Armin Baumert spricht über das Geständnis des Radprofis, woher mehr Geld für den Anti-Doping-Kampf kommen soll. Und wie gerne er sich noch die Tour de France ansieht.
sueddeutsche.de: Herr Baumert, wie haben Sie die Beichte von Jörg Jaksche aufgenommen?
Eine Dopingkontrolle ist teuer, Armin Baumert fordert deshalb mehr Geld für die Nada. (© Foto: dpa)
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Armin Baumert: Ähnlich wie bei Zabel und Aldag. Man konnte ahnen, dass auch Jaksche keine Überraschungen bringt. Er hat die Karten noch nicht voll aufgedeckt und ich hoffe, dass er die Kronzeugenregelung der Wada (World Anti-Doping Agency; Anm. d. Red.) in Anspruch nimmt und noch mehr sagt, noch mehr Namen nennt.
sueddeutsche.de: Das Jaksche-Geständnis hatte aber eine andere Qualität als die Aussagen von Zabel oder Aldag. Die beiden haben sich ja nur auf Delikte bezogen, die rechtlich schon verjährt sind.
Armin Baumert: Sicher, Jaksches Aussagen reichen in die Gegenwart. Es ist wichtig, dass ein Insider das Buch aufblättert und erzählt, was heute im Radsport geschieht. Da ist Jaksche einen wesentlichen Schritt weitergegangen. Deshalb ist es für uns ein wichtiger Beitrag im Kampf Hase gegen Igel, also im Kampf gegen die mafiösen Doping-Netzwerke, denen wir hinterherjagen. Es ist ein gnadenloser Kampf, der von der Gegenseite mit viel Geld geführt wird. Dazu mit der Unverfrorenheit, allerlei Chemie am menschlichen Körper auszuprobieren und die Wirkung neuer Stoffe zu testen.
sueddeutsche.de: Dennoch sind Sie mit Jaksche noch nicht ganz zufrieden?
Armin Baumert: Es ist jetzt eine Verfahrensfrage der Wada und des Internationalen Sportgerichts CAS wie es weiter geht. Es ist sehr wichtig, dass Jaksche jetzt nicht stoppt.
sueddeutsche.de: Häufig hört man, dass Radfahrer, die auspacken wollen, stark unter Druck gesetzt, mitunter auch bedroht werden. Muss man Angst haben um Jörg Jaksche?
Armin Baumert: Er hat jetzt sicher existenzielle Ängste. Aber jeder, der in dem System drinsteckt, weiß selbst am besten, wo die Gefahren lauern.
sueddeutsche.de: Welche Konsequenzen ergeben sich aus Jaksches Beichte für die Nada, die Nationale Anti-Doping-Agentur?
Armin Baumert: Wenn man die Unzulänglichkeiten im deutschen Anti-Doping-Kampf ansieht, könnte es ein Beschleuniger für das Bemühen sein, die Nada stärker zu machen. Die Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit wird größer und damit auch für unsere Forderung: Wenn die Nada ihrer Aufgabe gerecht werden soll, braucht sie mehr Geld. Wir benötigen mehr Personal und mehr Sachmittel, um die Kontrollen auszuweiten und auch intelligenter als bisher kontrollieren zu können. Um all dies zu schaffen, wäre langfristig gesehen ein Etat von rund fünf Millionen Euro notwendig; im Moment liegen wir bei knapp 1,9 Millionen Euro.
sueddeutsche.de: Woher soll das Geld kommen?
Armin Baumert: Wir hatten schon gute Gespräche mit dem Bundesinnenministerium und sind hier auf einem guten Weg. Außerdem appellieren wir an die großen Sponsoren der Sportverbände, sich im Anti-Doping-Kampf zu engagieren, aber wir wollen natürlich keine gegenseitige Kannibalisierung.
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@memamoto Meines Erachtens ist es völlig unbestreitbar, dass der Sport ein bedeutendes Kulturgut der modernen Gesellschaft ist. Natürlich ist eine solche Bewertung auch immer abhängig vom angelegten Kulturbegriff. Zweifellos beeinflusst der Profisport die Gesellschaft weitaus stärker als es klassiche "kulturelle Medien" wie Theater oder Oper tun. Demnach ist es absolut selbstverständlich, dass der Profisport staatlich unterstüzt wird.
Im weitern muss ich darauf hinweisen, dass das Einkommen der durschnittlichen Radsportler eher karg ist.
Ich finde Dopping gut, weil die Radfahrer dann schneller fahren können.
Wieso sollen hier unsere Steuern ausgegeben werden? Gibt es dafür nicht bessere Zwecke? Mein Geld ist mir dafür zu schade, erwachsene Menschen von freiwilligen Selbstschädigungen abzuhalten, die sie sich zufügen, um noch reicher zu werden...
Ich bin mir sicher, dass schon allein bei der Tour de France ausreichend Geld verdient wird, um dort etwas - gerne auch durch staatliche Vorschriften - abzuzwacken und der Nada zukommen zu lassen. Vielleicht sollte man alle Profis zwangsweise in einen Fonds einbezahlen lassen. Wenig verdienen die ja nicht (Jaksche zB zeitweilige eine halbe Million.)
Dieser Ansatz funktioniert nicht, weil damit die Doping-Kontrollen von denjenigen finanziert werden sollen, die durch die Doping-Kontrollen letztlich kontrolliert werden sollen. Dies birgt im Zweifel immer unuberbrückbare Interessenskonflikte und widerspricht vollkommen dem Grundsatz der Gewaltenteilung. Niemand kann sich glaubwürdig selbst kontrollieren: Wenn der Doping-Kontrolleur (auch nur indirekt) von der Telekom bezahlt wird, besteht im Zweifel immmer ein Erpressungspotential, dass die Doping-Probe eines T-Mobile-Fahrers nicht positiv getestet wird. Die Doping-Verfolgung kann nur dann effektiv und glaubwürdig werden, wenn sie von einer komplett unabhänigen Insitution durchgeführt und diese Institution unabhängig fianziert wird. Der Sport nimmt m. E. einen solchen gesellschaftlichen Stellenwert ein, dass es mir durchaus gerechtfertigt erscheint, die Doping-Kontrollen, sprich die NADA, als eine von allen Sportinstitutionen unabhängige staatliche Bundesbehörde zu installieren, in der unabhängig Beamte beschäftigt sind. Dieser Ansatz muss natürlich international weitergedacht und in allen Ländern gleich angewendet werden. Alle NADAs werden hierzu international in der WADA zusammengefasst und die WADA muss vom IOC und allen Kontinental- und Weltverbänden das Recht verliehen bekommen, alle Länder, in denen keine unabhängige Doping-Bekämpfung stattfindet, von Olympischen Spielen sowie von Kontinental- und Weltmeisterschaften auszuschließen.
Der Staat soll also die Dopingkontrollen finanzieren.
Beim Profisport sehe ich es eher so, dass die Teams, Vereine oder Sportler für die Finanzierung zuständig sind. Wer gutes Geld mit seinem Sport verdient, ist auch dafür zuständig diesen sauber zu halten bzw zu machen. Ein bestimmter Teil des Etats vom Team T-Mobile wäre dann für den Antidopingkampf da.