen. Es ist ein gnadenloser Kampf, der von der Gegenseite mit viel Geld geführt wird. Dazu mit der Unverfrorenheit, allerlei Chemie am menschlichen Körper auszuprobieren und die Wirkung neuer Stoffe zu testen.

sueddeutsche.de: Dennoch sind Sie mit Jaksche noch nicht ganz zufrieden?

Armin Baumert: Es ist jetzt eine Verfahrensfrage der Wada und des Internationalen Sportgerichts CAS wie es weiter geht. Es ist sehr wichtig, dass Jaksche jetzt nicht stoppt.

sueddeutsche.de: Häufig hört man, dass Radfahrer, die auspacken wollen, stark unter Druck gesetzt, mitunter auch bedroht werden. Muss man Angst haben um Jörg Jaksche?

Armin Baumert: Er hat jetzt sicher existenzielle Ängste. Aber jeder, der in dem System drinsteckt, weiß selbst am besten, wo die Gefahren lauern.

sueddeutsche.de: Welche Konsequenzen ergeben sich aus Jaksches Beichte für die Nada, die Nationale Anti-Doping-Agentur?

Armin Baumert: Wenn man die Unzulänglichkeiten im deutschen Anti-Doping-Kampf ansieht, könnte es ein Beschleuniger für das Bemühen sein, die Nada stärker zu machen. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wird größer und damit auch für unsere Forderung: Wenn die Nada ihrer Aufgabe gerecht werden soll, braucht sie mehr Geld. Wir benötigen mehr Personal und mehr Sachmittel, um die Kontrollen auszuweiten und auch intelligenter als bisher kontrollieren zu können. Um all dies zu schaffen, wäre langfristig gesehen ein Etat von rund fünf Millionen Euro notwendig; im Moment liegen wir bei knapp 1,9 Millionen Euro.

sueddeutsche.de: Woher soll das Geld kommen?

Armin Baumert: Wir hatten schon gute Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und sind hier auf einem guten Weg. Außerdem appellieren wir an die großen Sponsoren der Sportverbände, sich im Anti-Doping-Kampf zu engagieren, aber wir wollen natürlich keine gegenseitige Kannibalisierung.

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