Ein Interview von Freddie Röckenhaus

Christian Wörns, 36, über Dortmunder Pokalchancen, Platzhirsche und die ruppige Kunst der Innenverteidigung.

SZ:: Herr Wörns, nehmen Sie es bitte nicht übel, aber der Fußball-Fan verbindet Sie nach fast 20 Jahren als Profi mit genau zwei Szenen: Einmal ziehen Sie die Notbremse gegen den Kroaten Davor Suker bei der WM 1998 und fliegen vom Platz, das andere Mal, bei der EM 2004, macht Ruud van Nistelrooy das 1:1 für die Niederlande. Beide Male war es der Anfang vom Ende für Deutschland. Ist das nicht ein bisschen deprimierend?

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In München musste sich Christian Wörns (vorne) gegen seinen Gegenspieler Luca Toni geschlagen geben. (© Foto: dpa)

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Christian Wörns:: Sind Sie sicher, dass das die Szenen sind, die haften geblieben sind?

SZ:: Bei den meisten Leuten schon.

Wörns:: Okay - das ist wohl das Los der Innenverteidiger und des Torwarts. Wenn da ein Fehler gemacht wird, hat das fatale Folgen. Es interessiert niemanden mehr, wer vorher im Mittelfeld den Ball verdaddelt oder wer, wie bei der EM 2004, seinen Gegenspieler bei der Flanke nicht stört. Bei diesem Zweikampf mit van Nistelrooy zum Beispiel: Da hätte ich nichts besser machen können. Außer: mehr Glück haben müssen.

SZ:: Sie erinnern sich gut an die Szene.

Wörns:: Natürlich, ich habe sie vorwärts und rückwärts gesehen. Man sieht, dass ich nichts verkehrt mache, und dass der Ball trotzdem reingeht. Innenverteidiger ist ein undankbarer Posten. Früher gab es noch den Libero, seit der abgeschafft wurde, hast du als Innenverteidiger praktisch keine Absicherung mehr. Ein Stürmer kann 800 Minuten kein Tor schießen, dann macht er fünf Tore in fünf Spielen und alles jubelt.

SZ:: Denken Sie da nicht oft: Wäre ich doch etwas anderes geworden als ausgerechnet Manndecker?

Wörns:: Es wäre ja dann die Frage, ob ich es so weit geschafft hätte (lacht) .

SZ:: Sie stammen ursprünglich aus der einst berühmten wie gefürchteten Manndecker-Schule von Waldhof Mannheim. Das ist wie eine Bestimmung, da blieb Ihnen doch gar keine andere Wahl.

Wörns:: Wissen Sie, diese Waldhofer Schule hat es nie gegeben. Ich glaube, es war reiner Zufall, dass sich da einige Talente entwickelt haben. Wir hatten nur zweimal die Woche Training - und dabei wurde verdammt oft einfach nur gekickt. Nicht mal die grundlegenden Techniken des Innenverteidigens sind mir da beigebracht worden. Man hatte dort ein Auge für Talente, aber von einer Schule kann man nicht reden. Es kamen übrigens aus Waldhof auch kreative Spieler, Alfred Schön, Fritz Walter, Maurizio Gaudino, Uwe Rahn - nicht nur Manndecker.

Auf der nächsten Seite: Warum Wörns manchmal zur falschen Zeit am falschen Ort war und die Generalprobe in München so schiefgelaufen ist.

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