Von Interview: Christof Kneer

DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke über die angebliche Festlegung auf die drei Torhüter für die EM 2008.

SZ: Herr Köpke, am Dienstag wurde gemeldet, dass sich Bundestrainer Löw in einem Interview definitiv auf Jens Lehmann, Timo Hildebrand und Robert Enke als EM-Keeper festgelegt habe. Kann man Ihnen zur frühesten Nominierung in der DFB-Geschichte gratulieren?

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"Bei Timo Hildebrand hat man ja gerade wieder gesehen, wie schnell sich alles ändern kann." Andreas Köpke über die Situation seines DFB-Ersatztorwarts in Valencia. (© Foto: dpa)

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Köpke: Nein. Joachim und ich haben uns im Vorfeld natürlich abgesprochen, aber wir sind etwas überrascht, wie einseitig diese Aussage interpretiert wird.

SZ: Inwiefern?

Köpke: Es ist in diesem Interview keine wichtige Entscheidung verkündet worden. Joachim hat einfach den Ist-Zustand benannt, er hat gesagt, wie die Dinge im Moment liegen. Das sind die drei Torhüter, die zuletzt immer dabei waren und im Moment das Recht hätten, nominiert zu werden. Wenn wir heute nominieren würden, würden die Keeper Lehmann, Hildebrand, Enke heißen. Aber es gibt keinen Grund, schon jetzt definitive Aussagen zu treffen. Wer weiß schon, was in einem halben Jahr ist? Und Joachim Löw hat doch immer gesagt, dass er sechs Monate im Voraus niemandem eine definitive Einsatzgarantie geben kann.

SZ: Der Satz, mit dem der Bundestrainer im Interview zitiert wurde, klang aber sehr definitiv: "Mit diesen drei Torhütern werden wir ins Turnier gehen."

Köpke: Es ist so, wie ich es gerade gesagt habe, nicht mehr und nicht weniger.

SZ: Eine so frühe Nominierung würde ja dem Leistungsprinzip widersprechen, und Löw hält Konkurrenzkampf ausdrücklich für leistungsfördernd.

Köpke: Ganz genau, und bei der Torwartentscheidung vor der WM 2006 haben wir ja auch bis zur letzten Minute gewartet, da wäre es doch ein bisschen früh, wenn wir jetzt plötzlich im Dezember definitiv entscheiden würden. Nein, wir wollen auch weiterhin auf aktuelle Entwicklungen reagieren können, nicht nur auf Verletzungen, sondern natürlich auch auf etwaige Formtiefs. Ihre Leistung müssen die Jungs schon bringen.

SZ: Dass man mit den dreien ins Turnier geht, darf man also auch als strategische Aussage des Bundestrainers verstehen, um während der Winterpause Ruhe in die hitzige Debatte zu bekommen?

Köpke: Das können Sie so sehen, ja.

SZ: Es wäre ja auch nicht sehr weitsichtig, wenn Sie jetzt schon sämtliche Türen zuknallen würden.

Köpke: Richtig, gerade in dieser Angelegenheit, die für alle Beteiligten so schwer einzuschätzen ist. Bei Timo Hildebrand hat man ja gerade wieder gesehen, wie schnell sich alles ändern kann.

SZ: Valencias Trainer Koeman hat überraschend Hildebrands Konkurrenten Cañizares ausgemustert. Cañizares muss nun sogar den Klub verlassen.

Köpke: Da wussten wir immer etwas mehr, Timo hat uns zuletzt immer wieder gesagt, es gebe positive Signale, und das ist jetzt eben eingetreten. Wenn ich Cañizares spielen gesehen habe, dann war mir eigentlich immer klar, dass Timo über kurz oder lang wieder zum Zuge kommt.

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