Ullrich: .... und dann lässt Lance hinten seine Mannschaft fahren und kommt wieder ran. So machst du dich kaputt.
Anzeige
SZ: Diesmal ist Ihr Freund und Teampartner Alexander Winokurow wieder dabei. Er bringt eine ganz neue Qualität in die Tour, manche sprechen ihm sogar eine Siegchance zu. Was passiert, wenn er attackiert, wie er es angekündigt hat?
Ullrich: Lance weiß doch genau, dass er dann reagieren muss.
SZ: Oder Armstrong pokert und wartet ab, und Sie sind plötzlich in der Zuschauerrolle.
Ullrich: Gut, aber dann hat wenigstens einer von uns die Tour gewonnen. Jeder weiß, dass es mir nichts ausmachen würde, wenn Winokurow gewinnt. Aber Lance wird reagieren, wenn er sieht, dass sein Sieg in Gefahr ist.
SZ: Zumal er wohl wieder über die stärkste Mannschaft verfügt, mit dem Giro-Sieger Savoldelli, mit Popowitsch, der die Katalonien-Rundfahrt gewann.
Ullrich: Ja, sie hatten in den letzten Jahren eine übermächtige Mannschaft, sie sind praktisch immer die Tour von vorne gefahren, haben alles kontrolliert. Dieses Jahr sind sie wieder stark.
SZ: Armstrong dominiert sein Team wie ein Feldherr. In Ihrem Team fehlt diesmal der Sprinter Erik Zabel, weil es erstmals auf Sie und nach Ihren Wünschen ausgerichtet worden ist. Sind Sie früher zu wenig egoistisch gewesen?
Ullrich: Ich bin so und glaube, ich bin im Team und im Feld beliebt. Ich habe gerne diesen Charakter und will ihn nicht wechseln, nur um mehrmals die Tour zu gewinnen. Ich kämpfe ja trotzdem um den Sieg mit, obwohl ich manchmal vielleicht zu lieb bin.
SZ: Über den Sieg entscheidet womöglich erst das lange Zeitfahren am letzten Samstag in St. Etienne. Dort gewannen Sie 1997 und sicherten Ihren Toursieg.
Ullrich: Ich habe mir die Strecke angeschaut. Es ist kein halbes Bergzeitfahren wie 1997, jetzt geht es ständig hoch und runter. Sagenhaft schwer, verwinkelt, mit vielen Rhythmuswechseln. Falls die Zeitabstände noch gering sein werden, ist dort einiges drin.
SZ: Falls Sie in St. Etienne erneut besiegt sein sollten, würden Sie sich 2006 dennoch über einen Toursieg freuen?
Ullrich: Puh!Ein Toursieg ist immer viel wert. Aber ein Sportler möchte die Besten schlagen, deshalb wäre es mir lieber, wenn Lance noch einmal dabei ist.
SZ: Sie würden aber trotzdem wieder kommen, auch ohne Armstrong?
Ullrich: So lange ich merke, dass ich die größte und härteste Rundfahrt gewinnen kann, fahre ich sie. Mein Leben endet ja nicht, wenn Lance aufhört. Auch nicht meine Karriere.
Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4
Torwartlegende Sepp Maier im Interview. SZ am Wochenende Jetzt lesen ...
(SZ vom 2.7.2005)